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Mountainbiker beim Festival in Rottach-Egern.

Reaktionen auf das vorläufige Ende des Festivals am Tegernsee

Mountainbike-Organisator: "Ich bin raus aus der Nummer"

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Tegernseer Tal - Nach 13 Mountainbike-Festivals ist vorerst Schluss. Diese Entscheidung steht seit dem Rennen am Wochenende. Der Frust ist groß.

1300 Starter und rund 8000 Besucher lockte der Mountainbike-Marathon am vergangenen Wochenende nach Rottach-Egern. Es soll vorerst das letzte Rennen gewesen sein. Bereits im Vorfeld war klar: Es wird holprig für die Veranstaltung und die Organisatoren der Gmunder Agentur Flowmotion. Die Wunschrouten von Agenturchef Florian Hornsteiner, die 180 Flurstücke unterschiedlicher Grundbesitzer tangiert hätten, wurden auf einen Rundkurs am Wallberg eingedampft. Der Großteil der Grundeigentümer hatte sein Einverständnis verweigert – wohl aus schlechten Erfahrungen mit rücksichtlosen Mountainbikern. Hornsteiner bedauert, „dass es einige wenige schwarze Schafe gibt, die sich nicht an die Spielregeln halten“. Wegen denen mache sich mountainbike-feindliche Stimmung am Tegernsee breit. 

Dabei versucht er seit Längerem, die Region möglichst attraktiv für den Mountainbike-Sport zu machen. Sein Plan: ein 140 Kilometer langer MTB-Rundkurs um den Tegernsee und den Schliersee. Er sollte den Biker-Strom auch kanalisieren und Konflikte verhindern. Im Mai war die offizielle Eröffnung geplant. Doch auch hier hat Hornsteiner die gleichen Probleme wie mit dem Festival: Grundbesitzer spielen nicht mit. Das Projekt liegt auf Eis, obwohl Hornsteiner in allen Gemeinden des Tegernseer Tals dafür getrommelt und auch Rückenwind bekommen hat. Ob er den Rundkurs weiter verfolgt? Eher nicht. „Ich bin raus aus der Nummer“, sagt der Gmunder. 

Immer wieder Probleme

Der Rottacher Anton Maier ist betroffener Almbauer und will keinesfalls als Schuldiger dastehen. „Ich habe nichts gegen Radler, wirklich“, betont Maier. Aber die Probleme mit „einigen uneinsichtigen Radlern“ würden immer mehr. Erst vor wenigen Wochen donnerte ihm einer ins Auto, „das war nicht lustig“. Auch sei es schwierig, den Fahrern zu vermitteln, dass einige Wege eben nur für das Festival zu befahren seien und für den Rest des Jahres nicht. Wie es doch noch zu einem Miteinander für Mountainbiker, Wanderer sowie Alm- und Forstwirtschaft kommen könnte, weiß Maier auch nicht. Geld sei jedenfalls keine Lösung. Hornsteiner könnte sich immerhin die Wiederholung eines Runden Tisches vorstellen, wie er im Dezember im Landratsamt stattgefunden hatte. 

"Das Kind ist in den Brunnen gefallen"

Anastasia Stadler, ebenfalls Almgrundbesitzerin in Rottach-Egern, findet es schade, dass bisher keine Einigung zustande gekommen ist. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, sagt Stadler. Zuversicht für eine blühenden Mountainbike-Tourismus klingt anders. Sie wünscht sich mehr Engagement der Tourismus-Organisationen TTT und ATS. 

Dieser Ruf war bereits am Dienstagabend im Tegernseer Stadtrat laut geworden. „Die Mountainbiker sind eine touristische Zielgruppe“, glaubt Peter Schiffmann (SPD). „Es ist jammerschade, wenn das Festival wegbricht und damit auch finanzieller Schaden entsteht.“ Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), der die Entwicklung persönlich bedauert, nimmt die TTT in Schutz. „Man kann Grundbesitzer nicht zwingen, die Flächen freizugeben.“ Peter Rie von der TTT bedauert die Entwicklung sehr, schließlich sei die Wertschöpfung aus dem Mountainbike-Tourismus fürs Tal enorm. Und vom Festival habe das Tal nicht unerheblich profitiert. Für schnelle Aktionen sei es jetzt noch zu früh, glaubt Rie. „Aber wir müssen uns mit allen Beteiligten zusammensetzen, und das Thema gründlich besprechen.

gr

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