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Im Gerichtssaal: Die vier Angeklagten. Zwei sollen lebenslang ins Gefängnis.

Lebenslänglich für 15 Stunden Todesangst 

Raubüberfall in Rottach: Höchststrafe gefordert

Rottach-Egern - Lebenslange Haft fordert der Staatsanwalt für die beiden Hauptangeklagten in dem spektakulären Raubüberfall-Prozess. Der mutmaßliche Hehler kommt dagegen mit Bewährung davon.

Sie gingen brutal vor, haben ihre Opfer wehrlos und gefesselt zurückgelassen: Für die beiden Hauptangeklagten im Prozess um einen spektakulären Raubüberfall mit Millionenbeute auf ein betagtes Ehepaar in einer Villa in Rottach-Egern hat die Staatsanwaltschaft am Montag lebenslange Haft gefordert. Die 42 und 49 Jahre alten geständigen Brüder sind aus Sicht der Anklagebehörde des versuchten Mordes und schweren Raubes schuldig. Ihre Schuldfähigkeit ist bereits geklärt.

Das Duo soll am 8. Januar 2014 über die Terrasse in das Anwesen in Rottach-Egern (Landkreis Miesbach) eingedrungen sein. Die beiden Männer schlugen den Hausherrn laut Anklage zusammen, dann fesselten sie ihn und seine herzkranke Frau mit Kabelbindern, Schals und Gürteln an Stühle. Anschließend flüchteten sie mit Porzellan aus den frühen Meißner Jahren im Wert von gut einer Million Euro sowie Schmuck und Uhren für rund 256 000 Euro im Auto der Frau.

Die 73 und 76 Jahre alten Opfer blieben bei heruntergelassenen Rollläden hilflos zurück. „Sie waren in Lebensgefahr“, sagte der Staatsanwalt im Münchner Landgericht. Seinem Plädoyer zufolge haben die Räuber mit der Flucht die Folgen ihres Vorgehens für die Eheleute „aus der Hand gegeben“. Die vorbestraften Brüder hatten keinen Einfluss darauf, ob das Paar rechtzeitig gefunden wurde. Hier ist die brutale Tat nochmals ausführlich nachzulesen.

Tatsächlich mussten die Eheleute mehr als 15 Stunden auf ihre Befreiung warten. Diese hatten sie dem Umstand zu verdanken, dass der Mann einen Termin bei seinem Anwalt nicht wahrnehmen konnte. Unter den Folgen dieser 15 Stunden in Todesangst leidet das Rottacher Ehepaar bis heute.

Für einen Mitangeklagten, einen Freund des älteren Bruders aus gemeinsamen Gefängnistagen, beantragte der Staatsanwalt eine neunjährige Strafe wegen Anstiftung sowie Hehlerei. Er soll den Überfall geplant haben und später das kostbare Porzellan nach Nordrhein-Westfalen zu einem Antiquitätenhändler gebracht haben.

Nur für den Käufer hielt der Anklagevertreter eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten für ausreichend. Außerdem muss er 10.000 Euro für einen gemeinnützigen Zweck entrichten. Er ist bereits wieder auf freiem Fuß.

Das Quartett stammt aus Dortmund und Hagen (beides NRW). Die Polizei hatte die Beschuldigten im Herbst 2014 festgenommen. Das geraubte Porzellan konnte zum überwiegenden Teil sichergestellt werden.

dpa

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