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Werden abgerissen: die kleinen Wohnhäuser in der Auenstraße sollen durch vier üppige Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. Sehr zum Ärger der Gemeinde.

Altbekannte Debatte im Ortsplanungsausschuss

Wieder soll eine riesige Wohnbebauung kommen: Pläne sorgen in Rottach für Frustration

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Zwei kleine Einfamilienhäuser an der Auenstraße in Rottach-Egern sollen durch eine riesige Wohnanlage ersetzt werden. Ein altbekanntes Problem für die Gemeinde. Dort macht sich Frustration breit.

Rottach-Egern – Eine Mischung aus Frustration und Resignation schwang in der jüngsten Sitzung des Rottacher Ortsplanungsausschusses mit, als es um die Bebauung der Auenstraße ging. Statt zwei kleiner Einfamilienhäuschen sollen hier in Zentrumsnähe vier Mehrfamilienhäuser mit 17 Wohneinheiten entstehen.

„An dieser Stelle erleben wir die Folgen eines jüngst über die Bühne gegangenen Grundstücksverkaufs“, sagte Bürgermeister Christian Köck (CSU) bedauernd. Und es war nicht ganz klar, ob sich die Enttäuschung einmal mehr auf die maximale, den letzten Zentimeter ausreizende Planung eines Bauträgers bezog oder auf die Einheimischen, die ihre Immobilie verkauft hatten. Anstelle des Bestands sollen vier große Baukörper errichtet werden, sodass beide Grundstücke „maximalst“ genutzt würden.

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„Leider gibt es in diesem Gebiet keinen Bebauungsplan. Das Landratsamt wird unser Einvernehmen ersetzen“, sagte Köck. Denn von der Größenordnung und der Ausführung her seien „die vier Riesenkisten“ nicht angreifbar. Schon bei der Vorstellung des Projektes in der schmalen Sackgasse würden ihm die Nachbarn leid tun, meinte Köck. „Es ist schon fast ein Klassiker: Einheimische geben leichtfertig Grund und Boden her, Bauträger toben sich dann darauf aus.“ Solche Bauwerber könne er null Komma null unterstützen, sagte Köck. „Mir geht es ums Gewissen und den Ort. Ich habe weniger das Baurecht, sondern die Ortsentwicklung im Blick.“

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Frustriertes Kopfschütteln gab es auch bei den Gemeinderäten. Auf Nachfrage von Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) nach irgendwelchen baurechtlichen Verstößen beschied Bauamtsleiterin Christine Obermüller, dass alle Vorgaben eingehalten würden, auch die Abstands- und die Schneeräumflächen. Einzig eine mögliche Lärmbelastung durch die Tiefgarage könnte wegen der Nähe zum Nachbarn im Süden bemängelt werden. Und auch die acht überirdischen Stellplätze parallel zur einspurigen Sackgasse seien ihres Erachtens nach nicht gefällig. Daraus könnten sich im Winter an der Hofzufahrt Probleme beim Schneeräumen ergeben, warnte Obermüller. „Ansonsten ist die Gestaltungssatzung beachtet worden.“

Daraufhin schüttelte Jaskolla verständnislos den Kopf: „Wie können die Leute sich Wohnungen in einer Mietskaserne ohne Garten kaufen?“ Ein Garten mache doch nur Arbeit, erwiderte Köck sarkastisch. „Hier geht es nicht um Lebensqualität, sondern darum, eine wertsteigernde Immobilie zu haben, statt Strafzinsen bei der Bank bezahlen zu müssen.“

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Der Bürgermeister sieht diese Entwicklung der „geschlossenen Rollläden“ als dramatisch an. Was die Pläne für die vier Mehrfamilienhäuser in der Auenstraße 2 und 4 anging, so stellte er klar, dass diese nicht zur Infrastruktur von Rottach-Egern passen. Einstimmig lehnte der Ortsplanungsausschuss die Austauschpläne zum Neubau ab, sodass Köck mit Blick auf das weitere Verfahren wenig hoffnungsvoll meinte: „Na, dann schauen wir mal, was passiert.“

ak

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