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Putin-Freund residiert in Promi-Hotel und Villen am Tegernsee - Er ist nicht der einzige Oligarch im Tal

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Von: Gerti Reichl

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Am Tegernsee haben russische Oligarchen ihre Domizile. Der Prominenteste ist Putin-Vertrauter Alischer Usmanow, der ein schillerndes Leben in der Überfahrt führen soll. Nun droht im Ärger.

Rottach-Egern (Dieser Artikel stammt vom 28. Februar 2022) – Auf dem Spazierweg am Schorn patrouilliert Security, mehr als sonst. Seit Putin in der Ukraine Krieg führt, sind die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Villa des Oligarchen offenbar verstärkt, zusätzlich zu dem, was nicht auffällt – etwa den Alarmanlagen oder sogar Lasern, die alle Bewegungen rundum scannen.

Ukraine-Konflikt: Putin-Vertrauter am Tegernsee - Villa sorgte für Aufsehen

Seit 2011 gehört die Villa mit viel Holz und im Landhaus-Stil dem 68-jährigen Milliardär usbekischer Herkunft, dessen Vermögen laut Wikipedia auf 15,3 Milliarden US-Dollar geschätzt wird und der zu den reichsten Russen überhaupt zählt. Usmanowist Gründer von USM, einer privaten Holdinggesellschaft, die eine Reihe bisher erfolgreicher Unternehmen aus den Bereichen Bergbau, Metallbau, IT und Telekommunikation bündelt.

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Eine der Villen des Putin-Vertrauten Alischer Usmanow am Tegernsee steht in Rottach-Egern. © Thomas Plettenberg/Archiv

Die Ansiedlung der Villa, die schon 1936 von SS-General Karl Wolff errichtet und dann aufwendig saniert wurde, sorgte anfangs für großes Aufsehen. Dann gewöhnte man sich an den Namen Usmanow. Den beleibten Mann namens Usmanow mit dicker Brille sah man selten persönlich, „höchstens mal auf seinem Bootssteg“, weiß Wasserwachts-Vorsitzender Jan Zangenfeind, der von der Wachstation einen Blick auf die Bootshütte Usmanows hat.

Ukraine-Konflikt: Putin-Vertrauter am Tegernsee - Proteste gegen Oligarchen

Oder bei einem Spaziergang, abgeschirmt von Leibwächtern. Zwei weitere Villen in dem Viertel am See gehören Usmanow. Es heißt, dass hier überwiegend Gäste beherbergt wurden, dass der Oligarch mehrere Suiten im Seehotel Überfahrt bevorzugt und dort gerne gefeiert habe – mit viel Wodka und Champagner. Man erzählt sich, dass das Personal die Flaschen stilecht mit Säbeln köpfen musste. Auf Nachfrage dazu heißt es aus der Hotel-Direktion nur: „Keine Auskunft.“

Seitdem Putin mit seinem Krieg gegen die Ukraine für Terror, Angst und Schrecken sorgt, ist auch am Schorn alles anders. Für Mittwoch, 2. März, 17 Uhr, hat der Ortsverband der Grünen zu einer Protestkundgebung in der Kuranlage in Rottach-Egern aufgerufen. Man könne die Oligarchen nicht gewähren lassen und so tun, als ob nichts wäre, sagt der Organisator.

Oligarchen am Tegernsee: Gemeinde profitiert von Zweitwohnungssteuer

So tun, als ob nichts wäre: Bisher hatte man kein Problem mit den russischen Villenbesitzern. Weder in St. Quirin, noch in Tegernsee, wo der Moskauer Ivan Shabalow, der unter anderem mit Pipelines für Gazprom Geld verdient, eine Immobilie besitzt. Die tatsächliche Zahl kann der Rottacher Geschäftsleiter Gerhard Hofmann nur schwer schätzen.

„Eine gute Handvoll kann es bei uns im Ort schon sein“, sagt Hofmann. Man sei aber nie abweisend gewesen, wenn von deutschen Firmen, also Strohmännern, Bauanträge eingereicht wurden. Wie im Fall Usmanow. „Wir haben das erst im Nachhinein erfahren, wer da wirklich dahinter steckt“, gesteht Gemeinderat Florian Baier. „Es hat nichts gegeben, warum wir dagegen sein sollten.“

Dazu kommt, dass nicht nur die Gemeinde durch die Zweitwohnungssteuer profitiert. „Das waren gern gesehene Gäste im Ort, die im Einzelhandel auch Geld gelassen haben“, sagt Gemeinderätin und Vermieterin Anastasia Stadler. Auch Handwerker konnten sich guter Aufträge sicher sein, wenngleich sie vertraglich verpflichtet wurden, niemals die Namen ihrer Auftraggeber zu nennen.

Ukraine-Konflikt: Oligarchen am Tegernsee - „Schuld sind die, die an Russen verkauft haben“

„Sie dürfen nur von ,einem Russen’ sprechen“, sagt Bauingenieur Michi Huber, der mit seinem Gmunder Atelier Glasnhof nicht nur Oligarchen, sondern auch den früheren Kremlchef Michail Gorbatschow und dessen Tochter Irina kennengelernt hat. Das Hubertus-Schlössl in Rottach-Egern, das inzwischen wieder verkauft ist, hat er für sie umgebaut. Noch heute habe er Kontakte zu Irina, die inzwischen in Berlin lebt.

Sollen sie sich schämen dafür, dass sie jahrelang mit Russen Geschäfte gemacht haben? Kaum einer will darüber sprechen, wie sich im Rahmen der Recherche zeigt. Schon gar nicht der Architekt aus dem Tegernseer Tal, der aktuell noch mit einem der drei Anwesen Usmanows beschäftigt ist. Man prüfe gerade, wie es weitergeht, heißt es nur aus der Firma.

Am Mittwoch, 2. März, setzen vermutlich zahlreiche Tal-Bürger mit ihrem Protest also ein Zeichen. Anastasia Stadler verspricht sich nicht viel davon: „Schuld sind die, die an die Russen verkauft haben, die die Preise hier hochtreiben und den Kragen nicht vollkriegen.“

Inzwischen forderte CSU-Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan Konsequenzen für Putin-treue Oligarchen in der Region: Man müsse überprüfen, ob auch Enteignungen möglich sind, so Radwan in Briefen an die EU-Kommission und an Außenministerin Annalena Baerbock.

Inzwischen hat die EU Sanktionen gegen mehrere russische Oligarchen in Kraft gesetzt. Auf der Sanktionsliste, die am 28. Februar veröffentlicht wurde, steht unter anderem auch Unternehmer Alischer Usmanow. Konkret bedeutet das: Ihr Vermögen in der EU wird eingefroren. Außerdem wurden Einreisesperren gegen sie verhängt - und damit ihre Reisefreiheit eingeschränkt.

Sicherheitsbedenken: Protestkundgebung wird in die Kuranlage verlegt

Für die am morgigen Mittwoch, 2. März, angesetzte Protestkundgebung der Grünen im Tegernseer Tal gibt es eine Änderung. Anders als ursprünglich geplant, treffen sich die Teilnehmer nicht um 17 Uhr am Schorn, sondern in der Kuranlage. Dies wurde gestern bei einem Sicherheitsgespräch mit Vertretern der Polizei und dem Landratsamt sowie den Organisatoren festgelegt.

„Aufgrund des überregionalen Interesses und auf Anraten der Behörden wurde uns nahegelegt, den Versammlungsort zu verlegen“, teilt Organisator Thomas Tomaschek mit. In der Kuranlage sei eine höhere Sicherheit gewährleistet, da es zwei Fluchtwege gebe und Coronamaßnahmen leichter umgesetzt werden könnten. Auch Parkplätze würden hier ausreichend zur Verfügung stehen.

„Unser Zeichen für Frieden und die Botschaft an Oligarch Alischer Usmanow bleiben unverändert“, so Tomaschek. Es sei Zeit, für den Frieden aufzustehen und Personen im Dunstkreis Putins klarzumachen, „dass sie auf der falschen Seite stehen und dieser schreckliche Krieg sofort gestoppt werden muss“. Tomaschek betont , dass sich der Protest generell gegen Unterstützer der russischen Regierung und deren menschenverachtenden Krieg in der Ukraine richte. „Wir wollen, dass sie und die ganze Entourage Druck bekommen.“  gr

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Inzwischen berichtet auch die ZDF-heute-show über Putins Oligarchen am Tegernsee.

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