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Das Gelände zeigt den alten Hof (2. Haus v.r.) von Familie Buchberger, angrenzend das alte Sägewerk sowie ein neues Mietshaus (vorne) und einen Gewerbe- und Versorgungsbau (l.).

Rätselraten um Pläne am Mühlbach

Was wird aus dem alten Sägewerk?

Rottach-Egern - Das Gelände rund um die Anwesen von Familie Buchberger ist im Umbruch. Die ehrgeizigen Pläne für das ehemalige Sägewerk sind hingegen ins Stocken geraten.

Fünf Generationen lang betrieben die Buchbergers in Rottach-Egern über dem Mühlbach ein Sägewerk. Die alte Säge steht heute noch, auch ein altes Wasserrad, das den Motor für die Säge in Gang setzen könnte, gibt’s noch. Das Innere gleicht einem Museum. Die alte Säge ist eigentlich ein Schatz, denn 1874 wurde der Betrieb gebaut – von zwei bärtigen Brüdern, die dem Barthweg ihren Namen gaben. 2013 verkauften die Buchbergers die Säge und einen Grundstücksteil an den Kreuther Thomas Hafner. Der wollte eine Touristen-Attraktion aus der Säge machen. Der Gemeinderat zeigte sich damals begeistert, sprach von einem „wünschenswerten Projekt für den Tourismus“ und änderte den Bebauungsplan. Von einem Schau-Sägewerk, einer Schau-Brennerei und einem Wirtshaus war die Rede. Bei einem Treffen mit unserer Zeitung im August 2013 hatte Hafner das Vorhaben noch überschwänglich angekündigt. Verwirklicht wurde dieser Plan bisher nicht.

Warum schweigt der Besitzer?

Auf Nachfrage gibt sich Hafner wortkarg und verweist auf eine Bavaria Grundstücksgesellschaft, der die Säge gehöre. Recherchen ergeben: Familie Hafner und die Grundstücksgesellschaft sind identisch. Warum sich Thomas Hafner nicht zu dem Projekt äußern möchte, bleibt offen. Gibt es inzwischen andere Pläne? Rückt Hafner von einer touristischen Nutzung des alten Sägewerks ab?

Neuer Antrag für Halle

Hans Buchberger jun. (43) weiß selbst nichts Neues. Er ist immer noch froh, dass die Säge, das Lebenswerk seiner Familie und seiner Vorfahren, in den Besitz eines Einheimischen übergegangen ist. Im Grunde ist es ihm auch ganz recht, dass noch nicht gebaut wird, denn auf dem Geländeteil, der den Buchbergers gehört, herrschte zuletzt reger Baubetrieb. Hans Buchberger jun. stellt seine private und berufliche Zukunft mit der Hans Buchberger Sägewerk & Schreinerei KG derzeit auf drei stabile Beine: ein neues Mietshaus wurde auf dem Grund gebaut, jetzt will er die Ferienwohnungen im Hof, wo drei Generationen der Buchbergers leben, um sieben Stück erweitern. Seit 1992 vermieten die Buchbergers – zu erschwinglichen Preisen. Zudem möchte er das gewerbliche Standbein sichern und auf eigenem Grund eine 11 mal 20 Meter große Halle für Werkstatt und Lager errichten. Ein Handwerksbetrieb soll dort unterkommen, „Die Nachfrage dafür ist riesig“, weiß Buchberger. 

Im Ortsplanungsausschuss am Dienstagnachmittag waren die Anträge Thema. Bereits kurz vor Jahreswechsel hatte sich das Gremium mit der Halle befasst, den Antrag aber zurückgestellt. Erneut wunderte man sich nun, warum die Auflagen im Bebauungsplan, etwa die Hagbepflanzung an den Grundstücksgrenzen, noch nicht ausgeführt wurden. Doch wer ist zuständig? Buchberger oder Hafner? Letzteren habe Bürgermeister Christian Köck (CSU) mehrmals dazu aufgefordert – ohne Erfolg. Letztlich schenkte man dem anwesenden Antragsteller Glauben: Hans Buchberger versicherte, dass er alle Vorgaben erfüllen werde. Zudem versicherte er, dass die Zufahrt über seinen Grund und nicht über den Barthweg erfolgen werde. Mit einer Gegenstimme wurde der Werkstatt- und Lagerbau dann genehmigt. 

Die Pläne für Umbau und Nutzungsänderung von Tenne, Stall und Wohnhaus muss Buchberger jedoch überarbeiten. Zum einen soll das neue Gebäude einen durchgehenden und nicht unterschiedlich hohen First bekommen. Zum anderen muss Buchberger eine Versicherung einreichen, dass er die Wohnungen ausschließlich für touristische Zwecke nutzen wird. Die Zukunft der alten Säge bleibt hingegen offen.

gr

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