Rathaus Rottach-Egern
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Das alte Rathaus in Rottach-Egern stammt aus dem Jahr 1865. Weil es nicht mehr sanierungsfähig ist, soll es durch einen Neubau ersetzt werden.

Neubau statt Sanierung

Altes Gebäude reif für die Abrissbirne: Rottach-Egern bekommt ein neues Rathaus

  • Alexandra Korimorth
    VonAlexandra Korimorth
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Das Rottacher Rathaus ist reif für die Abrissbirne. Weil eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich wäre, hat sich der Gemeinderat zum Neubau an gleicher Stelle entschlossen.

Rottach-Egern – Seit 2013 befasst sich die Gemeinde Rottach-Egern mit der Zukunft ihres Rathauses. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1865, seit 1927 dient es als Rathaus. Inzwischen ist klar: Eine Sanierung lohnt nicht, ein Neubau muss her. Wie Bürgermeister Christian Köck (CSU) jetzt in öffentlicher Sitzung bekanntgab, hat der Gemeinderat den Neubau einstimmig beschlossen. Gesucht wird auch eine kostengünstige Übergangslösung.

Gebäude genügt weder energetisch noch funktionell den Ansprüchen

Weder energetisch noch optisch oder funktionell genügt das alte Gebäude den Anforderungen. Es gibt keinen Aufzug, keine barrierefreien Zugänge in die Büros. Vor acht Jahren, als an der Nordseite das Vordach, die Toiletten und der Brunnen neu gestaltet wurden, wurde Andreas Erlacher, Architekt und FWG-Gemeinderat, gebeten, den Aufwand für eine Generalsanierung zu ermitteln. Im Fokus standen die Fassade, neue Fenster, ein neues Dach und der Einbau eines Aufzugs. Damals kam man überein, dass es der Gemeinde an Kapazitäten fehlt, eine derart umfassende Sanierung bei laufendem Betrieb zu stemmen.

Ende 2019 kam das Thema erneut aufs Tapet. Das Architekturbüro Erlacher wurde mit einer Machbarkeitsstudie für eine Sanierung beauftragt. Bei der Sitzung am Dienstagabend (14. September) berichtete Erlacher dem Gemeinderat, dass sehr bald klar war, dass eine Sanierung so teuer kommt, dass man über die Alternative nachdenken muss: Abriss und Neubau an gleicher Stelle.

Kritische Stimmen gegen Sanierung wurden immer lauter

Nach eingehender Prüfung, auch gemäß neuer Vorgaben des Energiegesetzes, zeigte sich ein Sanierungsbedarf nicht nur bei den Fenstern und dem Dach, sondern auch bei der Gebäudetechnik, der Heizung und der Hülle. Überdies braucht die Verwaltung mehr Platz, sodass auch ein Anbau in die Überlegungen mit einbezogen wurde. „Die kritischen Stimmen gegen eine Sanierung wurden immer lauter. Denn eine Sanierung macht bei der Gebäudesubstanz und bei einem Gebäude ohne Keller keinen Sinn“, fasste Erlacher zusammen.

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In allein sieben Sitzungen während der vergangenen Monate befasste sich der Gemeinderat mit der Frage, wo ein Neubau oder Teilneubau errichtet werden könnte, damit die Verwaltung weiterarbeiten kann. „Es war ein wirklich langer Prozess und viel Hin und Her. Aber das Gremium hat sich nun entschlossen, den Neubau anzugehen“, schloss Erlacher. Bürgermeister Köck konkretisierte: „Der Beschluss war einstimmig. Wir sehen die Notwendigkeit und wollen für das Projekt Rathaus in dieser Legislaturperiode die Weichen stellen. Wir stehen in der Verantwortung und wir haben eine Vorbildfunktion.“

Neues Rathaus soll kein futuristisches Gebäude werden

Das Rathaus soll in der Ortsmitte bleiben und an gleicher Stelle, nur etwas abgerückt von der Bundesstraße, entstehen. „Es soll kein futuristisches Gebäude werden, sondern zu unserem Baustil passen. Es soll funktional und zweckmäßig, aber mit dem Ortsbild verträglich sein“, stellte Köck klar. Einen Architektenwettbewerb solle es nicht geben. Man wolle sich für die Vorplanung Zeit nehmen, dann das Bestandsgebäude zügig abbrechen und den Neubau zügig errichten. Das sei für die Mitarbeiter und Bürger erträglicher als eine etagenweise Sanierung. „Der Weg ist zielführend und der einzig vernünftige“, sagte Köck.

Das sahen auch Thomas Tomaschek (Grüne) und Michael Hagn (Blitz) so. Beide hatten den Neubau nach eigenen Aussagen erst sehr skeptisch gesehen. Jetzt sagte Tomaschek auch mit Blick auf die Steuergelder: „Ich bin voll dafür.“ Und Hagn meinte: „Ich habe mich überzeugen lassen. Eine Sanierung käme mindestens so teuer wie ein Neubau.“ Ihm seien eine vorsichtige, flexible Planung und eine kostengünstige Übergangslösung wichtig.

Projekt muss europaweit ausgeschrieben werden

Das Gremium hat entschieden, jetzt die Bauleitplanung in Auftrag zu geben und mit den Fachleuten vom Vergabezentrum zusammenzuarbeiten. Für die Vorarbeiten will man sich Zeit nehmen. Ohnehin muss ein Projekt dieser Größenordnung europaweit ausgeschrieben werden. Bürgermeister Köck versprach, die Bürger über den Fortgang des Projektes auf dem Laufenden zu halten. Zu Kosten und Zeitplan gab es bei der Sitzung noch keine näheren Informationen.

ak

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