+
Künstlerin Ekaterina Zacharova aus Gmund zeigt in ihrer neuen Ausstellung Gemälde über den Strukturwandel in Kuba.

International prämierte Künstlerin aus Gmund

Zacharova stellt aus: Kuba im Wandel - und im Bild

Gmund/Rottach-Egern – Malerin Ekaterina Zacharova aus Gmund zeigt unter dem Titel „Habana – amor nostalgico“ ihren neuen Gemäldezyklus bei Ausstellungen in Rottach-Egern und Rosenheim.

„Ich hatte noch nie eine so intensive Schaffensperiode“, erzählt Ekaterina Zacharova während der finalen Vorbereitungen für ihre neue, große Einzelausstellung in ihrem Gmunder Atelier. Die 48-jährige Malerin, die gerade in Rom den renommierten Colloseum-Preis erhalten hat, steht zwischen 35 großformatigen, farbintensiven Gemälden, verpackt sie oder komplettiert einige wenige noch mit letzten Pinselstrichen. Vor allem aber ordnet sie die Werke und teilt sie auf. Denn ab diesem Mittwoch zeigt sie ihre neuen Arbeiten an zwei Standorten: in der Filiale der HypoVereinsbank in Rosenheim und parallel dazu in der Filiale in Rottach-Egern. Dort wird Havanna Einzug halten. 

Es sind Bilder, die Ekaterina Zacharova unter dem Eindruck von zwei Kuba-Reisen gefertigt hat. Einmal der vor drei Jahren und einmal der im letzten Winter. Für ihren zweiten Besuch, bei dem sie vor allem dem schnellen Wandel in diesen wenigen Jahren nachspüren wollte, hat sie eigens Spanisch gelernt. Zacharova wollte verstehen, was die Menschen ihr dort mitteilten, um dann ihre Geschichten erzählen zu können: die eines Landes im Umbruch, eines Systems im Verfall und einer Kultur in ihrer Auflösung. 

Die Gegenüberstellung ist beredt. So sieht man vor allem den etwa 15 Gemälden, die Zacharova seit Januar gemalt hat, an, wie sehr Kuba in Bewegung geraten ist. „Dort, wo die Menschen vor drei Jahren noch entspannt in den Tag hineinlebten, sind sie heute Getriebene“, berichtet die Künstlerin und zeigt es beispielsweise mit der Bar, in der sich vor drei Jahren die Kubaner noch getroffen und ausgetauscht haben (Zweisamkeit, 2013) und die heute fast verlassen ist (Siesta, 2016). 

„Die Dynamik und Veränderung spürt man besonders bei den Frauen“, findet Zacharova. „Sie sind unglaublich stark und selbstbewusst, während die Männer immer noch in den alten Strukturen gebunden sind und in der Vergangenheit gestrandet scheinen.“ Das zeigen ihre Bildern, die sie diesmal ganz bewusst konstruiert hat, weil sie, wie sie sagt, „so viel erzählen wollte und dann wie im Rausch war“: Eine Kubanerin heftet ihren Blick entschlossen in die Ferne, in Richtung der greifbar nahen USA, während hinter ihr die Architektur verfällt (So nah, So fern, 2016). Eine andere (Unbeugsame, 2016) steht vor einer Mauer, trotzig, ungeachtet eines heranrauschenden Autos. Formal sind die Arbeiten im Pinselstrich großflächiger und abstrakter. Strukturen lösen sich in Farbe auf. Ekaterina Zacharova hat so ein Mittel gefunden, um Dynamik, Verfall und das Fehlen der Kommunikation zwischen Männern und Frauen sichtbar zu machen. 

Die außergewöhnlichen Perspektiven überraschen. Die Künstlerin ist eine Chronistin für Zeitgeschichte, nicht zuletzt weil „Habana – amor nostalgico“ wieder keine Verkaufsausstellung ist und im (semi)öffentlichen Raum der beiden Bankfilialen stattfindet.

Die Ausstellung

„Habana – amor nostalgico“ von Ekaterina Zacharova ist bis 30. September in der HypoVereinsbank Rottach-Egern zu sehen: Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr. Führung mit der Künstlerin am Dienstag, 26. Juli, um 15 Uhr. Außerdem in der HypoVereinsbank Rosenheim (Münchener Straße 11) Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr. Führungen dort mit der Künstlerin am 13. Juli und 22. September, jeweils um 15.30 Uhr.

Alexandra Korimorth 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Darf die Spielarena trotz Hotel-Neubau bleiben?
Gesundheitshotel, medizinisches Zentrum, Badehaus: Bad Wiessee hat Großes vor. Ob die Spielarena in diesen Zukunftsplänen noch einen Platz hat, ist ungewiss. Eine …
Darf die Spielarena trotz Hotel-Neubau bleiben?
Bandenstruktur schon in der ersten Klasse
Hilferuf aus der Grundschule Bad Wiessee: Weil schon in der ersten Klasse eine gewisse Bandenstruktur herrscht und die Kinder Unterstützung suchen, muss dort die …
Bandenstruktur schon in der ersten Klasse
Die Jagd nach der schnellen Zeile
Das schreckliche Unglück in Bad Wiessee erreichte eine hohe überregionale Aufmerksamkeit. Doch wenn es etablierte Medien mit der Wahrheit nicht mehr ganz genau nehmen, …
Die Jagd nach der schnellen Zeile
Der „Seegeist“-Sammler
Seit 1985 sammelt Constantin Hantschel die Samstags-Kolumne in der Tegernseer Zeitung. Die Wortgefechte von „Seegeist“, „Redakteur“ sowie des aktuellen „Überführers“ …
Der „Seegeist“-Sammler

Kommentare