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Mit witzige, turbulenten Szenen unterhält das Stück „S’narrische Alter“ die Zuschauer.

Gelungene Premiere

Thoma-Bühne zeigt "S'narrische Alter"

Rottach-Egern - Mit der heiteren Komödie „S’narrische Alter“ von Emil Stürmer präsentierte die Ludwig-Thoma-Bühne Rottach-Egern leicht verdauliches Sommertheater im Rottacher Seeforum.

Emil Stürmer ist mit dem bäuerlichen Lustspiel in drei Akten ein gefälliges Stück gelungen, das den Zuschauer nicht überfordert und zum Lachen bringt. Die Handlung ist schnell erzählt: Der verwitwete Bauer Tobias Schlammerl (Hanno Sollacher) möchte seinen lebenslustigen Sohn Martin (Patrick Schosser) unter die Haube bringen und holt deshalb die junge, hübsche Steffi Hinterleitner (Claudia Mabell) als Aushilfe auf den Hof, um ein bisschen nachzuhelfen. Doch da hat Haushälterin Mali (Christa Hofstetter) auch noch ein Wörtchen mitzureden und spinnt eine Intrige nach der anderen. Tobias wirft ebenfalls seinen Hut bezüglich Steffi in den Ring, benimmt sich so, wie sich eben Männer in diesem „narrischen Alter“ benehmen...

Am Ende kommt dann doch alles so, wie es kommen muss. Dabei ist das Ganze natürlich nicht ganz so einfach, dafür sorgt alleine schon die Haushälterin, die personifizierte „Beißzange“ Mali. Sie ist die (un)heimliche Chefin auf dem Ochsenhof und spielt mit den drei anderen ihr perfides Spiel mit weiblicher List. Christa Hofstetter füllt diese Rolle als „Fegefeuer“ oder „oide Kropfdaubn“ – um nur die harmlosesten Namen zu nennen, die der Bauer für Mali parat hält – überzeugend aus und holt alles aus ihr heraus. Ihr Leitsatz „Des is mei guad’s Recht und des lass’ i ma von nieeemand nehma“ zieht sich – immer wieder geschickt eingebaut – wie ein roter Faden durch das Stück.

Hanno Sollacher gibt den Bauern, von Mali liebevoll als „Grantler“, „Jammergestell“, „Rindviech“, „oida Depp“ tituliert, vielschichtig und facettenreich, ist mal laut polternd – „Irgendwann drah i s' durchn Fleischwolf, des Mistviech!“ – , mal nachdenklich leise. Sogar zärtlich und romantisch kann er sein, der „oide Brummbär“, besonders dann, wenn er balzend alles in die Waagschale wirft, um Steffi zu gewinnen, wenn er um sie „rumschleicht wie ein Hund um einen Metzgerladen“ (Mali).

Das natürliche und liebenswerte Wesen Steffi wird überzeugend verkörpert von Claudia Mabell. Sie bringt jugendliche Naivität und Ahnungslosigkeit ebenso glaubwürdig zum Ausdruck wie Anmut, Bodenständigkeit, Verliebtheit, aber auch weibliche Raffinesse und deckt so ein breites Spektrum von Charaktereigenschaften und Emotionen ab. Patrick Schosser nimmt man die Rolle als leichtlebiger Land-Gigolo, der es in puncto Frauen und Fensterln faustdick hinter den Ohren hat, als „kittelnarrischer Deifi“ (so sein Vater), problemlos ab. Die Wandlung zum liebenden Gereiften und Geläuterten mit Tiefgang gelingt ihm perfekt.

„Witzig, spritzig, kurzweilig“, befand nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus eine Besucherin. Man könnte noch ergänzen: „lehrreich“ – wegen des kostenlosen bayerischen Sprachkurses deftiger Kraftausdrücke, den die zahlreichen Urlaubsgäste im Publikum sehr genossen. Theaterleiter Michael Janiczek zeigte sich ebenfalls rundum zufrieden, auch wegen des guten Besuchs, und stellte grundsätzlich fest: „Im Moment läuft’s gut“.

Von Reinhold Schmid 

Weitere Termine

Freitag, 11. September, Hotel zur Post, Bad Wiessee (Bewirtung ab 18.45 Uhr); Dienstag, 6. Oktober, Seeforum, Rottach-Egern (Bewirtung ab 19 Uhr); Mittwoch, 21. Oktober, Hotel zur Post, Bad Wiessee (Bewirtung und musikalische Umrahmung ab 19 Uhr). Karten bei allen Tourist-Infos am Tegernsee oder bei muenchenticket.de.

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