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Die E-Ladesäule am Rottacher Wandinger Parkplatz wird fleißig genutzt. Stromzapfen ist dort kostenlos. Aber nicht mehr lange. Die Gemeinde lässt das alte Modell durch ein neues ersetzen, bei dem auch kassiert wird .

Umstrittene Entscheidung im Gemeinderat

Rottach-Egern finanziert neue E-Tankstellen

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Um der E-Mobilität Schub zu verleihen, finanziert Rottach-Egern zwei neue Ladesäulen. Im Gemeinderat war die Entscheidung umstritten. Denn warum, so die Gegner, sollen Kommunen Tankstellen bauen?

Rottach-Egern – Eine E-Ladesäule hat Rottach-Egern bereits. Sie steht am Wandinger-Parkplatz, jeder kann dort kostenlos Strom zapfen. Ein Modell, das sich überholt hat, wie Florian Appel vom E-Werk Tegernsee im Rottacher Gemeinderat klar machte. Zum einen ist die Nachfrage so gestiegen, dass der Stromversorger die Energie nicht weiter verschenken will. Zum anderen lässt mancher sein Auto an der Ladesäule einfach stehen und freut sich über einen kostenlosen Parkplatz. Obendrein eignet sich der Stecker auch für Wohnmobile, was zum Missbrauch einlädt. Wie berichtet, setzt das E-Werk für die Zukunft auf moderne Ladesäulen mit Zähler, bei denen auch abkassiert wird. Eine solche Säule hat das Unternehmen schon an seinem Sitz in Tegernsee aufstellen lassen. In Betrieb ist sie noch nicht. Auch ein BMWi steht bereit. Angedacht ist die Entwicklung eines Car-Sharing-Modells.

Die alte E-Tankstelle am Rottacher Wandinger-Parkplatz will das E-Werk gegen das neue Modell austauschen. Und nicht nur das: Auch der Zentralparkplatz soll eine E-Ladesäule bekommen. Dies ist Teil eines mit den Rathaus-Chefs im Tal abgestimmten Gesamtkonzepts. „Wir Bürgermeister sind uns einig, dass wir so ein Projekt aufgleisen wollen“, erklärte Christian Köck (CSU). Und auch dies als Teil einer Kooperation, nämlich als Partner der Mobilen Region Oberland (MORE). Anfang 2018 soll sich eine Gesellschaft gründen. Ziel ist es, in der ganzen Region E-Tankstellen zu schaffen.

Allein die Säulen kosten 7500 Euro, hinzu kommt der Netzanschluss. Am Wandinger Parkplatz ist Letzterer nicht mehr nötig, am Zentralparkplatz schon. Das schraubt den Investitionsbedarf dort auf 11 500 Euro. 40 Prozent der Kosten werden vom Staat bezuschusst. Am Zentralparkplatz will Köck auch gleich noch die Beleuchtung verbessern. Dort sei es zu dunkel. „Das ist auch ein Sicherheitsproblem.“

Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) hingegen sah keinen Grund für ein finanzielles Engagement der Gemeinden. „Die Infrastruktur für die E-Mobilität sollen die Gemeinden schaffen, also die öffentliche Hand. Und der Stromversorger macht das Geschäft“, erklärte er. Es müsse doch genügen, wenn die Gemeinde das Grundstück für die E-Tankstelle zur Verfügung stelle.

Appel widersprach. Im Moment und wahrscheinlich auch in ein paar Jahren sei der Betrieb der Ladesäulen nicht rentabel. „Es bleibt bei Weitem nicht so viel bei uns hängen wie man meint“, versicherte er. Im öffentlichen Raum würden die Ladesäulen aufgestellt, um die E-Mobilität anzuschieben. Die Zukunft sei dies nicht. „Das Tanken wird zuhause passieren“, meinte Appel. Dort werde der Strom dann auch erzeugt. Für den Netzausbau zahle der Nutzer selbst.

Für Andreas Erlacher (FWG) stellte sich die Frage, warum die Gemeinde dann jetzt noch Geld in öffentliche Ladesäulen stecken solle. „Das ist doch eigentlich eher eine privatwirtschaftliche Sache“, meinte er. Es gehe allein um die Symbolik.

„Ich sehe das schon als unseren praktischen Beitrag zur Energiewende“, erwiderte Bürgermeister Köck. Die Gemeinde tue gut daran, das Thema voranzutreiben, zumal der Verkehrslärm Rottach-Egern belaste. Die von der Gemeinde aufzubringende Summe sei zudem überschaubar: „Es ist halt nicht so, dass man alles hingestellt bekommt.“ Letztlich hatte er die Mehrheit auf seiner Seite: Mit 9:5 Stimmen votierte der Gemeinderat für die Installation der beiden neuen E-Ladestationen.

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