Mit Grasbüscheln fassen die Retter das Kitz an und setzen es aus der Wiese in den Wald.
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Mit Grasbüscheln fassen die Retter das Kitz an und setzen es aus der Wiese in den Wald.

Suche nach Kitzen

Tierschutzverein bietet Bauern Unterstützung an: Reh-Rettung mit Drohne

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Rehkitze sitzen versteckt im tiefen Gras und warten auf die Rückkehr ihrer Mutter. Damit sie vor der Mahd nicht übersehen werden, kommen Drohnen zum Einsatz.

Rottach-Egern - Deshalb setzen der Tierschutzverein Tegernseer Tal, der Bayerische Bauernverband mit Sitz in Holzkirchen und der Wolfratshauser Drohnenflug-Dienstleister Air Bavarian ihre Zusammenarbeit fort, die die Rettung von Kitzen mit Drohnen ermöglicht.

Vergangenes Jahr waren die Drohnen erstmals zur Kitzrettung im Einsatz. „Da konnten wir im Tegernseer Tal insgesamt 15 Kitze retten“, erinnert sich Marinus Vogl, Chef der Air Bavarian GmbH. Heuer habe erst ein Flug nahe Murnau stattgefunden. Sieben Kitze habe die Drohne dabei gefunden. „Man tut etwas Gutes“, sagt Vogl, dessen Drohnen eigentlich im Auftrag von Filmproduktionsfirmen und Industriebetrieben fliegen.

Drohnen spüren Kitze auf

In der Regel sind es Jäger, die Vogl rufen, wenn sie Unterstützung aus der Luft bei der Suche nach Kitzen brauchen. „Die Drohnenrettung eignet sich vor allem für große Flächen im Flachland“, sagt zum Beispiel Georg von Preysing, der mit fünf weiteren Jägern ein Revier betreut. Die Jäger erfahren von den Landwirten in ihrem Revier, wann eine Mahd ansteht – und helfen beim Absuchen der Flächen vor dem Mähen. Drohnen können die Tiere dabei sehr effektiv aufspüren – nicht zuletzt, weil sie eine Wärmebildkamera haben.

Dem Landwirt entstehen dadurch keine Kosten. „Der Tierschutzverein Tegernseer Tal sponsert das Angebot mithilfe von gezielten Spenden“, sagt Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal.

Kitze haben keinen Eigengeruch

Die Setzzeit von Rehen liegt zwischen Ende April und Mitte Juni. Zum Setzen suchen sich Geißen Verstecke in dichter Vegetation, weil ihre Jungen dort vor Füchsen und anderen Raubtieren geschützt sind. „Die Kitze haben keinen Eigengeruch“, erklärt von Preysing. Deshalb könnten Feinde, die nach dem Geruchssinn gehen, die Tiere nicht aufspüren. Mehrmals am Tag besuche die Geiß ihre Kitze – meist seien es zwei – um sie zu säugen. Dann gehe sie wieder auf Nahrungssuche. Die Kitze folgen ihrer Mutter nicht sofort nach der Geburt, sondern bleiben versteckt, bis sie alt genug sind, ihre Mutter zu begleiten.

Doch ausgerechnet das Versteck, das die Kitze vor Feinden schützen soll, kann ihnen zum Verhängnis werden, wenn Bauern sie bei der Mahd übersehen. Zwar überprüfen Landwirte die Fläche zuvor, aber nicht immer werden sie fündig. „Kein Landwirt will das Töten eines Kitzes erleben, das geht ihnen sehr nah“, sagt Ecker-Schotte.

Mütter finden Jungtiere wieder

Hat die Drohne ein Kitz aufgespürt, trägt es der Jäger oder ein Helfer aus der Wiese an den Waldrand. „Wichtig ist, das Kitz nicht mit bloßen Händen anzufassen, damit es keinen menschlichen Geruch annimmt“, erklärt von Preysing. Das Kitz dürfe nur mit Handschuhen oder Grasbüscheln angefasst werden. „Die Geiß beobachtet das vom Waldrand aus und findet ihr Kitz später wieder“, sagt von Preysing.  

Die Drohne kann unter Tierschutzverein-teg.tal@t-online.de angefordert werden.

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