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Die Erdnägel für die Traglufthalle an der Sportanlage Birklenmoos werden trotz des Schnees gesetzt. Ein Kompressor treibt sie in den Boden.

"Müssen gewisses Maß an Schneid aufbringen"

Gemeinderat diskutiert Aktion gegen Asyl-Traglufthalle

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Rottach-Egern - Die Erdnägel für die Rottacher Traglufthalle werden gerade gesetzt, voraussichtlich Mitte Februar ziehen dort bis zu 120 Asylbewerber ein. Der Protest dagegen war jetzt Thema im Gemeinderat.

Mehr als 130 Unterschriften hat Landwirt Stefan Berghammer (41) gegen die Flüchtlingsunterkunft an der Sportanlage Birkenmoos gesammelt. Er saß im Zuhörerraum, als es jetzt im Gemeinderat noch einmal um die Halle ging. Zu beschließen gab es nichts. Das ist längst passiert, die vom Landratsamt beauftragte Firma Paranet treibt gerade mit dem Kompressor 1,20 Meter lange Erdnägel in den gefrorenen Boden, um die Halle aufstellen zu können. Es ist die Angst, die Berghammer antreibt, die Sorge um seine Töchter. Und er ist nicht allein. „Aber wir müssen jetzt ein gewisses Maß an Schneid aufbringen“, meinte Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU), der den urlaubenden Rathauschef Christian Köck (CSU) vertritt. 

Niemand habe sich diese Situation gewünscht, merkte er an. Doch nun müsse man damit fertig werden. Dass Berghammers Protest spät kommt, tut wohl nichts zur Sache. „Wenn das zwei Monate früher gekommen wäre, hätte es unsere Entscheidung wohl nicht wesentlich beeinflusst“, meinte Lang. Schließlich gab es eigentlich keine Wahl. Um die Schaffung einer Flüchtlingsunterkunft kam die Gemeinde nicht herum: „Wir waren im Landkreis die einzige Gemeinde, die noch keine Asylbewerber aufgenommen hatte“, erklärte Lang. Und das Landratsamt habe zwei private Grundstücke im Gemeindegebiet an der Hand gehabt. „Die waren wesentlich ungeeigneter als die Fläche am Sportplatz“, machte Lang klar. Die jetzige Lösung sei noch die beste. Ein Sicherheitsdienst überwache das Geschehen in der Halle rund um die Uhr. Vor allem aber gebe es einen „geradezu generalstabsmäßig organisierten“ Helferkreis, der sich um die Menschen kümmere. Damit sollten Bürger und Gäste kaum Auswirkungen der Notsituation zu spüren bekommen. 

Er wolle aber niemanden in die rechte Ecke stellen, der über seine Angst spreche, betonte Lang. Die Geschehnisse in Köln und Hamburg, wo Frauen von einem Sex-Mob gejagt wurden, mache auch Angst. „Aber in Köln hat die Polizeiführung versagt“, erklärte Lang, früherer Chef der Polizeiinspektion Holzkirchen. In Bayern sei die Polizei besser aufgestellt. Thomas Tomaschek(Grüne) hatte eine klare Empfehlung an alle, die sich wegen der Flüchtlinge um das Leben im Ort sorgen: Sie mögen sich doch dem Helferkreis anschließend und das Ihrige dazu tun, um die Situation zu entspannen. Die Sorgen verstehe er durchaus, versicherte er: „Da werden tolle Leute kommen und auch Vollidioten.“ Auch ihm bereite die Situation Bauchschmerzen, gestand Tomaschek. Es gelte, etwas gegen die quälende Langeweile der Menschen in der Halle zu tun.

Anton Maier (CSU), Vater von vier Töchtern, hatte gegen die Halle gestimmt und aus seinen Bedenken nie einen Hehl gemacht. Durch die Kölner Übergriffe sieht er seine Befürchtungen bestätigt. Es sei nur zu hoffen, dass die Geschehnisse sich auf die Stadt beschränken und nicht aufs Land übergreifen: „Unsere Mädchen und Frauen sollen sich weiter frei bewegen können.“ Die Gemeinde müsse die Sorgen der Bürger ernst nehmen, warnte Maier. „Wir müssen schauen, dass die Dinge nicht eskalieren“, erklärte Georg Höß (FWG). Auf keinen Fall dürfe sich der Ort in Befürworter und Gegner der Halle spalten. Er denke da an Dinge, die auf Berghammers Facebook-Seite zu lesen seien. „Das geht in eine Dimension, die der Stefan selbst nicht will.“ Es sei wichtig, sich jetzt zu organisieren und zusammenzusetzen. 

Und nichts unter den Teppich zu kehren, wie Klaus Fresenius (FWG) forderte. Oft höre man Gerüchte, dass Vergehen von Asylbewerbern nicht veröffentlicht werden. Dem sei aber nicht so, hielt Lang entgegen. Der Bürger sehe halt oft Polizeiautos vor der Tegernseer Flüchtlingsunterkunft stehen und denke, es gebe ständig Einsätze. Aber meinst handle es sich um Kontrollen oder kleine Streitereien. „Im Moment sind 200 Leute in der Halle. Dafür ist es relativ ruhig.“

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