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„Geisterhäuser“ am Tegernsee: Muss Steuerzahler für Oligarchenvillen aufkommen?

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Von: Klaus Wiendl

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Die Bauarbeiten an Usmanows Villa in der Rottacher Forellenstraße wurden längst eingestellt.
Die Bauarbeiten an Usmanows Villa in der Rottacher Forellenstraße wurden längst eingestellt. © Archiv Klaus Wiendl

Seit Oligarch Usmanow Rottach-Egern verlassen hat, stehen seine Villen leer und die Baumaßnahmen an seiner Luxusvilla liegen auf Eis. Die Gebäude entwickeln sich zu „Geisterhäusern“.

Rottach-Egern – Vier Immobilien am Tegernsee ließ der mehrfache Milliardär Alisher Usmanow über Gewährsleute und eine Steueroase kaufen (wir berichteten). Zuletzt hatte der vor den EU-Sanktionen Geflüchtete behauptet, seine „Geisterhäuser“ müssten zulasten des deutschen Steuerzahlers „instand gehalten“ werden. Rottachs Rathauschef sieht dies anders.

Es sollte eine weitere Luxusvilla des Oligarchen am Schorn in Rottach-Egern werden. Extras vom Allerfeinsten, bis hin zu beheizten Gehwegen auf dem 2300 Quadratmeter großen Ufergrundstück. Für 6,25 Millionen erwarb Usmanow die Immobilie in der Forellenstraße. Weitere 20 Millionen Euro soll ihn der Neubau bislang gekostet haben, wie von Insidern zu hören ist.

Oligarchenvillen am Tegernsee: Usmanow behauptet, Steuerzahler muss für Instandhaltung blechen

Doch seit Beginn von Putins Krieg gegen die Ukraine Ende Februar und Usmanows überstürzter Abreise Tage danach aus Rottach kehrt Ruhe in seinen Villen ein, die ihm zusammen mindestens 50 Millionen Euro wert waren. Am Ende reichte es nicht einmal mehr für die Außenstände von etwa 150 000 Euro der beteiligten Bau-Firmen an der Forellenstraße, da die EU sämtliche ihr bekannten Bankverbindungen Usmanows sperrte.

Nachdem die Firmen im April mangels Überweisungen die Arbeiten einstellten, wurde aus der Edelimmobilie ein „unfertiges Geisterhaus“, wie er es zuletzt gegenüber unserer Zeitung nannte. Das Unkraut wuchert inzwischen immens. Die Innenräume wurden, wie von außen zu erkennen ist, mit Baumaterialien zugestellt. Der stetige Bauzaun sei in dieser Gegend wahrlich keine Zierde, klagen Anwohner. Ein Straßenzug weiter, an der Fischerstraße, steht Usmanows Haupthaus. Wenn sich der Oligarch in Rottach-Egern aufhielt, dann seit 2013 vor allem hier.

Vorbei sind die Zeiten, da dem inzwischen 68-Jährigen vom nahen Hotel Überfahrt mit einem eigenen Fahrdienst die Speisen herangekarrt wurden. Auch hier ist alles verriegelt. Es sei ein „leerstehendes Geisterhaus“, so Usmanows selbst. Aufhorchen ließ er, als er sich in der Behauptung verstieg, seine Immobilien „müssen auf öffentliche Kosten instandgehalten werden“. Da hatte er – der auf 16 Milliarden Dollar taxierte Multiunternehmer – wohl eher seine zahlreichen Latifundien vor allem auf Sardinien und dem italienischen Festland im Blick. Dort machte der Staat kurzen Prozess und konfiszierte Villen und Yachten, wie auch Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) auf Nachfrage berichtet.

Oligarchenvilla am Tegernsee wird zu „leerstehendem Geisterhaus“: Bürgermeister reagiert

„In Italien wurden sämtliche Wertgegenstände und Immobilien beschlagnahmt. Damit sind sie Eigentum des italienischen Staates und somit entsteht Unterhaltspflicht. Diese entsteht hingegen bei uns nicht, weil sein Vermögen hier angeblich eingefroren wurde.“ Und somit sei die Gemeinde bisher noch in keine Situation gekommen, in der „wir hätten tätig werden müssen“, so Köck. „Wenn jemand zuständig wäre, wären es die Behörden, die die Sanktionen verhängt haben.“ Man sei in das „Ganze“ nicht involviert. Es wäre auch „keinem Bürger im Ort erklärbar, wenn der andere Milliardär ist und wir für ihn zahlen müssten.“

Womöglich bekommt Usmanow aber wieder Zugriff auf seine Immobilien im Tal. Wie die Deutsche Presse-Agentur mit Verweis auf EU-Diplomaten berichtet, droht Ungarn damit, die Verlängerung der Strafmaßnahmen gegen Russland platzen zu lassen, dies mit dem Ziel, dass die Sanktionen gegen Usmanow und zwei weitere Oligarchen aufgehoben werden. Die Verlängerung auf EU-Ebene muss bis Donnerstag nächster Woche erfolgt sein, die Entscheidung muss einstimmig erfolgen.  (von Klaus Wiendl mit dpa)

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