So sieht Sammlerglück aus: Severin Rauh aus Rottach-Egern mit dem Fund von Familie Rauh – neben einem Steinpilz, der so groß ist wie sein Oberkörper.

Pilzsaison beginnt

Raus in den Wald! Die besten Tipps zur Schwammerlzeit

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Die Sammler müssen sie fangen, während ihre Beute aus dem Boden schießt: Im Wald und auf den Wiesen im Freistaat geht es zur Zeit hoch her. Die Pilzsaison ist in vollem Gange. Wo und wann die Suche erfolgversprechend ist und was es bei der Schwammerl-Jagd zu beachten gilt.

Rottach-Egern – Vielleicht hat der kleine Severin in der Kraxe den Glücksbringer gemacht. Vielleicht krönen sich auch diejenigen mit Erfolg, die sich vom schlechten Wetter nicht schrecken lassen. Jedenfalls hat Familie Rauh aus Rottach-Egern in dieser Woche bei der Pilzjagd kräftig abgeräumt. „So viele haben wir lange nicht gefangen“, sagt Severins Vater Stephan (37), ganz im Waidmanns-Sprech, wie er unter Pilzkennern üblich ist. Nach dem Putzen wog die Beute aus zweistündiger Suche vier Kilo schwer, der größte Steinpilz kam auf 980 Gramm und war so groß wie der Oberkörper des kleinen Severin. War – denn am Abend gab es im Hause Rauh Steinpilzragout mit Schweinskotelett.

Die Pilzsaison ist in Bayern in vollem Gange. Der jüngst reichliche Regen hat die seit Juni herrschende Schwammerlflaute beendet, erklärt Markus Blaschke, Pilzberater bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Weihenstephan. „Hitze und Trockenheit sind die größten Feinde der Pilze“, sagt Blaschke – und der Wind, der den Waldboden ausdörre. Denn Steinpilz und Schopftintling lieben die Feuchtigkeit. Einzelne Gewitter reichen oft nicht aus, damit sie aus dem Boden schießen. In den vergangenen Wochen wurden Pilzfreunde darum meist nur in ein paar feuchten Mulden fündig.

So wie Familie Rauh, die ihre Geheimplätze kennt, wenn sie „in die Schwammerl“ geht. Wie jeder echte Pilzfreund, verrät auch Stephan Rauh natürlich nicht, wo genau er dann mit seiner Frau Nina (36), dem fünfjährigen Kilian sowie Nesthäkchen Severin (1½) unterwegs ist. Den großen Fang hat die Familie vergangenen Dienstag „in Richtung Kühzagl“ gemacht, verrät er immerhin, unweit von Rottach-Egern geht es dort den Berg hinauf. Auf den Berg, in die Schwammerl – das hat sich bewährt. Nicht, weil die Pilze dort oben besser wachsen, sondern weil unten mehr Pilzsammler unterwegs sind.

Die alte Weisheit, dass sich die Schwammerl bei Vollmond mehr ins Zeug legen, hat sich für Stephan Rauh dagegen nicht bestätigt. „Wenn sie rausdrücken, dann kommen sie, egal, wie der Mond steht“, sagt er.

Und das vor allem in Wäldern mit dicker Moosschicht, erklärt Pilz-Spezialist Blaschke vom LWF. Die sorge für ein „feuchtes Kleinklima“, außerdem seien die Pilze dort besser zu erkennen. Auf der Wiese werden Pilzsammler Blaschkes Erfahrung nach seit einigen Jahren immer seltener fündig. Schuld sei daran vor allem Überdüngung durch die Landwirtschaft.

Dass unter dem Jagdfieber der Schwammerlfreunde am Ende der Bestand leidet, macht Blaschke dagegen keine Sorgen. Es blieben immer genug Sporen im Boden, erklärt er mit einem Vergleich: „Wenn man von einem Apfelbaum alle Äpfel aberntet, wachsen sie trotzdem nach.“ Dennoch: Viele Speisepilze wie Steinpilze oder Champignons dürften laut Gesetz nur zum eigenen Gebrauch gesammelt werden. So wie bei Familie Rauh: Was nicht im Magen landete, haben sie eingefroren. Im Herbst gibt es dann Nudeln mit Pilzen für die ganze Großfamilie.

Wer sich unsicher ist, was im Pilzkörbchen gelandet ist, kann sich an die Pilzberater der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft (Liste auf pilze-bayern.de) wenden. Bei Unwohlsein nach dem Verzehr von Pilzen helfen der Hausarzt sowie im Notfall der Gift-Notruf Bayern, unter Tel. (089) 19240.

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