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Evi Tremmel in der Backstube ihres Betriebs: Dass die Gerüche, die von hier nachts ins Freie gelangen, „stinken“ sollen, macht sie einfach fassungslos.  

Die Rottacher Backstube steht da schon seit 65 Jahren

Wegen Geruch: Neuer Nachbar von Bäckerei nimmt sich Anwalt

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Die Bäckerei Bäckerei Tremmel gibt es seit 90 Jahren in Rottach-Egern. Ein kürzlich zugezogener Anwohner fühlt sich nun gestört - und hat einen Anwalt eingeschaltet.

Update, Freitag, 1. September: 

Inzwischen hat die Geschichte deutschlandweite Aufmerksamkeit, halb Berlin spricht gerade über Evi Tremmel und ihren Nachbarn. Währenddessen hat der Nachbar einen Sturm der Empörung ausgelöst - und Evi Tremmel bekommt ganz viel Zuspruch. Den Nachbarn haben die vielen Leser-Reaktionen und die nationale Aufmerksamkeit derweil hart getroffen, sagt sein Anwalt, mit dem wir ausführlich gesprochen haben.

Ursprünglicher Artikel vom 30. August:

Rottach-Egern – Nicht mal eine Handvoll echter Bäckereien gibt es noch rings um den Tegernsee. Die Bäckerei von Evi Tremmel in Rottach-Egern zählt dazu. Seit 90 Jahren wird sie von Familienmitgliedern betrieben, seit 65 Jahren läuft das Geschäft an ein- und demselben Standort. Hier, an der Südlichen Hauptstraße, werden kurz nach Mitternacht die Teige noch nach überlieferten Hausrezepten angesetzt, Brezen gedreht, Semmeln gebacken. Während andernorts industriell gefertigte Mischungen zum Einsatz kommen und Tiefkühl-Rohlinge in die Öfen geschoben werden, ist bei der Bäckerei Tremmel mit insgesamt 20 Mitarbeitern echtes Handwerk angesagt. Den vielen Stammkunden schmeckts, und Nachtschwärmer im Tegernseer Tal stärken sich nach einer langen Waldfest- oder Partynacht gerne mit frischen Brezen vom Tremmel. Die 51-jährige Chefin steht selbst ab 3 Uhr im Laden und füllt die Regale und Körbe. „Wenn einer klopft, mach ich halt auf“, erzählt die Rottacherin.

Was sich jetzt allerdings in ihrer Nachbarschaft abspielt, macht sie sprachlos: Einem Ehepaar, das in ein Haus an der Kisslingerstraße gezogen ist, stinkt die Bäckerei gewaltig. Die Bewohner fühlen sich derart gestört, dass sie einen Anwalt eingeschaltet haben. „Durch die Geruchsemissionen, die aus Ihrer Backstube täglich in den frühen Morgenstunden über Ventilatoren ungefiltert ins Freie geblasen werden, wird unser Mandant ganz empfindlich gestört“, heißt es in einem Brief, der Evi Tremmel jetzt durch einen Anwalt des Ehepaars in die Backstube flatterte. Das Ehepaar, heißt es darin, habe sein Schlafzimmer im zweiten Stock des Nachbarhauses unter einem Dachvorsprung und werde durch den „starken schlechten Geruch regelmäßig derart massiv beeinträchtigt und gestört“, dass es seine Wohnung nachts nicht nutzen könne.

Evi Tremmel ist fassungslos: „Da stellt’s mir ja alles auf! Der Geruch von frischem Brot und Hefeteig soll stinken? Das ist ja unglaublich!“ Erst neulich, berichtet Tremmel, habe sie von Urlaubern in ihrer Ferienwohnung neben der Bäckerei einen netten Brief bekommen, in dem sich die Gäste bedankten, auch für den behaglichen Duft, der die Morgenluft durchziehe. Noch nie habe sie Klagen wegen irgendeiner Geruchsbelästigung gehabt, sagt die Rottacherin, weder von den Bewohnern benachbarter Gästehäuser oder der Schönheitsfarm. Noch nie habe die Gewerbeaufsicht irgendetwas moniert, regelmäßig würden während der Betriebsferien im Winter Backstube und Geschäft auf Vordermann gebracht. „Der Mieter muss doch wissen, was da ringsum los ist“, wundert sich Evi Tremmel und verweist auf das Weinhaus Moschner mit seiner ebenfalls langen Tradition und den Trubel, der da nachts herrscht.

Wollen Sie mitkommentieren? Hier unser Facebook-Post zum Thema:

In dem Anwaltsbrief wird der Bäckereibesitzerin nun vorgeschlagen, Abluftventilatoren einzubauen „oder sonstige entsprechende Vorkehrungen zu treffen, damit die Geruchsbelästigungen unterbleiben“. Bis Dienstag, 5. September, müsse sie reagieren. Ansonsten, so droht das Ehepaar, werde der Sachverhalt ans Umweltschutzreferat des Landratsamts Miesbach weitergeleitet und entsprechende förmliche Auflagen in Gang gesetzt. Für weitere Auskünfte war die Kanzlei nicht zu erreichen.

Evi Tremmel ist nur noch empört und stellt klar: „Nicht werde ich tun. Ich werde überhaupt nicht reagieren. Wir stecken in der Hochsaison, beliefern alle Feste und arbeiten fast rund um die Uhr. Wenn’s darauf ankommt, werd’ ich mir Hilfe holen.“

Moralische Unterstützung hat sie sich bereits geholt. Sie hat Bürgermeister Christian Köck angerufen und ihn informiert. „Und der steht hundertprozentig hinter mir“, sagt Tremmel. „Mal sind es bei uns die Kuhglocken, dann die Kirchenglocken und jetzt wir. Irgendwann“, schimpft die Geschäftsfrau, „reicht’s einfach.“

gr

Übrigens: In Holzkirchen beschweren sich die Nachbarn über Vogelgezwitscher - kein Scherz

Video: Früh aufstehen für knusprige Semmeln - Der Tag eines Bäckermeisters

Video: Glomex

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