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Nicht länger unter der Führung von Julian Siebach: das Café Sissi in Rottach-Egern.

Gemeinde löst Vertrag vorzeitig

Julian Siebach muss Café Sissi aufgeben 

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Rottach-Egern - Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) hat einen Schlussstrich gezogen: Julian Siebach ist raus aus dem Café Sissi am Seeforum. Er verabschiedet sich mit bösen Worten für den Bürgermeister.

„Ich war zum Handeln gezwungen“, sagt Bürgermeister Christian Köck. Mit einem Mandat des Gemeinderats im Rücken hat Köck den Pachtvertrag mit Siebachs Firma Edelblau für das Café Sissi am Seeforum gelöst. Seit Anfang dieser Woche sei das Café wieder in der Hand der Gemeinde, berichtet Köck. Führen wird es künftig Unternehmer Peter Blümer. Bereits am Ersten Weihnachtsfeiertag will Blümer das Cafe wieder öffnen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Blümer in die Bresche springt. Wie berichtet, hatte Siebach bis Ende April im Auftrag der Gemeinde das Seeforum vermarktet und dort auch für die Gastronomie gesorgt. Der Vertrag, eigentlich bis Ende Oktober 2017 gültig, wurde vorzeitig gelöst. Seitdem kümmert sich Blümer um die Bewirtung im Seeforum und das Warmbad-Kiosk. Dessen Unternehmen betreibt auch die Schiffsgastronomie am Tegernsee, das kleine Seehaus in Bad Wiessee, das Prinzenruhstüberl und einen Cateringservice. 

Der Pachtvertrag fürs Sissi lief nach Siebachs Abschied vom Seeforum weiter und sollte erst im Herbst 2017 enden. Aber offensichtlich hat Siebach die Pacht nicht oder zumindest nicht pünktlich bezahlt. Bürgermeister Köck spricht von „Unregelmäßigkeiten“ bei der Erfüllung des Pachtvertrags. Die Gemeinde habe immer wieder mahnen müssen. Es sei Zeit geworden, die Hängepartie zu beenden, macht Köck klar: „Wir arbeiten mit Geld der öffentlichen Hand.“ Siebach selbst sei ja sehr von sich selbst überzeugt und habe seine eigene Sicht der Dinge, merkt Köck an. „Aber ich bin überzeugt, dass das Café auch unter unserer Führung gut läuft.“ 

Ein Märchen vom "schwarzen König" erzählt Julian Siebach zum Abschied auf der Homepage des Café Sissi.

Welche Sicht der Dinge Siebach hat, lässt der Text auf seiner Sissi-Homepage erahnen. Unter der Überschrift „Ein Märchen“ ist dort von der Kaiserin Sissi zu lesen, die „im ganzen Land für ihren guten Geschmack, ihre frischen Gerichte und ihre herzliche Gastfreundschaft“ bekannt gewesen sei. Leider habe ein schwarzer König die liebe Sissi vertrieben: „Er ließ nichts unversucht, das tägliche Bestreben der Hüterin des wahren Genusses zu vereiteln.“ So habe die Kaiserin ihre sieben Sachen gepackt und sei leise und still verschwunden. 

„Dreist und unverschämt“ findet Blümer Siebachs Abschiedsworte. Zugriff auf die Homepage hat er nicht: „Die gehört Siebach.“ Einiges von den „sieben Sachen“ ist übrigens noch da. Das Inventar hat Siebach seinem Nachfolger überlassen. „Dank besonderer Umstände“, wie Blümer sagt. Siebach selbst äußert sich nicht. „Kein Kommentar“, lässt er telefonisch wissen. Auch nicht zur Zukunft seines Cafés Franzl an der Rottacher Seestraße.

Siebachs Liste gescheiterter Projekte im Tegernseer Tal ist inzwischen ziemlich lang. Es begann mit der Wiesseer Wandelhalle, deren Vermarktung der Eventmanager 2010 übernahm. Vollmundig kündigte er an, die Halle zur attraktivsten Location der ganzen Region zu machen. Das geschah nicht, vielmehr kam es schnell zum Zerwürfnis mit der Gemeinde Bad Wiessee. 2013 verließ Siebach das Westufer. Dort hatte er es 2011 auch mit einem Beach Club auf dem Spielbank-Grundstück versucht. Siebachs Angebot, als Marktstratege für Bad Wiessee zu arbeiten, lehnte der Gemeinderat ab. Die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) vertraute Siebach von 2011 bis 2013 die Organisation der Montgolfiade an. Auch hier kam das Vertragsende sehr abrupt. Ums Rottacher Seeforum kümmerte sich Siebach seit 2012.

Das Sissi war eigentlich ein Erfolg. „Das wird gut angenommen“, meint Köck. Unternehmer Blümer will dem Café ab Ende Januar eine umfassende Schönheitskur gönnen. Es soll auch einen neuen Namen bekommen, kündigt Blümer an: „Der Name Sissi ist zu sehr mit Siebach verbunden.“

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