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Der Prozess am Amtsgericht läuft weiter. (Symbolfoto)

Massenschlägerei in Asylbewerberunterkunft

Nach Attacke auf „ungläubigen Christen“: Afghane (26) vor Gericht

Völlig eskaliert ist im Juni 2016 ein Streit zwischen Asylbewerbern in der Rottacher Traglufthalle. Muslime drohten, einen Christen zu töten. Jetzt liegt der Fall vor Gericht.

Miesbach/Rottach-Egern –Eine regelrechte Massenprügelei in Rottach-Egern hatte eine Beschwerde wegen nächtlicher Ruhestörung zur Folge. Jetzt stand einer der Beteiligten vor dem Schöffengericht in Miesbach. Gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Der Vorfall hatte sich im Juni 2016 in der Traglufthalle am Birkenmoos, der damaligen Asylbewerberunterkunft, ereignet.

In der Anklage wurden die Geschehnisse so geschildert: Während des muslimischen Fastenmonats Ramadan saß dort am Abend eine Gruppe von Bewohnern, alle aus Afghanistan und dem Iran, beim Essen und Diskutieren zusammen. Ein anderer, zum Christentum konvertierter Mitbewohner fühlte sich allerdings durch den anhaltenden Geräuschpegel gestört. Er sei daraufhin zu dem angeklagten Afghanen gegangen und habe diesen gebeten, für Ruhe zu sorgen, so die Anklage. Auf ihn würden seine Landsleute eher hören.

Die erwartete Rücksichtnahme blieb aber aus – vielmehr hätten sich die jungen Männer im Alter zwischen 21 und 29 Jahren empört, der „ungläubige Christ“ habe ihnen nichts zu sagen. Nach Verrichtung ihres 3-Uhr-Gebetes seien der 26-jährige Afghane und weitere 15 bis 20 Mitbewohner in das Zimmer des „Ruhebedürftigen“ eingedrungen, um sich auf drastische Weise für die Beschwerde zu revanchieren.

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Eine Ohrfeige in das Gesicht des Schlafenden war gleichsam die Initialzündung eines Kampfes. Als dieser erwachte und sich zu wehren versuchte, wurde ihm ein Maßkrug mit solcher Wucht ins Gesicht geschlagen, dass er einen Nasenbeinbruch erlitt. Die übrigen im Zimmer Schlafenden wurden durch den Tumult aufgeschreckt und in der Folge ebenfalls Opfer der Übergriffe. Einer von ihnen trug durch einen Schlag mit dem Bierkrug eine Platzwunde davon. Ein weiterer, der zu Hilfe kommen wollte, sei mit einem Stuhl geschlagen worden. Der Helfer erlitt dabei Kopfverletzungen und Prellungen.

Nach Attacke auf „ungläubigen Christen“: Afghane (26) vor Gericht

Die Situation geriet laut Anklage vollends außer Kontrolle, als jemand den Satz „Bringt den Christen um, weil sein Blut unrein ist“ schrie. Daraufhin hätten die Angreifer den Mann von seinem Bett gezerrt und derart ins Gesicht geschlagen, dass er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Auch eine Pfanne wurde zur Waffe; Stühle und weitere greifbare Gegenstände flogen. „Was genau, war im Nachhinein nicht mehr zu ermitteln“, resümierte die Staatsanwältin. Fakt sei jedenfalls, dass alle geeignet gewesen seien, „erhebliche Verletzungen“ herbeizuführen.

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Der Verteidiger des Afghanen bestritt, dass sein Mandant, der derzeit in der Jugendvollzugsanstalt Stadelheim in Haft sitzt, an den Ausschreitungen beteiligt war. „Er war mit dem Geschädigten befreundet, sie haben zusammen Fußball gespielt“, erklärte der Anwalt. Nach dem Gebet habe er den Tumult wahrgenommen und daraufhin versucht, zu deeskalieren. „Er hat definitiv nicht geschlagen oder etwas geworfen.“

Diese Version stützte ein Zeuge, der den Übergriff miterlebte. Er ist mit dem Beschuldigten seit der Schulzeit befreundet. Das Opfer selbst kann nicht mehr als Zeuge aussagen: Die Aufenthaltserlaubnis des jungen Mannes ist erloschen, er hat Deutschland mit unbekanntem Ziel verlassen. Ein weiterer Zeuge leidet seit der fraglichen Nacht unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und befindet sich in therapeutischer Behandlung, weshalb er vorerst nicht aussagen kann. Anfang Oktober wird die Verhandlung fortgesetzt. Ungewiss ist indes das Schicksal des Angeklagten: Er ist arbeits- und nach seiner Haftentlassung obdachlos.

Von Stefan Gernböck

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