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Wegen wüster Beschimpfungen musste sich ein Münchner vor Gericht verantworten.

Gifthaferl soll ruhiger werden

Nach Ausraster im Straßenverkehr vor Gericht

Rottach-Egern  Ein 81-jähriger Rottacher kam einem 54 Jahre alten Münchner im Straßenverkehr in die Quere. Letzterer beleidigte und bedrohte den Rentner sofort. Nun muss der Münchner mit einer Geldstrafe dafür büßen.

 Ein Mann möchte mit seinem Auto nach links abbiegen, auf dem Gehweg kommt ihm – auf der falschen Seite fahrend – ein Radfahrer in die Quere. Der Autofahrer muss stark abbremsen, um den Radfahrer nicht über den Haufen zu fahren. Beide bleiben unverletzt, doch ab diesem Zeitpunkt geht der Ärger erst richtig los. Eine solche Situation hat sich im März des vergangenen Jahres in Rottach-Egern zugetragen, als ein heute 54-jähriger Münchner auf den Parkplatz der Raiffeisenbank fahren wollte. 

Er reihte sich in die Linksabbiegespur ein und bog ordnungsgemäß ab – bis ein 81-jähriger Fahrradfahrer aus Rottach-Egern seinen Weg kreuzte, weil er nicht auf den Straßenverkehr achtete. Immerhin hätte der Münchner Vorfahrt gehabt. Gerade noch rechtzeitig konnte der Rottacher in eine Hecke ausweichen und einen Zusammenstoß vermeiden. Nun trafen sich die beiden vor dem Miesbacher Amtsgericht wieder. Aber nicht etwa wegen der Unachtsamkeit des Rentners, sondern wegen Beleidigung mit Bedrohung seitens des Münchners. Der fand sich auf der Anklagebank wieder. „Alter Depp, altes Arschloch, ich bring Dich um.“ Das soll der Münchner in Richtung des Rottachers gerufen haben, als der noch völlig geschockt in der Hecke klebte. „Den alten Depp geb ich zu“, gestand der Angeklagte vor Gericht. „Aber ich war einfach völlig perplex – deshalb ist mir das rausgerutscht. Den Rest hab ich nicht gesagt.“ 

Nach dem Beinahe-Unfall stieg der 54-Jährige nach eigenen Angaben wieder in sein Fahrzeug und fuhr auf den Parkplatz der Raiffeisenbank. Unwissend hatte er jemanden im Schlepptau: den Radfahrer. Der stellte ihn auch gleich zur Rede. Es gab einen heftigen Wortwechsel, bei dem der Rentner gesagt haben soll, was der Unfug mit den Beschimpfungen denn eigentlich solle und dass der Münchner nun besser sein „blödes Maul“ halte. So sagte es zumindest der Angeklagte. „Das stimmt nicht“, widersprach der Rentner umgehend. „Ich sagte nur, dass er Ruhe geben soll und wollte wissen, warum er so ausgerastet ist.“ 

In der Bank – die war das Ziel der beiden – angekommen, hatte das Theater aber immer noch keine Ende. Immer wieder soll der Münchner den Rottacher dort verbal angegangen haben. Als der Rottacher dann nur wenige Augenblicke nach dem Angeklagten die Bank verließ, kam es zum nächsten Vorfall: Der Angeklagte fuhr bis zu einer nahe gelegenen Engstelle, durch die lediglich ein Auto passt. Dort kam ihm ein Porsche-Fahrer entgegen. Da keiner dem anderen so wirklich die Vorfahrt gewähren wollte, stieg der Münchner erneut aus seinem Auto und brüllte einige nette Takte in Richtung des Porsche-Fahrers. Der jedoch stieg aus und echauffierte sich auch. 

Bis die beiden Gesicht an Gesicht standen. „Nach kurzer Zeit war das Ganze aber dann wieder vorbei“, sagte der 81-Jährige aus. Die Staatsanwaltschaft bemängelte das extrem aggressive Verhalten des 54-Jährigen. Auch, dass er sich in Sachen Bedrohung nicht geständig zeigte, gefiel ihr nicht. Ein Eintrag im Bundeszentralregister wegen Nötigung mit Bedrohung konnte auch nicht gerade positiv berücksichtigt werden. So plädierte der Staatsanwalt auf eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 45 Euro. Rechtsanwalt Klaus Schickler fehlte der Nachweis der Bedrohung. Er forderte deshalb wegen Beleidigung lediglich 15 Tagessätze zu je 40 Euro für seinen Mandanten. Amtsrichter Walter Leitner sprach den Münchner letztlich der Beleidigung inklusive Bedrohung schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 40 Euro. „Ihr Aggressionspotenzial fällt alleine schon an Ihrem Strafregister-Eintrag auf“, sagte Leitner zum Angeklagten. „Eine cholerische Ader werden Sie schon haben. Aber was machen Sie, wenn Sie nächstes Mal auf noch so ein Gifthaferl treffen, wie Sie es sind? Was ist dann los?“, fragte der Richter. „Werden Sie einfach ruhiger!“

Von Philip Hamm

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