Amtsgericht Miesbach.
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Die Verhandlung fand am Amtsgericht Miesbach statt.

Amtsgericht Miesbach

42 Mal Drogen erworben: Rottacher (20) kommt mit milder Strafe davon

Die Drogensucht brachte einen 20-Jährigen aus Rottach-Egern vor Gericht. Weil er Reue zeigte und sein altes Leben hinter sich gelassen hat, gab‘s ein mildes Urteil.

Rottach-Egern – Dank seines guten Verhaltens nach der Tat sowie seines Geständnisses bei der Polizei und vor dem Richter, ist ein Rottach-Egener (20) bei einer gegen ihn geführten Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht glimpflich davongekommen. In Anbetracht der ihm vorgeworfenen Taten hätte ihn durchaus eine höhere Strafe erwarten können. Immerhin machte sich der junge Mann des vorsätzlich unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln strafbar – in insgesamt 42 Fällen. Wie die Staatsanwältin vortrug, soll der Angeklagte im Zeitraum zwischen Dezember 2019 und Februar 2020 in Tegernsee beim Dealer seines Vertrauens Betäubungsmittel erworben haben. Vier Mal seien es 50 Gramm Marihuana zum Grammpreis von je elf Euro gewesen. Bei drei weiteren Gelegenheiten soll der Rottacher je 100 Gramm Marihuana für zehn Euro pro Gramm bei seinem Dealer eingekauft haben. Damit nicht genug, warf die Staatsanwaltschaft dem 20-Jährigen ebenfalls vor, weitere 35 Mal immer zwei Ecstasy-Tabletten für je zehn Euro bezogen zu haben.

20-Jähriger legt ein umfassendes Geständnis ab

„Er räumt es ein und es tut ihm leid“, erklärte Verteidiger Frank Zahnert unmittelbar nach Verlesung der Anklageschrift. Die Umstände der Taten erklärte Zahnert so, dass sein Mandant eine kurze Phase hatte, in der er Drogen konsumierte. Seit Frühling 2020 sei dies aber nicht mehr der Fall. „Hinzu kam auch, dass er damals den falschen Freundeskreis hatte, von dem er sich aber mittlerweile entfernt hat“, versicherte der Anwalt. Noch während Zahnert deutlich machte, dass der Rottacher sein Leben wieder in die richtigen Bahnen gelenkt hat, legte er Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid zwei negative Drogentests des Angeklagten vor. Die stammen vom März beziehungsweise April dieses Jahres.

Wichtig war Zahnert auch, zu betonen, dass sein Mandant „nicht alles selbst konsumiert hat“. Der 20-Jährige sei mehr der Mittelsmann gewesen. Er habe von seinen damaligen Freunden Bestellungen aufgenommen und die Sammelbestellungen dann beim Dealer aufgegeben, sie abgeholt, seinen Teil für sich behalten und den Rest im ehemaligen Freundeskreis verteilt. Nach der für Schmid lückenlosen Darstellung der Geschehnisse, verzichtete er sogar auf die einzige Zeugin, die vor Gericht hätte aussagen sollen.

Beratungsgespräche und Geldauflage

Die Staatsanwältin monierte bei ihrem Plädoyer, dass die Taten sicher kein Kavaliersdelikt seien. Auf der anderen Seite wollte sie es dennoch bei der Anwendung des Jugendstrafrechts belassen, „da Sie heute geständig waren und sich im Nachhinein intensiv damit auseinandergesetzt haben, was da alles schiefgelaufen ist“, sagte die Juristin zum Angeklagten. Sie forderte drei Beratungsgespräche bei der Caritas und eine Geldauflage von 900 Euro. Zudem müsse der Rottacher ein weiteres Jahr drogenfrei bleiben und dies auch nachweisen können.

„Ja, es war eine Vielzahl von Taten und auch eine große Menge“, sah Verteidiger Zahnert ein. Dennoch seien die Vorfälle lange her und sein Mandant führe mittlerweile „ein normales und alterstypisches Leben“. Die Beratungsgespräche würden aus seiner Sicht trotzdem nicht schaden, auch drogenfrei zu leben sei für den 20-Jährigen möglich.

Die geforderten 900 Euro Geldauflage für den Angeklagten, der gerade eine Ausbildung macht, empfand Zahnert als etwas zu hoch, „auch, wenn sie sicher gerechtfertigt wären“.

Drogenscreening als Bedingung

Letztlich brummte Schmid dem Rottacher neben drei Beratungsgesprächen und zwei binnen eines Jahres abzulegenden Drogen-Screenings eine Geldauflage von lediglich 700 Euro auf. „Aber nur, weil Sie sich in ihrem Schlusswort noch mal reuig gezeigt haben“, merkte Schmid in Richtung des Angeklagten an, der sich auch vor dem Richter ausdrücklich für seine Vergehen entschuldigte und Besserung gelobte.

Bei einer solch großen Menge an erworbenen Betäubungsmitteln, so Schmid, liege Handeltreiben dennoch nahe. „Das kann man aber nicht nachweisen, und es ist hier auch nicht angeklagt“, erkannte der Direktor. Die Drogenberatung sowie die Drogen-Screenings würden dem 20-Jährigen nicht schaden, sagte Schmid und warnte: „Wenn eins der Screenings positiv ist, dann gibt’s einen Arrest.“

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