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Täglich rollt eine gewaltige Verkehrslawine durch den Ort.

Bauamt prüft Möglichkeit

Hilft die "grüne Welle" gegen das Verkehrschaos?

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Rottach-Egern - Rottach-Egern ächzt unter der Verkehrslawine, die sich täglich durch den Ort wälzt. Könnte eine „grüne Welle“ die Situation erträglicher machen?

Der Verkehr macht der Bevölkerung in Rottach-Egern zu schaffen. Immer wieder kommen Bürger mit der Frage ins Rathaus: Warum gibt es keine „grüne Welle“, um die Autos möglichst zügig durchzuschleusen? Das Verkehrsreferat der Gemeinde wurde nun aktiv und holte beim Staatlichen Bauamt Rosenheim, der zuständigen Behörde für den Verkehr auf der B 307 durch den Ort, eine Stellungnahme ein. 

In seiner ausführlichen Antwort, die dem Rottacher Gemeinderat jetzt vorgelegt wurde, machte Stefan Hoppe vom Staatlichen Bauamt zunächst deutlich, dass der Verkehrsfluss zwischen der Ampel an der Riedersteinstraße auf Tegernseer Stadtgebiet, den drei Rottacher Ampeln an der Seestraße, der Leo-Slezak-Straße und der Karl-Theodor-/Kißlingerstraße sowie im weiteren Verlauf an der Kreuzung von B 307 und B 318 in Weißach sehr unterschiedlich sei, insbesondere zu Ferien- und Urlaubszeiten.

Was die Rottacher längst ahnen, bestätigt die Straßenbaubehörde schwarz auf weiß: Der Verkehr im Ort ist „überdurchschnittlich hoch“: 14.435 Fahrzeuge wurden hier zuletzt in 24 Stunden gezählt. Ein wesentlicher Teil dabei sei Ziel- und Quellverkehr, so Hoppe. 

Überlegungen für eine gezielte Steuerung der Signalanlagen sind nicht neu. Schon 2012 fragte das Staatliche Bauamt beim Hersteller der Ampeln nach, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Welleschaltung möglich sei, und ob diese zu einer Verbesserung des Verkehrsablaufs führen könnte. „Die Signalbaufirma riet damals klar ab“, zitierte Bürgermeister Christian Köck (CSU) aus der Stellungnahme und blieb auch die in dem Brief genannte Begründung nicht schuldig: Zum einen würden die vielen Zufahrten und Einmündungen sowie die vielen Schräg- und Längsparkplätze den Verkehrsfluss stören und zu Staus führen. Hinzu komme Lieferverkehr, der oft auf der Fahrbahn stehe. Alles in allem komme kein gleichmäßiger Verkehrsfluss in Rottach-Egern zustande, der Voraussetzung für eine Welleschaltung ist. 

Auch baulich sei die Schaltung nach Ansicht der Straßenbaubehörde nur schwer zu verwirklichen. Durch die komplette Ortsdurchfahrt müssten Rohre und Kabel verlegt, Kameras und viel Technik zur Verkehrserfassung installiert werden. „Erhebliche Kosten“, so der Fachmann in seiner Stellungnahme, die zum Teil auf die Gemeinde abgewälzt werden müssten. Damit nicht genug: Eine Welleschaltung nur durch Rottach-Egern würde den Verkehr in Tegernsee an der ersten unkoordinierten Ampel zum Erliegen bringen. Fußgänger hätten es zudem schwerer, die Straße zu überqueren, Autos, die von Nebenstraßen auf die B 307 einbiegen, müssten mit längeren Wartezeiten rechnen. „Wir würden von einer Welleschaltung abraten“, lautet das Fazit der Baubehörde.

Sie empfiehlt vielmehr, die Ampeln selbst zu überprüfen und zu optimieren. Für Rathauschef Köck war damit alles gesagt, er sah das Thema für „erledigt“ an: „Die Antwort des Staatlichen Bauamts ist eindeutig“, fand Köck. Der hohe technische und finanzielle Aufwand sei für ihn ausschlaggebend, eine „grüne Welle“ für Rottach-Egern nicht weiter zu verfolgen. „Sie wurde oft vorgeschlagen“, meinte Köck, „aber sie ist halt kein Allheilmittel.“

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