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Tatkräftig packten die Asylbewerber aus der Traglufthalle Rottach-Egern bei den Aufbauarbeiten fürs Stabhochsprungmeeting an. Gleich neun von ihnen hatten sich als freiwillige Helfer gemeldet.

Anpacken für die Integration

Leben in Rottacher Traglufthalle: friedlich dank Helfer

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Rottach-Egern – Als die ersten Asylbewerber in die Traglufthalle am Birkenmoos einzogen, waren die Vorbehalte groß. Dank der Helfer funktioniert das Leben in der Halle funktioniert.

Im Juni war die Traglufthalle unrühmlich in die Schlagzeilen geraten, nachdem sich dort eine brutale Schlägerei abgespielt hatte. Auslöser war damals der Fastenmonat Ramadan. Muslime waren gezielt auf einen Christen losgegangen und hatten ihn massiv verletzt. Die Rädelsführer – ein Imam und fünf weitere Anstifter – wurden kurz darauf in eine andere Unterkunft verlegt (wir berichteten). Dies sei der richtige Schritt gewesen, meint Landratsamts-Sprecher Birger Nemitz rückblickend. Seither habe sich die Situation in der Halle am Birkenmoos „sehr beruhigt“.

Dies bestätigt auch Hubert Hörterer, ehemaliger Chefarzt des Medical Parks und einer der führenden Köpfe im Rottacher Asyl-Helferkreis. Er ist beinahe jeden Tag in der Traglufthalle präsent und sagt: „Alles läuft absolut friedlich.“ Keine Selbstverständlichkeit, wenn man an die häufigen Auseinandersetzungen in der einstigen Flüchtlings-Unterkunft in der Tegernseer Dreifachhalle zurückdenkt. Von einem solchen Zustand sei man in Rottach aber weit entfernt, versichert Hörterer. Zum einen liegt das wohl daran, dass die Unterkunft am Birkenmoos im Vergleich zur Turnhalle komfortablere Wohnbedingungen bietet, zum anderen am Engagement der Helfer.

99 Flüchtlinge – in erster Linie aus Afghanistan und Afrika – leben derzeit in der Traglufthalle. Dem steht laut Hörterer ein „harter Kern“ von etwa 30 Helfern gegenüber. Unter der Ägide von Hörterer sowie Gabriele Schultes-Jaskolla und Thomas Tomaschek sorgen sie nicht nur dafür, dass die ausschließlich männlichen Flüchtlinge Deutsch lernen und Praktika vermittelt bekommen, sondern auch für ein üppiges Sportprogramm. „Jeden Samstag gibt’s ein Fußballturnier – wir haben mittlerweile drei Mannschaften“, berichtet Hörterer. Noch sind die Asylbewerber beim Kicken unter sich, demnächst sollen sie aber auch gegen ein Team aus Einheimischen antreten. Drei Flüchtlinge trainieren außerdem beim FC Rottach-Egern und sollen demnächst einen Spielerpass bekommen.

„Über den Sport kommen die Leute zusammen“, zeigt sich Hörterer, einstiger Olympia-Doc, überzeugt. Gemeinsam mit den örtlichen Vereinen sind die Bewohner der Traglufthalle auch beim Volleyball und beim Cricket aktiv – die Absprachen, wann und wo gespielt wird, finden über WhatsApp-Gruppen statt. Ein paar läuferisch ambitionierte Flüchtlinge bereiten sich zudem auf den Tegernseelauf vor. Trainiert werden sie von keinem Geringeren als dem Top-Triathleten Oliver Gallob. Auch so funktioniert Integration.

Hörterer ist froh, dass sich die anfänglichen Bedenken der Rottacher gegenüber den Flüchtlingen offenbar gelegt haben. „Die Bürger haben inzwischen gemerkt, dass sie nichts Schlimmes anrichten in Rottach-Egern“, glaubt der Helfer. Mehr noch: Viele sind bereit, den Asylsuchenden eine echte Chance auf einen Neuanfang einzuräumen.

So beschäftigt Franz Sollacher, Organisator des am Freitag gestarteten Stabhochsprung-Meetings in Rottach-Egern (siehe auch kurzer Bericht im Lokalsport), in seinem Geschäft seit einiger Zeit einen Flüchtling aus Somalia als Praktikanten. Seine Erfahrungen sind gut – und somit setzt Sollacher auch bei dem Hochsprung-Event am Wochenende auf die Hilfe von seinem Praktikanten und vier weiteren Asylbewerbern aus Afrika. Sie unterstützten den TSV Rottach-Egern tatkräftig beim Aufbau der Sportanlage. „Das hilft allein Beteiligten“, meint Sollacher. Und es ist wieder ein Stück Integration.

gab

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