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Ein Zimmer der früheren Asylbewerberunterkunft in der Rottacher Traglufthalle. 

Nach Massenschlägerei in Rottacher Asylbewerberunterkunft

Eskalierter Glaubensstreit: Drei Täter verurteilt

Der Fall hatte 2016 für Aufsehen gesorgt: In der Asylbewerberunterkunft in der Rottacher Traglufthalle kam es damals zu einer Massenschlägerei. Nun wurden drei Täter verurteilt. 

Rottach-Egern– Weil Muslime in der Küche der Asylbewerberunterkunft in Rottach-Egern im Juni 2016 nachts lautstark gebetet haben, hatte sich ein Iraner über den Lärm beschwert. Die Betenden nahmen dies offenbar als Beleidigung ihres Glaubens auf und griffen den Iraner und drei seiner Zimmergenossen an. Die Eskalation dieses Streits im Juni 2016 war nun Gegenstand eines Strafprozesses am Miesbacher Amtsgericht. Drei der Täter wurden zu Freiheitsstrafen auf Bewährung und Sozialstunden verurteilt.

Der Iraner war in besagter Nacht zwischen 2 und 3 Uhr wegen Lärm aufgewacht und hatte nach der Quelle gesucht. Fündig wurde er in der Gemeinschaftsküche der inzwischen aufgelösten Asylbewerberunterkunft in der Traglufthalle in Rottach-Egern: In jener Ramadan-Nacht betete dort eine Vielzahl von Schiiten. Der zum Christentum konvertierte Iraner beschwerte sich bei den Muslimen über die Lautstärke ihres Gebets, woraufhin der 20-jährige Vorbeter und Anführer der Gruppe aggressiv reagierte: „Das ist eine Beleidigung gegen Allah, den Propheten Mohammed und den Islam.“

Der 20-Jährige stachelte fünf seiner Gefolgsleute, unter ihnen zwei der Angeklagten, an. Die Gruppe Afghanen stürmte das Zimmer des Iraners und wurde gegen ihn und drei seiner Zimmergenossen, die ebenfalls zum Christentum konvertiert waren, handgreiflich. „Euer Blut ist unrein. Ihr seid als Gotteskrieger hier, aber habt eure Familien anscheinend schon vergessen“, beschimpfte der Anführer laut Zeugenaussage die Iraner. Die Angreifer schlugen und traten ihre Opfer, gingen teils sogar mit Stühlen und Maßkrügen auf sie los. Einige Schaulustige standen außerhalb des Zimmers und bewarfen die Kämpfenden mit Schuhen. Schließlich beendete der Sicherheitsdienst die Schlägerei, die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, der 20-Jährige wurde verlegt, um die aufrührerische Gruppe aufzubrechen. 

Wer genau wen verletzt hatte, war im Nachhinein schwer zu ermitteln, da die Auseinandersetzung in einen großen Tumult ausartete. Ein Opfer erlitt eine Platzwunde am Kopf, ein anderer Beteiligter einen Nasenbeinbruch. Die Verhandlung erwies sich als schwierig und langwierig. Eine Dolmetscherin kam zum Einsatz.

Der Rechtsanwalt des einen Angeklagten forderte den Freispruch des 20-Jährigen, der durch einen Ausruf sogar zum Töten der Christen aufgerufen haben soll. Es habe einen Zeugen gegeben, der den vermeintlichen Anführer entlastete. Staatsanwältin und Schöffengericht werteten diese Aussage jedoch als reine Schutzbehauptung.

Ein weiterer Angeklagter war ein 32-Jähriger, der seine Gegner geschlagen und getreten hatte und mit Stühlen auf sie losgegangen war. Auch sein Rechtsanwalt plädierte auf unschuldig: „Die Zeugenaussagen sind wirr, nicht übereinstimmend und daher nicht verwertbar.“ Der dritte Angeklagte war ein 21-Jähriger, der einen Christen mit der Hand ins Gesicht schlug. Als einziger des angeklagten Trios legte er ein Geständnis ab und entschuldigte sich bei seinem Opfer.

Daher erhielt er die geringste Strafe: sechs Monate Freiheitsstrafe und 64 Sozialstunden. Ein Jahr Freiheitsstrafe und 80 Sozialstunden lautete das Urteil für den 32-Jährigen. Der 20-jährige Rädelsführer hatte sich obendrein des Landfriedensbruchs schuldig gemacht. Deshalb wurde er zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe sowie 120 Sozialstunden verurteilt. Das Gericht setzte die Haftstrafen jeweils auf Bewährung aus, da keiner der drei Angeklagten bislang Vorstrafen hat.

Im gleichen Jahr war es in der Rottacher Traglufthalle noch einmal zu offenbar religiös motivierten Spannungen gekommen. Ein Asylbewerber aus Afghanistan wurde deshalb heuer ebenfalls verurteilt.

vh

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