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Betreten verboten: Die Lindenstraße in Rottach-Egern sackte vor gut einer Woche ab.

Straße soll vor dem Winter befahrbar gemacht werden

Krater in der Lindenstraße könnte Millionen kosten 

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Rottach-Egern - Eine Erdwärme-Bohrung hat die Rottacher Lindenstraße absacken lassen. Wie hoch der Schaden ist, lässt sich aktuell noch nicht sagen. Erst muss die Statik der umliegenden Häuser begutachtet werden.

Der Krater in der Rottacher Lindenstraße ist Sperrgebiet. „Jeder hat Angst“, sagt Gemeinde-Geschäftsleiter Gerhard Hofmann. Angst, dass die abgesackte Straße weiter einbricht und der Schaden noch wächst. Er beläuft sich nach derzeitiger Schätzung auf mehrere 100 000 Euro. Aber es sind vier Gebäude betroffen, deren Statik noch zu überprüfen ist. 

Sollte sich zeigen, dass die nicht mehr stimmt, könnte die Schadenssumme nach oben schnellen. „Bis zur Millionenhöhe“, meint Hofmann. Wie berichtet, rutschte der Asphalt am Dienstag vergangener Woche plötzlich bis zu zwei Meter in die Tiefe. Nach den Ursachen forscht der von der Gemeinde beauftragte Geologe Rasso Bumiller noch immer. Doch besteht kaum ein Zweifel daran, dass eine Geothermie-Bohrung für das Desaster verantwortlich ist. Und zwar die tiefste, die je in Rottach-Egern genehmigt wurde. 

Die Sondierung des Erdreichs war Hofmann zufolge bis zu einer Tiefe von 80 Metern erlaubt. In 45 Meter Tiefe stieß die zuständige Firma auf Wasser. Daraufhin, berichtet Hofmann, habe das Unternehmen die Bohrung sofort beendet und die Stelle verplombt. Dennoch brach die Straße wenig später ein. Es entstand ein Krater mit einem Durchmesser von 20 Metern. Die Sonde war den jetzigen Erkenntnissen nach auf einen Hohlraum gestoßen, in den Kies rutschte. Der Hohlraum dürfte mit Wasser gefüllt gewesen sein. Womöglich, weil vor 10 000 Jahren ein mächtiger Eisblock vom Gestein eingeschlossen wurde. Den Vorgang zu enträtseln, wird den Geologen noch einige Wochen beschäftigen. Unter seiner Aufsicht lässt die Gemeinde am Donnerstag Teerbrocken aus dem Krater entnehmen. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Straße beginnen erst, wenn der Geologe sein Okay gibt. Ein Baum, der am Krater wurzelte, wurde am Montag gefällt. 

Ein zwei Meter hoher Bauzaun sperrt den Bereich ab. Der benachbarte dm-Markt ist wieder geöffnet, allerdings mussten eine Parkfläche gesperrt und die Anlieferzone verlegt werden. Neben dem Markt sind ein Wohn- und Geschäftshaus sowie ein weiteres Wohnhaus betroffen. Provisorisch ist deren Kanal- und Wasserversorgung jetzt gesichert, auch das Telefon und die Stromversorgung funktionieren. Auf Kabelfernsehen müssen die Bewohner allerdings derzeit verzichten. Bis zum Wintereinbruch will die Gemeinde die Lindenstraße wieder befahrbar machen. „Es muss ja auch der Winterdienst möglich sein“, meint Hofmann. Saniert werden kann die Straße aber erst im kommenden Jahr. Auch die Versorgungsleitungen müssen erneuert werden. 

Der größte Gebäudeschaden dürfte an dem Neubau entstanden sein, für dessen Versorgung mit Erdwärme die Bohrung getätigt wurde. Es handelt sich um ein Einfamilienhaus. Die Bauherrin als Auftraggeberin der Bohrung hat jetzt viel Ärger am Hals. „Sie ist unsere erste Ansprechpartnerin für Schadenersatzforderungen“, meint Hofmann. Letztlich dürfte es sich aber um einen Versicherungsfall handeln, meint der Geschäftsleiter: „Ich denke, das wird mit Blick auf die Zukunft der Geothermie eher großzügig geregelt.“

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