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Nach drei Jahren: Neuanfang im Rottacher Tierheim - „Da bekomme ich Gänsehaut“

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Von: Christina Jachert-Maier

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Doppelter Einsatz: Isabel Seitz (l.) leitet seit 1. Oktober die Tierhäuser im Rottacher Tierheim. Ums Organisatorische kümmert sich Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzendes Tierschutzvereins Tegernseer Tal.
Doppelter Einsatz: Isabel Seitz (l.) leitet seit 1. Oktober die Tierhäuser im Rottacher Tierheim. Ums Organisatorische kümmert sich Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzendes Tierschutzvereins Tegernseer Tal. © Stefan Schweihofer

Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch, aber endlich ist das Hundehaus des Tierheims soweit fertig. Am 27. November wird es offiziell eingeweiht. Aber nicht nur das Haus, auch die Leitung ist neu: Isabel Seitz (47) hat Manfred Glanz abgelöst und kümmert sich mit viel Herzblut um die Tiere.

Rottach-Egern – Für Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernsee Tal, ist Isabel Seitz „wie ein Lottogewinn“. Seit 1. Oktober führt die 47-Jährige die Regie im Tierheim in den Weissachauen, dem einzigen im Landkreis Miesbach. Die gelernte Tierpflegerin bringt viel Erfahrung mit. Sieben Jahre lang hat sie ein Tierheim in Günzburg geleitet. An ihrem neuen Arbeitsplatz überlässt sie den kaufmännischen Part anderen. Bürokratie und Schreibtischarbeit sind nicht ihr Ding: „Ich will mich voll und ganz um die Tiere kümmern.“

Tierschutzverein Tegernseer Tal: „Wollten jemanden, für den Arbeit mit Tieren eine Berufung ist“

Das hört Ecker-Schotte gern. Der Tierschutzverein Tegernseer Tal ist Träger des Heims, die Vorsitzende brennt für diese Aufgabe. Zuletzt wurde dieses Engagement sehr strapaziert. Der langjährige Tierheim-Leiter Manfred Glanz ist nicht mehr im Dienst, Ecker-Schotte sorgte mit viel persönlichem Einsatz dafür, dass trotzdem alles rund lief. Es habe etliche Bewerbungen für den Leitungsposten gegeben, berichtet die Vorsitzende. Aber die eine habe herausgestochen. „Wir wollten jemanden, für den die Arbeit mit den Tieren eine Berufung ist“, sagt Ecker-Schotte.

Das neue Hundehaus des Tierheims ist nach langer Bauzeit fertiggestellt.
Das neue Hundehaus des Tierheims Rottach-Egern ist nach langer Bauzeit fertiggestellt.  © Stefan Schweihofer

Neues Hundehaus ist schon belegt

Viel Einsatz erforderte auch der Bau des neuen Hundehauses, das eigentlich ein Mehrzweckgebäude ist. Fast drei Jahre hat das Projekt in Anspruch genommen. „Die Planung war extrem schwierig, und Corona hat alles verzögert“, berichtet Ecker-Schotte. Aber es ist ein sehr schönes Holzhaus geworden, mit viel Platz für Hunde, Hasen und Schafe, aber auch für Waschräume, Futterküche, Krankenstation und was es sonst noch so braucht für den ordnungsgemäßen Betrieb eines Tierheims. Fast eine Million Euro hat der Neubau gekostet. Am Sonntag, 27. November, wird offiziell Einweihung gefeiert.

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Rottacher Tierheim Neuanfang nach drei Jahern - „Da bekomme ich Gänsehaut“

Belegt ist das Haus jetzt schon. Neun Hunde sind hier untergebracht, zwei davon nur vorübergehend als Pensionstiere. Schon im März hatte der Tierschutzverein Hunde ins neue Haus aufgenommen, provisorisch, weil es einfach sein musste. Acht Hunde und sechs Katzen von Flüchtlingen aus der Ukraine, brauchten eine Bleibe, weil ihre Eigentümer sie nicht mit in ihre Unterkünfte nehmen durften. Fast alle Tiere sind wieder bei ihren Besitzern, bis auf zwei französische Bulldoggen. „Die kommen jetzt in die Vermittlung“, meint Ecker-Schotte.

Im Katzenhaus, 2014 eingeweiht, leben 24 Katzen, aber auch eine bunte Schar Vögel in riesigen Volieren. Nur selten gelingt es, die Piepmätze wieder zu vermitteln. Anders als bei den Katzen. Drei oder vier Samtpfoten hätten in den vergangenen beiden Wochen schöne neue Zuhause gefunden, berichtet Seitz. Dass bei der Abgabe wirklich alles passt, ist ihr sehr wichtig. „Man kann aus einem Freigänger keine Wohnungskatze machen“, weiß sie. Um sicherzustellen, dass es der Katze gut geht, führt das Tierheim nicht nur eine Vorkontrolle, sondern auch eine Nachkontrolle durch. „Wir entscheiden für das Tier, nicht für den, der ein Tier haben will“, erklärt Ecker-Schotter. Wobei es natürlich das Ziel bleibe, den Tieren zu einem neuen Zuhause zu verhelfen. „Man muss sie auch gehen lassen“, sagt Seitz.

Die Ziegen haben ihr eigenes Haus und einen Auslauf, in dem sie sich sichtlich wohlfühlen.
Die Ziegen haben im Tierheim Rottach-Egern ihr eigenes Haus und einen Auslauf, in dem sie sich sichtlich wohlfühlen.  © Stefan Schweihofer

Schnelle Vermittlung ist nicht alles

Aber die schnelle Vermittlung ist nicht alles. Der jüngste Neuzugang, eine erst zehn Monate alte Border-Collie-Hündin, wird Zeit brauchen, bis sie in neue Hände gehen kann. Unter Tränen hat die völlig überforderte Besitzerin sie vor ein paar Tagen abgegeben. Die Hündin ist ein Bündel Angst, zu Beginn brauchte es Maulkorb und Schleppleine, wenn sie sich auf der Wiese lösen sollte. Zwei Tage war das so, dann fasste sie Vertrauen zu Isabel Seitz und näherte sich zaghaft. Am dritten Tag suchte sie Schutz bei ihrer Pflegerin. Das sind die Momente, für die Seitz ihre Arbeit so liebt. „Da bekomme ich Gänsehaut.“

Es braucht Expertise und Geduld, die junge Hündin aufzubauen. „So ist sie nicht vermittelbar“, weiß Seitz. Sie ist zuversichtlich, dass es am Ende gelingen wird. Es muss aber auch der richtige Mensch kommen: „Jemand, der die Rasse kennt.“

Derzeit ist der Neubau nicht voll belegt. Für bis zu 14 Hunde ist Platz. Um die vielköpfige Schar zu betreuen, beschäftigt der Tierschutzverein insgesamt fünf Mitarbeiter in Vollzeit. „Wir müssen die Tiere ja sieben Tage die Woche versorgen“, erklärt Ecker-Schotte. Mit der Einweihung des Hundehauses ist das Thema Bauen für den Verein übrigens nicht abgeschlossen: Das Katzenhaus braucht eine Erweiterung.

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