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EU-Sanktionen gegen Putin-Oligarch zeigen Wirkung: Schluss mit Luxusleben am Tegernsee?

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Von: Klaus Wiendl

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Alisher Usmanov vor seiner unfertigen Villa am Tegernsee.
Die Bauarbeiten an Usmanows Villa in der Rottacher Forellenstraße wurden längst eingestellt. Die Firmen warten teils noch auf ihr Geld. © kw/ITAR-TASS/IMAGO (Archivbild/Monatge)

Die EU-Sanktionen gegen Alischer Usmanow scheinen zu wirken. Der Oligarch mit Immobilien in Rottach-Egern wehrt sich mit einer Klage gegen die Maßnahmen.

Rottach-Egern – Er liebte den Tegernsee. Vier Immobilien am Seeufer in Rottach-Egern hatte einst der gebürtige Usbeke Alischer Usmanow über Briefkastenfirmen erworben. Gesamtwert: gut 50 Millionen Euro. Doch nun scheint Usmanow – er gilt mit einem Vermögen von rund 18 Milliarden Dollar als einer der reichsten Russen – knapp bei Kasse zu sein.

Tegernsee: Usmanow und andere Oligarchen klagen gegen EU-Sanktionen

Die verhängten Sanktionen gegen Usmanow und drei weitere Oligarchen scheinen zu greifen, wie aus einem Bericht des Wall Street Journals hervorgeht. Neben Usmanow, der den Tegernsee mit Beginn des Ukraine-Kriegs Hals über Kopf verlassen hatte, haben noch Roman Abramowitsch, Mikhail Fridman und Petr Aven Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eingereicht.

Die Milliardäre sehen ihre Rechte durch die Sanktionen verletzt. Außerdem behaupten Sie, keine engen Verbindungen zum Kreml zu pflegen. Hier dürfte Usmanow allerdings in Erklärungsnöte geraten. Denn es gibt zahlreiche Fotos von verschiedenen Anlässen, wo ihn Putin mit Orden dekoriert.

Oligarch Usmanow versichert: Keine engen Beziehungen zu Putin

Dennoch sieht sich der Oligarch zu Unrecht an den Pranger gestellt. Unserer Zeitung ließ Usmanow schon einmal über seinen Pressesprecher Grigory Levchenko ausrichten, dass er die Sanktionen als „unfair“ betrachte, sie basierten auf „falschen Anschuldigungen“. Er pflege keine nahen Beziehungen zu Putin, habe nie Geld für ihn verwaltet.

Schon bei seinem Rücktritt als Präsident des Welt-Fecht-Verbands schrieb der 68-Jährige: „Ich bin der Meinung, dass diese Entscheidung ungerecht ist und die Gründe, die zur Rechtfertigung der Sanktionen angeführt werden, eine Reihe von falschen und verleumderischen Behauptungen sind, die meine Ehre, meine Würde und meinen geschäftlichen Ruf schädigen.“

Oligarch fordert von EU Übernahme von Gerichtskosten

Die EU-Sanktionen haben sichtlich dazu geführt, dass Usmanow und seine Oligarchen-Freunde ihr Luxusleben stark einschränken müssen. Nun fordert Usmanow laut Medienbericht wenigstens 20.000 US-Dollar von der EU für die Übernahme von Gerichtskosten. Er bemühte sich außerdem um eine Beschleunigung des Verfahrens, da sich die Sanktionen wohl negativ auf seine Geschäftsabschlüsse ausgewirkt haben.

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Usmanow behauptet, dass drei seiner Unternehmen durch die EU-Strafen vom Bankrott bedroht seien. Für deren Mitarbeiter soll er ebenfalls eine Entschädigung gefordert haben, da sie Opfer der Sanktionen geworden seien. Doch das Gericht lehnte seinen Eil-Antrag im vorläufigen Verfahren binnen weniger Tage ab.

Luxus-Villa von Usmanow: Firmen am Tegernsee warten noch immer auf ihr Geld

Keine guten Nachrichten sind dies auch für die Firmen am Tegernsee, die noch offene Rechnungen mit Usmanow haben. Er hatte sie für den Neubau einer Villa in der Rottacher Forellenstraße beauftragt. „Seit den Sanktionen warten wir auf die Schlusszahlungen“, beklagte ein Firmenchef. „Die Dienstleistungen der Unternehmen werden bezahlt, sobald es eine Möglichkeit dazu gibt“, so Usmanows Pressesprecher. Dies dürfte auf sich warten lassen. Klaus Wiendl

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