Er leugnete die Tat bis zum Schluss

Parfüm-Dieb schlägt in Rottach zu - verurteilt

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Rottach-Egern - Er saß bereits in Österreich wegen Diebstahls hinter Gittern, nun wurde er wieder verurteilt: Parfüm im Gesamtwert von über 3000 Euro klaute ein 45-Jähriger mit einem Komplizen aus einer Rottacher Parfümerie.

Keine Überwachungskameras, keine Warensicherungsetiketten. Leichtes Spiel hatten zwei Männer, die am 29. Oktober 2015 15 exklusive Düfte im Gesamtwert von über 3000 Euro aus einer Parfümerie in Rottach-Egern mitgehen ließen. Einer der beiden, ein 45-jähriger Serbe, musste sich deshalb nun wegen gewerbsmäßigem Diebstahl vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten. 

Der Mann, der in München wohnt, ist kein unbeschriebenes Blatt. So wurde er bereits drei Mal wegen Diebstahls verurteilt. Zuletzt saß er wegen mehrerer Bandendiebstähle in Österreich 13 Monate hinter Gittern. Diese Fälle habe er auch freimütig eingeräumt, ließ er Richter Walter Leitner über seine Dolmetscherin ausrichten. Genauso ehrlich sage er diesmal, dass er nichts mit dem Diebstahl zu tun habe. Es sei zwar richtig, dass er und sein Freund an besagtem Tag einen Ausflug an den Tegernsee gemacht hätten und dabei auch durch die Parfümerie geschlendert seien. „Aber nur, um ein bisschen herumzuschauen“, beteuerte der 45-Jährige. Eventuell hätte sein Freund, der sich mittlerweile ins Ausland abgesetzt hat, auch ein Geschenk kaufen wollen. Jedenfalls hätten die beiden den Laden mit leeren Händen verlassen. 

Darauf hatte auch die 49-jährige Inhaberin der Parfümerie gehofft. In der Tat hätten die beiden Herren trotz zweimaliger Nachfrage eine Beratung abgelehnt und seien auch nicht an der Kasse aufgetaucht. Umso schwerer der Schock, als die Drogistin die Bestände in dem Regal, vor dem sich die Männer auffällig lange aufgehalten hatten, mit ihrem elektronischen Warenwirtschaftssystem verglich. 15 Flacons einer exklusiven Parfümmarke fehlten. 

„Wie oft kontrollieren Sie denn Ihre Bestände?“, wollte der Verteidiger des Serben, Rechtsanwalt Attila Graf von Stillfried, wissen. „Bei der Inventur im Februar“, antwortete die 49-Jährige. Ansonsten nur stichprobenartig. „Und wie wollen Sie dann wissen, ob die Parfüms nicht schon vorher gestohlen wurden?“, hakte der Anwalt nach. Das wäre ihr bei einer so großen Anzahl teurer Düfte aufgefallen, betonte die Geschäftsführerin. „Ich weiß, was in meinem Laden passiert.“ Und bei den beiden Männern habe sie von Anfang an ein mulmiges Gefühl gehabt. Weil ihr Laden um diese Zeit aber voll war und sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen im Kundengespräch waren, musste sie die Diebe aus den Augen lassen. Trotzdem fiel den Damen auf, dass der Angeklagte mit einem Wollmantel seinen schmächtigeren Freund geschickt verdeckte. Als die Inhaberin später auf die Straße lief, hatten sich die Männer bereits aus dem Staub gemacht. Ein benachbarter Juwelier hatte sich jedoch das Autokennzeichen gemerkt und die Polizeiinspektion Bad Wiessee so auf die Spur gebracht. 

Eine heiße Spur, wie sich später herausstellte. So hatte der 45-Jährige mit seinen Verwandten in den vergangenen Jahren Parfüms, Kleidung und Schmuck im Wert von etlichen tausend Euro gestohlen. Mit einem Störsender setzte die Bande die Diebstahlsicherungen außer Kraft. Die Beute fuhr sie dann nach Belgrad, wo sie ein unbekannter Mann abkaufte. 

Für die Staatsanwältin bestand kein Zweifel, dass der Serbe auch in der Rottacher Parfümerie zugeschlagen hat. Sie forderte eine sechsmonatige Freiheitsstrafe – ohne Bewährung. „Alles andere scheint Sie ja nicht von weiteren Straftaten abzuhalten“, sagte sie. Der Verteidiger des Serben plädierte dagegen auf Freispruch. „Im Zweifel für den Angeklagten“, sagte er. Richter Leitner teilte diese Einschätzung nicht. Er verurteilte den Münchner am Ende zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten. „Wenn es sich nur um zwei oder drei Parfüms gehandelt hätte, wäre ich bei Ihnen“, sagte er in Richtung des Rechtsanwalts. Da der Fall aber eine Dublette der Diebstähle in Österreich sei, habe er keinen Zweifel, dass der Serbe auch in Rottach-Egern zugeschlagen hat. „Sie sind ein Dieb“, sagte Leitner zum Angeklagten. „Und heute hat Sie Ihre Vorgeschichte eingeholt."

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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