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Den Bungalow mit riesigem Garten hat die Gemeinde Rottach-Egern geerbt. Das Anwesen wird jetzt verkauft.  

Geld fließt in den Wohnungsbau

Gemeinde Rottach-Egern erbt Haus und Grundstück: Verkauf startet bei 1,5 Millionen

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Ein Traum: Die Gemeinde Rottach-Egern hat ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück geerbt. Doch statt Bauland für Einheimische zu schaffen, verkauft sie meistbietend. Warum nur?

Rottach-Egern – Der kleine Bungalow mit großem Garten war lange das Zuhause einer älteren Dame. Vererbt hat sie es der Gemeinde Rottach-Egern. Ihr Wunsch: Es soll Wohnraum für Menschen mit schmalem Budget entstehen. Jetzt steht das Anwesen zum Verkauf – im Bieterverfahren. Mindestens 1,5 Millionen Euro will die Gemeinde für das 2000 Quadratmeter große Grundstück mit Altbau und Pool haben. Im Ort rumort es: Warum wird die Fläche nicht an junge Einheimische vergeben?

„Ein Einheimischenprogramm ist da nicht möglich“, erklärt Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU). Der allergrößte Teil der ererbten Fläche liege im Außenbereich. Damit entbehrten all die Spekulationen, die derzeit durch Rottach geisterten, der Grundlage. Der Vorwurf: Die Gemeinde versäume die Chance, das Grundstück zum Beispiel im Erbbaurecht an junge Familien zu vergeben, um ihnen den Hausbau zu ermöglichen. Manche Vorstellungen sind ziemlich konkret. Es könnten dort Reihenhäuser entstehen, zwei Dreispänner, also sechs Wohneinheiten für Familien, meint ein Kritiker, der nicht genannt werden will: „Rottach-Egern bräuchte dringend erschwinglichen Wohnraum.“

Vorhaltungen, die Lang vertraut sind: „Ich bin schon häufiger auf das Thema angesprochen worden.“ Die Gemeinde werde das Erbe auch für die Schaffung von Wohnraum verwenden. Sie baue ein neues Mehrfamilienhaus in Ellmösl und saniere dort auch ein bereits bestehendes Gemeindehaus. „Die Planungen sind schon im Gange“, berichtet Lang. Mit dem Start der Bauarbeiten sei spätestens im nächsten Jahr zu rechnen. Rund sechs bis acht Millionen Euro dürfte der Wohnungsbau in Ellmösl kosten. Dafür gebe es auch staatliche Zuschüsse. „Dank der Zuschüsse und des Erbes kann sich die Gemeinde das auch leisten“, meint Lang.

Was mit dem 1964 errichteten Haus am Ruepp-Anger geschehen soll, war Thema im Gemeinderat. Die Wohnfläche beträgt 105 Quadratmeter, der Zustand ist renovierungsbedürftig. Ein Abriss wäre denkbar, aber mehr als ein Einfamilienhaus ist an dieser Stelle nicht zulässig. „Das Baufenster ist sehr klein“, erklärt Lang. Die Gemeinde könnte mit der Vergabe an Einheimische also nur einer einzigen Familie Wohnraum verschaffen. Das sei nicht sinnvoll: „Wir wollen möglichst vielen helfen.“

Darum habe der Gemeinderat beschlossen, die Immobilie zu verkaufen und den Erlös ins Bauprojekt Ellmösl zu stecken. Hier sollen sechs bis acht Wohnungen neu entstehen. Vergeben wird sie die Gemeinde in eigener Regie.

Das Baurecht am Ruepp-Anger für ein Einheimischenprogramm zu lockern, war für den Gemeinderat keine Option. „Das würde eine Spekulationsblase in Gang setzen“, ist Lang überzeugt. Aktuell ist an der ruhigen Straße noch alles so, wie es sich die Gemeinde wünscht: kleine Anwesen, viel Grün. „Das sind vielleicht zehn Einfamilienhäuser“, berichtet Lang. Dieses Gebiet durch eine dichtere Bebauung aufzubrechen, wäre das Gegenteil dessen, was die Gemeinde wolle: „Da wittern Bauträger ihre Chance und meinen, sie können Häuser mit Eigentumswohnungen reinsetzen.“

Der ausgerufene Preis von 1,5 Millionen Euro für das Grundstück am Ruepp-Anger sei Ergebnis eines Gutachtens, erklärt Lang. Darum habe man damit das Bieterverfahren eröffnet. Das Interesse scheint groß.

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