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Wunderschön, aber bisweilen gefährlich: Die Rodelbahn am Wallberg. 

Und wurde verurteilt

Mann baut Rodelunfall am Wallberg - und landet vor Gericht

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Ein Mann fährt um eine Kurve - und eine Frau zusammen. Dass ein Rodelunfall am Wallberg auch juristische Folgen haben kann, zeigte nun eine Gerichtsverhandlung - mit klarem Urteil.

Rottach-Egern– Es war der wohl schlimmste Unfall, der sich vergangenen Winter auf der Rodelbahn am Wallberg ereignet hat: Ein 54-jähriger Gilchinger rammte eine 47-jährige Münchnerin. Die brach sich dabei einen Teil des Beckens, sechs Rippen, das Schulterblatt und verletzte sich an der Wirbelsäule. Der Fall landete nun vor dem Miesbacher Amtsgericht.

35 Jahre lang war der Gilchinger auf keinem Rodel mehr gesessen. Der 5. Februar war der falsche Tag für eine Rückkehr. Im oberen Teil der Strecke war alles noch in bester Ordnung, die Rodelbahn war präpariert und schneebedeckt. Doch in einem Wald wurde die Strecke tückisch und vereist. Die gesamte Familie des Unfall-Opfers hatte damit zu kämpfen. Sowohl Ehemann (48) als auch ihr Sohn (22) stürzten. Die Männer beschlossen, auf die Mutter zu warten. Es vergingen ein paar Minuten, da hörten sie Schmerzensschreie.

Was war passiert? Auch eine 27-jährige Expansions-Managerin hatte die Kontrolle über ihren Schlitten verloren. Wenig später kam die Mutter heran. Beim Versuch auszuweichen, verkantete sie und stürzte ebenfalls. Während sie sich aufrappelte, rauschte der 54-jährige Gilchinger heran – und fuhr der Mutter in den Rücken.

„Das war ein Knacken und ein Schmerz – das kann man überhaupt nicht beschreiben“, sagte die 47-Jährige. Kurios: Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Bergwacht eintraf – die Retter waren gerade auf dem Weg zu einer anderen Unfallstelle. Sofort forderten sie einen Rettungs-Hubschrauber an, der die Schwerverletzte ins Murnauer Krankenhaus transportierte. Sie wurde operiert, musste dann noch vier Wochen im Krankenhaus bleiben. Noch immer hat sie Schmerzen und ist krankgeschrieben. In der kommenden Woche soll die Wiedereingliederung beginnen. Mitte August will sie wieder Vollzeit arbeiten.

Der Gilchinger versuchte, das Gericht davon zu überzeugen, dass der Unfall unvermeidbar war. An der Talstation habe es keine Hinweise gegeben, dass die Bahn vereist ist. Zudem beteuerte der Mann: „Ich war nicht zu schnell. Es war, wie wenn man mit dem Auto bei Glatteis fährt. Ich konnte nichts machen.“ Die Frau sei plötzlich vor ihm aufgetaucht. „Ich habe sie vielleicht zwei Meter vor dem Aufprall das erste Mal gesehen.“

Diese Einschätzung hatte er exklusiv. Anhand von Bildern und Messungen wies der Ehemann der Geschädigten nach, dass die Sichtweite an dieser Stelle bei 64,50 Metern lag. Nicht gut weg kam der Angeklagte auch bei der Aussage der Expansions-Managerin. „Der Mann ist mit Karacho dahergekommen und ist der Frau voll in den Rücken reingefahren.“

Die Staatsanwältin las dem Unfall-Verursacher die Leviten: „Ich finde es menschlich enttäuschend, dass sie nicht mal ein bisschen Verantwortung übernommen haben, obwohl sie jemanden so schwer verletzt haben. Sie hätten sich bei der Frau entschuldigen oder ihr Blumen ins Krankenhaus schicken können.“ Dass sich der Angeklagte erst im Gerichtssaal entschuldigte, empfand sie als „reichlich spät. Aber immerhin besser als gar nichts.“ Die Strafe aus dem Strafbefehl – 30 Tagessätze à zehn Euro – erachtete die Staatsanwältin als zu niedrig. Sie plädierte auf 60 Tagessätze à zehn Euro.

Dieser Einschätzung schloss sich Richter Walter Leitner an: „Sie haben während der Verhandlung die Schuld nie bei sich selbst gesucht. Es wäre genügend Zeit gewesen, um zu reagieren.“ Tatsächlich sei der Angeklagte aber mit zu hoher Geschwindigkeit weitergefahren. Da der Gilchinger den Unfall gemeldet habe und es sich um „keine große Straftat“ handle, setzte der Richter die Strafe auf 40 Tagessätze à zehn Euro fest.

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