+
Bleibt: Den Buchenbestand an der Ganghoferstraße wollte ein Bauwerber entfernt haben – und bot dafür viel Geld. 

Bürgermeister spricht von „Machenschaften“ und „Kuhhandel“

Sie stören Blick auf Tegernsee: Bauträger will Bäume fällen - und macht Besitzerin gewagtes Angebot

  • schließen

Jetzt rücken Bauwerber missliebigen Bäumen damit zu Leibe, dass sie für die Entfernung Prämien zahlen. Das Rathaus sieht darin „Machenschaften“ und einen „Kuhhandel“ – und schiebt einen Riegel vor.

Rottach-Egern – Die alten Buchen auf ihrem Grundstück müssten weg, ließ der Bauträger die alte Dame wissen. Er zahle auch dafür: 5000 Euro pro Baum. Die Seniorin ließ sich nicht einschüchtern und alarmierte Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU). Der machte seinem Zorn jetzt im Bauausschuss Luft. Die Gemeinde werde nicht zulassen, dass der Park der alten Dame angefasst wird, machte er deutlich. „Da geht es nur um Gewinnmaximierung“, meinte Köck, der von „Machenschaften“ sprach und einem „Kuhhandel“, den die Gemeinde nicht dulde. Der Ausschuss folgte seiner Empfehlung und lehnte den Plan für zwei Mehrfamilienhäuser an der Ganghofer Straße einmütig ab.

Der Bauträger plant eine Tiefgarage - direkt am See

Dabei waren es nicht die beiden geplanten Häuser mit zehn Wohnungen, die Köck missfielen. Die Bebauung des Areals in direkter Nähe des Hotels Überfahrt hatte die Gemeinde auch bereits im Juli für in Ordnung befunden. Doch nun lag ein Austauschplan auf dem Tisch, der eine wesentlich größere Tiefgarage vorsieht. Der unterirdische Bau reicht bis an die Grundstücksgrenze und würde das Wurzelwerk von sechs Bäumen kappen, die im Park rund um die Villa der alten Dame stehen. Somit würde die Genehmigung der Tiefgarage das Ende von sechs Bäumen bedeuten.

Lesen Sie hier auch: Dieses Mega-Loch wird gerade in Rottach-Egern ausgehoben.

 „Das wäre ewig schade um den alten Buchenbestand“, erklärte Köck und berichtete von einer Ortsbesichtigung. Gemeinsam mit Bauamtsleiterin Christine Obermüller habe er sich das Areal in der Ganghoferstraße angesehen.

Das Problem: Das Bauträger-Grundstück liegt in zweiter Reihe

Es handelt sich um ein Traumgrundstück in der Nähe des Seeufers. Das bestegende Anwesen Ganghofer Straße 5 wird für den Neubau abgerissen. Es handelt sich allerdings um ein Grundstück in zweiter Reihe. Die fraglichen Bäume sind nicht nur einer großen Tiefgarage im Weg, sondern verdecken auch den Blick auf den See.

Um den Stellplatzbedarf für die geplanten Wohnungen zu decken, wird die Tiefgarage laut Obermüller nicht gebraucht. Vielleicht wolle der Bauwerber Stellplätze vermieten. „Die Tiefgarage ist überdimensioniert“, meinte Bürgermeister Köck. Angesichts der Nähe zum See empfinde er es auch als problematisch, ein unterirdisches Bauwerk dieser Größe in den Boden zu rammen. Vor allem aber ärgerte ihn das Auftreten des Bauträgers gegenüber der betagten Eigentümerin des Nachbargrundstücks: „Ich finde nicht angemessen, was da passiert ist.“

Der Bauträger, so Köck, möge sich wieder auf den im Juli eingereichten Entwurf besinnen und einen Bauantrag für die ursprüngliche Variante einreichen. Diese berührt den Baumbestand nicht.  

jm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Loipen-Diskussion entfacht im Wiesseer Gemeinderat: „Es brennt lichterloh“
Bei der Diskussion um die Loipen in Bad Wiessee, für die die Landwirte diesen Winter keine Flächen zur Verfügung stellen wollen, ist das letzte Wort noch lange nicht …
Loipen-Diskussion entfacht im Wiesseer Gemeinderat: „Es brennt lichterloh“
Bürger sollen über Ortsmitte entscheiden
Die Planung für die Ortsmitte auf der Zielgeraden stoppen? Diesen Antrag lehnte der Gemeinderat ab. Aber es soll ein Ratsbegehren geben – und eine Abstimmung im Mai 2019.
Bürger sollen über Ortsmitte entscheiden
Tag fünf im Sparkassen-Prozess: Bromme war nach Abgang als Berater tätig - nur für was?
Tag fünf im Prozess um die Miesbacher Sponsoring-Affäre um Jakob Kreidl und Georg Bromme. Es geht immer noch um Brommes Beratervertrag. Am Nachmittag wird es spannender.
Tag fünf im Sparkassen-Prozess: Bromme war nach Abgang als Berater tätig - nur für was?
Neu am Tegernsee: WG mit Intensivpflege
Eine Wohngemeinschaft für Patienten, die Intensivpflege brauchen: Die Münchnerin Elke Dodenhoff füllt mit ihrem Unternehmen akb-Pflegedienst diese Lücke.
Neu am Tegernsee: WG mit Intensivpflege

Kommentare

Der Pastor
(2)(0)

Sehr gut Herr Bürgermeister! Es wird allerhöchste Zeit, dass den Großkopferten, die meinen für Geld könne man alles kaufen
gehörig vor`s Knie getreten wird. Ebenso wird es höchste Zeit, dass dem Bauwahn im Tegernseer Tal Einhalt geboten wird.
Es ist ein Jammer wie dieses Tal innerhalb der letzten 60 Jahre verschandelt wurde. Und jetzt komme bitte keiner mit " es herrsche Mangel an Wohnraum" - es wird dort mitnichten für die gebaut, die wirklich dringend eine Wohnung benötigen - die die dort bauen mangelt es weder an Wohnraum noch an sonst irgendwas. Und ganz ehrlich, genau die haben im Grunde dort nichts verloren.