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Bei einem Bergunfall ist rasches Handeln gefragt. Meist treffen die Einsatzkräfte dabei auf rücksichtsvolle und hilfsbereite Menschen.

„Vorfall ist aufs Schärfste zu verurteilen“

Nach Stock-Attacke in Lenggries: Jetzt spricht der Rottacher Bergwacht-Chef 

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Am Brauneck in Lenggries wurde kürzlich ein Bergwachtler von einem Skifahrer attackiert. Ein Fall, der überregional für Empörung sorgte. Wir sprachen mit dem Rottacher Bergwacht-Chef darüber.

Rottach-Egern/Lenggries – Dieser Vorfall ließ die Rettungskräfte einigermaßen schockiert zurück: Am Brauneck in Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) schlug an Fasching ein Skifahrer einem Bergwachtler während eines Einsatzes mit dem Skistock mehrfach ins Gesicht, so dass dieser erheblich verletzt wurde. Grund: Der Mann hatte eine Absperrung durchfahren und war von dem Bergretter auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht worden. Wir sprachen mit Thomas Doreth (55), dem Bereitschaftsleiter der Rottacher Bergwacht, über den Vorfall.

Herr Doreth, Sie haben sicher von der blutigen Attacke gegen einen Ihrer Kollegen in Lenggries gehört. Was sagen Sie dazu?

Thomas Doreth: Der Vorfall gegen unsere Kollegen in Lenggries ist eine Unverschämtheit und aufs Schärfste zu verurteilen. Aus unserer Sicht stellt ein solches Verhalten aber die Ausnahme dar. Körperliche Attacken gegen unsere Rettungskräfte in Rottach sind mir nicht bekannt.

Aber vermutlich haben Sie im Einsatz schon Respektlosigkeiten erlebt, oder?

Thomas Doreth: Erst kürzlich hatten wir so einen Fall auf der Langlaufloipe zwischen Bayerwald und Glashütte. Da mussten wir mit dem Pinzgauer (Anm.d.Red.: ein Rettungsfahrzeug) auf die Strecke, damit wir uns um eine Verletzte kümmern konnten. Da hat jemand herumgepöbelt, dass wir mit unserem Fahrzeug die Loipe ramponieren. Und einmal hat ein Mountainbiker, den wir während eines Einsatzes mit Blaulicht und Sirene überholt haben, unsere Einsatzkräfte auf der Rückfahrt beschimpft und gegen das Auto geschlagen. Die Einsatzkräfte haben es mit Humor genommen.

Das sind aber hoffentlich Einzelfälle.

Thomas Doreth: Ja, in aller Regel sind die Menschen sehr hilfsbereit und haben großen Respekt vor unserer Arbeit. Freilich gibt es auch immer wieder Fälle, die für Kopfschütteln sorgen. Insbesondere Absperrungen auf der Skipiste und auf der Rodelbahn werden häufig ignoriert. Oft ist aber nicht Böswilligkeit der Grund, sondern die mangelnde Beherrschung der Geschwindigkeit, Unwissenheit und im schlimmsten Fall leider auch Egoismus.

Verstehen denn die Leute nicht, dass es sich hier um eine Notlage handelt?

Thomas Doreth: Hier kommt es sicher immer auf den Einzelnen an. Für die meisten ist ein Mensch, der einen Unfall erlitten hat, jemand, dem man mit Hilfsbereitschaft und Rücksicht begegnet. Für die anderen ist er ein Störfaktor, der die freie Fahrt bremst. Wie damit umgegangen wird, ist eine Charakterfrage. Erkennbar ist die Notlage aber für jeden. Wir sind ja immer in Dienstkleidung unterwegs.

In diesem Winter musste Ihre Bereitschaft schon häufig zur Rodelbahn am Wallberg ausrücken. Gibt es auch hier Probleme bei den Einsätzen?

Thomas Doreth: Ja, auch hier kommt es vor, dass die Leute mit ihren Schlitten in die Warnschilder und Absperrungen fahren. Das hängt aber meistens damit zusammen, dass viele Rodler ihre Schlitten nicht beherrschen und daher nicht rechtzeitig abbremsen können. Mir ist schon einmal ein Rodler mit dem Schlitten über die Ski gefahren, als ich gerade mit dem Akia unterwegs war.

Spielt bei einem solchen Fehlverhalten manchmal auch Alkohol eine Rolle? Gerade auf der Piste?

Thomas Doreth: Das ist bei uns eher die Ausnahme. In großen Skigebieten kommt das sicher häufiger vor.

Diese Respektlosigkeit gegenüber Ihrer Arbeit ist doch sicher frustrierend?

Thomas Doreth: Wir erleben sehr viel positiven Zuspruch und auch Dankbarkeit der Geretteten. Ärgerliche Einzelfälle nehmen uns nicht die Begeisterung für unsere Arbeit.

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