Verein will sich neu ausrichten

Kunst- und Kulturtage fallen aus

Rottach-Egern - Mehr als 20 Jahre waren die Kunst- und Kulturtage in Rottach-Egern fester Bestandteil im Terminkalender des Tegernseer Tals. Heuer fallen sie aus – ein Paukenschlag. Der Kunst- und Kulturverein als Organisator steht vor einem Umbruch.

In der Sitzung des Rottacher Gemeinderats ergriff Mitglied Gabriele Schultes-Jaskolla als Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins das Wort. Statt ein Programm vorzustellen, teilte sie allerdings mit, dass die Kunst- und Kulturtage 2017 ausfallen. Der Verein wolle sich neu ausrichten.

„Wir vom Kunst- und Kulturverein Rottach-Egern möchten das Jahr 2017 für eine inhaltliche und personelle Neuorientierung nutzen“, erklärt Schultes-Jaskolla via Pressemitteilung. Seit der erstmaligen Ausrichtung der Kunst- und Kulturtage in Rottach-Egern vor mehr als 20 Jahren habe sich vieles verändert. Vor allem das gesamte Kultur-Angebot im Tal und im Landkreis. Stimmt: Heute laufen sich zahlreiche Kulturveranstaltungsreihen im Landkreis gegenseitig den Rang ab – und die Zuschauer. Die haben die Wahl zwischen der Tegernseer Woche, dem Internationalen Musikfest Kreuth, dem Podium Junger Solisten, dem Schlierseer Kulturherbst, den Valleyer Kulturtagen, dem IrschenBergFestival, den Holzkirchner Blues- und Jazztagen – nebst dem regulären Kulturangebot in der Winners Lounge, im Ludwig Thoma Saal, im Seeforum (Rottach-Abo von „BrotZeit & Spiele“), im Kultur im Oberbräu in Holzkirchen und im Waitzinger Keller in Miesbach. Die Formate setzen meist auf bekannte Namen der Szene.

So waren auch beim Rottacher Kunst- und Kulturverein schon Quadro Nuevo, Django 3000, Herbert Pixner, Josef Bierbichler, Thomas Grasberger oder Marcus Rosenmüller zu Gast. Noch vor fünf, sechs Jahren waren die Termine der Kunst- und Kulturtage ausverkauft, zogen sogar Gäste ins Tal, die aus ganz Deutschland eigens anreisten und regelmäßig ihren Urlaub nach dem Kulturreigen planten. Damals stand viel echte Volksmusik auf dem Programm des damaligen Vorstands, Konrad Niedermaier.

Mittlerweile sieht das anders aus: „Das Publikum ist unberechenbar. Was woanders zieht und wofür andernorts Zusatzvorstellungen angesetzt werden, ist keine Garantie für einen Erfolg“, meint Schultes-Jaskolla – vor allem mit Blick auf das Live-Hörspiel „Tannöd“ mit Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun. Das stand voriges Jahr auf dem Programm und war mit nur 100 Gästen sehr schlecht besucht. 200 Zuschauer wären nötig gewesen, um allein die Kosten der Veranstaltung zu decken. „Ja, mit Tannöd hat der Verein ein Defizit gemacht“, bedauert Schultes-Jaskolla. Aber es scheint, er habe noch mehr eingebüßt hat: seinen Mut.

Denn in der Tannöd-Folge sagte er das Sternschnuppe-Familienkonzert, Da Hundling und auch Michael Lerchenberg mit Ludwig Thomas Filserbriefen, der für das Frühjahr geplant war, ab. Jedes Mal, weil im Vorverkauf nicht genügend Karten an den Kulturfreund gebracht werden konnten und aus Angst, erneut Verlust zu machen. „Unsere Mitglieder machen uns keinen Vorwurf“, betont Schultes-Jaskolla. „Aber ich als Vorsitzende finde, dass man das nicht so stehen lassen kann. Ursachenforschung ist wichtig.“

So habe sich der Verein, der aktuell knapp 150 Mitglieder zählt, im Oktober 2016 eingehend beraten und Grundsätzliches diskutiert: Sind vier Tage am Stück sinnvoll? Ist der Zeitraum um Christi Himmelfahrt noch richtig? Und: Sollen die Veranstaltungen am Wochenende oder eher unter der Woche stattfinden? Nach der Absage für Lerchenberg zog der Vorstand die Reißleine: Die Kunst- und Kulturtage Rottach-Egern 2017 entfallen. „Ab 2018 möchten wir neue Wege beschreiten und das Programm von langer Hand vorbereiten“, sagt Schultes-Jaskolla. „Dabei möchten wir uns mehr Künstlern aus dem Tegernseer Tal und dem Aspekt der Kulturförderung, wie er in unserer Satzung steht, widmen.“

Dann soll auch der Stab an jüngere Vereinsmitglieder übergeben werden. „Mit der Neuausrichtung ist auch der richtige Zeitpunkt für einen Vorstandswechsel gegeben“, findet die Vorsitzende. Bei der jüngsten Hauptversammlung habe man ein Team begeistern können, das in der künstlerischen Szene des Tals daheim und gut vernetzt sei und das sich zur Wahl stellen werde. Gemeinsam habe man für Oktober ein Preisträger-Konzert mit jungen Musikern im Seeforum geplant. Arbeitstitel: „ausgezeichnet!“. Am 11. Dezember soll auch wieder der traditionelle Advents-Abend stattfinden. Und für Vereinsmitglieder exklusive Veranstaltungen seien ebenfalls geplant.

„Der Verein ist in einem Umbruch, der uns in die Zukunft führen kann und wird“, sagt Schultes-Jaskolla. „Ich sehe das sehr positiv.“

(Alexandra Korimorth)

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