KInder campieren auf der Straße auf der Insel Lesbos. In Rottach-Egern lösten diese Bilder und wie man darauf reagieren sollte eine hitzige Debatte aus.
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KInder campieren auf der Straße auf der Insel Lesbos. In Rottach-Egern lösten diese Bilder und wie man darauf reagieren sollte eine hitzige Debatte aus.

Hitzige Diskussion

Moria-Flüchtlinge an den Tegernsee? Gremium schmettert Grünen-Antrag ab - Bürgermeister sauer

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Grünen-Gemeinderat Thomas Thomaschek hielt ein flammendes Plädoyer für die Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie in Rottach-Egern - und stieß auf Ablehnung.

Rottach-Egern – Mit dem Antrag, dass sich Rottach-Egern solidarisch zeigen und eine Familie aus dem abgebrannten griechischen Flüchtlingslager Moria aufnehmen soll, überraschte Grünen-Gemeinderat Thomas Tomaschek in der Sitzung am Mittwochabend (16. September) seine Kollegen. Sie lehnten nach emotionaler Diskussion mehrheitlich ab.

Rottach-Egern soll sich solidarisch zeigen!

Grünen-Gemeinderat Thomas Thomaschek.

Moria-Flüchtlinge nach Rottach-Egern? Grünen-Forderung abgeschmettert

„Rottach-Egern soll sich solidarisch zeigen!“ Mit dieser Forderung hob Tomaschek am Ende des öffentlichen Teils aus „aktuellem, traurigem Anlass“ zu einem flammenden Plädoyer für eine schnelle Rettung wenigstens einer Flüchtlingsfamilie an. 13.000 Menschen, zumeist mit bewilligtem Asylantrag, seien durch den Brand in dem griechischen Camp Moria obdachlos. „Die Leute brauchen jetzt Hilfe, und es müsste doch zu schaffen sein, vier oder fünf von ihnen zu uns zu holen und hier unterzubringen. Wir haben Erfahrung, und es ist eine einmalige Notsituation“, sagte Tomaschek mit Blick auf die Versorgung von rund 100 Flüchtlingen in der Traglufthalle vor vier Jahren, die vorhandenen finanziellen Mittel und die insgesamt 137 Gemeindewohnungen.

Moria-Flüchtlinge an den Tegernsee? Grünen-Gemeinderat mit flammenden Plädoyer

170 Kommunen deutschlandweit hätten sich bereits bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. „Rottach-Egern sollte sich ihnen anschließen und der Bundesregierung das Angebot machen. Es wäre ein starkes Signal, um Menschlichkeit und christliche Werte unter Beweis zu stellen“, fand Tomaschek. Auch Monsignore Walter Waldschütz habe sich dafür offen gezeigt. Die katholische Kirche habe auch Wohnungen, in denen man eine solche Familie eventuell unterbringen könnte. Die evangelische Kirche könnte mit der Infrastruktur unterstützen und der Helferkreis von damals sicherlich aktiviert werden.

Moria-Flüchtlinge nach Rottach-Egern? Bürgermeister Köck reagiert ablehnend

Bürgermeister Christian Köck (CSU) reagierte unmittelbar ablehnend: „Bei allem Respekt: „Wir sind ein kommunales Gremium, wir haben uns mit kommunalen Angelegenheiten zu befassen. Alles, was darüber hinausgeht, entscheiden die übergeordneten Behörden.“ Die Gemeinde Rottach-Egern habe seinerzeit ihren Beitrag geleistet. Und überdies herrsche eher eine Wohnungsnot als Leerstand. „Wir haben lange Wartelisten für unsere Wohnungen.“

Köck ging es um die Signalwirkung. „Ich verstehe die Argumentation mit der Menschlichkeit“, sagte er. „Aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Die Gemeinde hat auf gewisse Entscheidungen nur bedingt Einfluss. Dessen sollte man sich bewusst sein.“

Gabriele Schultes Jaskolla (FWG) reagierte betroffen: „Ich habe kein Problem, eine Familie zu holen, aber es wäre ein Fehler, wenn wir nicht wissen, wo sie konkret wohnen soll.“ Die Dritte Bürgermeisterin, die sich 2016 bei der Betreuung der Flüchtlinge in der Traglufthalle stark engagiert hatte, war den Tränen nahe: „Das war damals nicht lustig für niemanden. Deshalb bin ich jetzt gegen Flüchtlinge aus Moria.“

Tomaschek wollte erneut einhaken, doch Vizebürgermeister Josef Lang (CSU) unterband den Versuch und beantragte die Abstimmung. Als sich insgesamt nur vier Gemeinderäte – neben dem Antragsteller auch Alexander von Schoeler (Grüne), Alexandra Kolmansberger-Walleitner (Blitz) und Andreas Erlacher (FWG) – dafür aussprachen, schüttelte Tomaschek nur den Kopf: „Das ist sehr traurig, und ich schäme mich für diese Entscheidung.“ Köck hatte das letzte Wort. „Dann musst Du Dir halt künftig überlegen, was für Anträge Du einbringst“, sagte er verärgert.  ak

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