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Streng geschützt: Eine Biberfamilie ist in der Weißachau heimisch geworden und hat dort schon einige Schäden angerichtet. Die Population soll unter Kontrolle gehalten werden. 

Schlimme Befürchtungen

Problem-Biber erreicht jetzt auch Rottach - und wird heftig diskutiert

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Die Biberfamilie an der Weißach steht unter Beobachtung. Ob das ausreicht, wurde im Rottacher Gemeinderat heftig bezweifelt. Mancher fürchtet, dass die Population aus dem Ruder läuft. 

Rottach-Egern –Am Eisernen Steg haben sich die Biber einen Damm gebaut, der bereits viel kostbares Gebiet unter Wasser setzt. Weideflächen sind verloren, Bäume abgestorben. Wie berichtet, hat die Gemeinde Kreuth eine Seite des Weißachdammwegs aus Sicherheitsgründen gesperrt. Auch dem Trachtenverein D’Hirschbergler macht die Dauer-Überschwemmung zu schaffen: Im Keller der Trachtenhütte an der Wallbergstraße steht das Wasser. Ein Problem ist der fleißige Nager aber nicht nur in Kreuth. Auch im Rottacher Gemeinderat waren die Aktivitäten der selten gesichteten Tiere Thema.

Der Kommune obliege schließlich die Verkehrssicherungspflicht für die Wallbergstraße, erklärte Bürgermeister Christian Köck (CSU): „Es kann uns nicht egal sein, wenn die Biber da Bäume annagen, die dann vielleicht auf die Straße stürzen.“ Aber es handle sich nun mal um streng geschützte Tiere: „Da kann man nicht einfach den Jäger schicken, damit der mal aufräumt.“

Köck berichtete von einem Ortstermin mit Florian Busl als Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Der habe versichert, das Treiben der Biber bei wöchentlichen Besuchen zu beobachten. Aktuell, so Köck, gingen die Naturschützer davon aus, dass es sich um eine Biberfamilie mit sieben Mitgliedern handle. „Eine Familie bleibt zwei Jahre beinander, dann werden die Tiere aus dem ersten Wurf verstoßen“, erklärte Köck. Sollten abwandernde Tiere neuen Lebensraum in dem Gebiet erobern wollen, dürften auch Exemplare „entnommen“ werden. „Es darf nicht sein, dass die Population aus dem Ruder läuft“, betonte Köck.

Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) überzeugte das nicht. „,Mein Vertrauen in die Behörden ist nicht allzu groß“, meinte er. Das Konzept bestehe allein darin, mal zu schauen. „Und der Biber ist ein Tier, das sich ganz schön vermehrt.“ Er vermisse bei der ganzen Debatte die Vernunft, merkte Lang an. Von Abschuss sprach Lang nicht. Aber davon, dass doch zählen solle, was die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung für vernünftig halte.

„Lasst nur mal den Weißachdamm bei Hochwasser brechen, dann ist was los“, meinte Anton Maier (CSU). Er warne vor Untergrabungen durch die Biber. Im Übrigen sei es „eine Viecherei“ und auch traurig, dass Menschen, „die nur reden müssen“, – also die Naturschützer – über die Eigentumsflächen anderer bestimmen könnten.

Geschäftsleiter Gerhard Hofmann versuchte, die Wogen zu glätten. Die Vertreter des Naturschutzes hätten durchaus ein Konzept: Der Wasserstand werde auf dem jetzigen Niveau gehalten und dürfe nicht vom Biber bestimmt werden. Darum habe man den von ihm errichteten Damm auch immer wieder gekappt und lasse eine Überschreitung des nun gewährten Lebensraums nicht zu. Zudem würden einige Bäume zum Schutz mit Gittermatten aus Metall ummantelt.

Johanna Ecker-Schotte, FWG-Gemeinderätin und Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, erinnerte an den Elektrozaun, der die Biber in die Schranken weise. Aktuell sei auch gar nicht sicher, wie viele Exemplare tatsächlich ansässig sind. „Vielleicht hauen sie auch wieder ab.“ Ihr Fraktionskollege Andreas Erlacher w

ünschte sich ein griffiges Konzept in der Biberfrage. Schließlich stecke viel Geld im Hochwasserschutz entlang der Weißach. Der sei durch die Tiere gefährdet.

Dass die Biber so einfach in die Schranken zu weisen sind, glaubt auch Köck nicht: „Solange die Viecher da sind und es dort noch Bäume gibt, werden die weitermachen.“

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