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Gegen ihn geht keiner ins Rennen: Bürgermeister Christian Köck an seinem Schreibtisch im Rottacher Rathaus. Seit 2014 ist er im Amt. 

Kommunalwahl 2020 

Niemand kandidiert gegen Rottachs Bürgermeister Christian Köck

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Rottachs Bürgermeister Christian Köck kann der Kommunalwahl 2020  sehr entspannt entgegensehen: Er ist der einzige Kandidat. Wie fühlt sich das an? Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Rottach-Egern– Christian Köck (48), früher selbstständiger Mediengestalter, hat sich 2014 als Kandidat der CSU gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt und ist seitdem Chef im Rottacher Rathaus. Bei der Kommunalwahl 2020 kandidiert er wieder für sein Amt und ist in einer komfortablen Situation: Niemand tritt gegen ihn an. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Herr Köck, 2014 gab’s eine Stichwahl, diesmal haben die anderen Parteien darauf verzichtet, eigene Kandidaten aufzustellen. Was bedeutet Ihnen das?

Als Amtsinhaber ist es immer spannend, ob man einen Gegenkandidaten bekommt. Es ist schon eine gewisse Bestätigung, dass keiner gegen mich antreten möchte. Ich höre auch oft von den Leuten, dass man mit meiner Arbeit wohl zufrieden ist. Aber ich bin mit solchen Aussagen vorsichtig. Wir haben viel erreicht, aber nicht ich allein, sondern wir miteinander. Wir haben in der Verwaltung und im Bauhof sehr gute Mitarbeiter. Und wir haben auch im Gemeinderat in den letzten sechs Jahren sehr gut zusammengearbeitet. Da wurde nie Parteipolitik gemacht. Die wäre im Gemeinderat auch fehl am Platz.

Fällt der Wahlkampf damit aus?

Das nicht, obwohl ich nicht von Kampf sprechen möchte. Es wird jede Gruppierung, natürlich auch die CSU, ihre Info-Veranstaltungen anbieten. Aber während sich 2014 fast alles auf die drei Bürgermeisterkandidaten konzentriert hat, stehen jetzt die Kandidaten für den Gemeinderat im Mittelpunkt. Es gibt eine neue Gruppierung, und wir werden nach der Wahl einige Neue im Gremium haben. Das wird sehr spannend.

Wenn Sie an den Beginn Ihrer Amtszeit zurückdenken: Wie viel Prozent von dem, was Sie sich vorgenommen haben, ist erreicht?

Ich war immer ein kritischer Gemeinderat. Bürgermeister zu sein, ist aber eine ganz andere Liga. Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass vieles länger dauert, als ich es von der freien Wirtschaft gewohnt war, und sich manches auch nicht beeinflussen lässt. Somit musste ich meine eigenen Ansprüche ein bisschen runterschrauben. Aber ich denke, mehr als die Hälfte dessen, was auf meiner Agenda stand, ist mittlerweile geschafft.

Was war für Sie das Wichtigste?

Gottseidank ist es gelungen, mit dem Ellmösl-Projekt das Thema günstiger Wohnraum anzupacken. Das war ja auch ein Wahlversprechen. Und es ist immer wichtiger geworden, wenn man sieht, welche Preise bei uns aufgerufen werden. Für junge Leute ist es schwierig, hier sesshaft zu bleiben, wenn sie nicht erben oder bei den Eltern Wohnraum finden. In Ellmösl schaffen wir mit Sanierung und Neubau 25 Wohnungen. Aber es ist nicht so, dass damit für zehn Jahre alles erledigt wäre. Wir haben schon das eine oder andere Grundstück ins Auge gefasst, um auf diesem Gebiet weiterzumachen.

Was war für Sie die größte Herausforderung?

Ich hatte einen kleinen Betrieb und habe nur auf meine eigene Kappe gearbeitet. Plötzlich die Verantwortung für rund 80 Mitarbeiter zu tragen, war für mich die größte Herausforderung. Zum Glück haben die Mitarbeiter es mir von Anfang an leicht gemacht und mich unterstützt. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Wir sind uns auch einig im Rathaus, dass wir uns als Dienstleister für den Bürger begreifen.

Wichtig war Ihnen, den Bauwahn einzudämmen. Aber ist das überhaupt möglich?

Voll umfänglich wohl nicht. Das liegt an etlichen Faktoren. Man denke nur an die Geldmarktpolitik, die Sparer bestraft. Also investieren die Leute in Immobilien als zeitlosen Wert, die Preise sind astronomisch geworden. Wir haben in den sechs Jahren einige Bebauungspläne aufgestellt, um gegenzusteuern. Ich habe dabei selten Konfliktscheue gezeigt, wenn es darum ging, auch einmal etwas nicht so Schönes zu sagen. Aber der Kampf wird weitergehen, wir bleiben stringent. Wenn sich Fehlentwicklungen noch verschlimmern würden, wäre es fürs ganze Tegernseer Tal schlecht. Da sind wir in der Verantwortung.

Ist die Nachfrage nach Luxusimmobilien denn wirklich so groß?

Wir haben schon ein Überangebot. Teils werden sehr teure Objekte über Monate hinweg angeboten und finden keinen Abnehmer. Trotzdem wird munter weitergebaut. Aber eben nicht für die, die es sich leisten können sollten. Deshalb kommen immer mehr Menschen von außen zu uns. Dadurch entstehen Probleme, die bei uns im Rathaus aufschlagen. Die Leute sind empfindlich. Sie haben soundsoviel bezahlt und reklamieren jetzt Ruhe für sich. Da kommt es dann oft zu nachbarschaftlichen Konflikten.

Was haben Sie sich für ihre nächste Amtszeit vorgenommen?

Wir erarbeiten unsere Ziele miteinander im Gemeinderat. Aber wir sind uns einig, dass wir jetzt das Thema Rathaus anpacken müssen. Energetisch ist einiges zu machen, wir brauchen für die Barrierefreiheit einen Lift, mancher Mitarbeiter soll ein angenehmeres Umfeld bekommen, und auch die Fassade gehört saniert. Ich ärgere mich immer beim Herfahren, wenn die Rollos auf halb acht hängen. Wichtig sind unter anderem auch die Erweiterung des Kindergartens, die Instandhaltung der Gemeindehäuser, die weitere Entwicklung der TTT und die Begleitung großer Projekte wie Bachmair am See und Seeperle. Wichtig ist uns auch die Zukunft der Seniorenresidenz Wallberg.

Hat Sie das Amt persönlich verändert?

Ich denke, ich bin derselbe geblieben. Mein Freundeskreis hat sich nicht verändert, darauf bin ich stolz. Zum Glück ist mein familiäres Umfeld auch so, dass Veränderungen sofort bemerkt würden und man mich schnell zurückholen würde. Doch ich habe auch mit Leuten Kontakt, die ich ohne dieses Amt nicht treffen würde. Ich schaue mir das gerne an, bin dann aber froh, wenn ich mich zurückziehen kann. Wie beim Start ist es mir auch heute eine Ehre, für den Ort, in dem ich aufgewachsen bin, Verantwortung übernehmen zu dürfen.

Die Gemeinde in Zahlen

Ortsteile/Weiler: 24

Hauptwohnsitze: 5801

Nebenwohnsitze:1292

Wahlberechtigte: 4953

Gemeindefläche: 59,1 Quadratkilometer mit 47 Kilometer Straßennetz

Gemeinderäte: 20;

derzeitige Sitzverteilung: CSU 10, FWG 8, SPD 1, Grüne 1

Kandidatenlisten 2020: CSU, FWG, SPD, Grüne, Blitz

Lesen Sie auch: Kommunalwahl 2020 im Landkreis Miesbach: Alle Bürgermeisterkandidaten aktuell im Überblick

Alle Informationen zur Kommunalwahlfinden Sie hier 

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