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Ihre Pläne zum Stallbau dürfen Josef Stadler und sein Sohn Josef jetzt verwirklichen. 

Gemeinde bleibt bei Ablehnung, doch der Bau kann kommen

Stadler-Stall: Landratsamt spricht Machtwort

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Er war umstritten – und ist es immer noch. Dennoch darf Familie Stadler jetzt ihren geplanten Stall in Rottach-Egern bauen. Das Landratsamt wird die Ablehnung der Gemeinde durch ein Ja ersetzen.

Rottach-Egern – Er war umstritten – und ist es immer noch. Dennoch darf Familie Stadler jetzt ihren geplanten Stall in Rottach-Egern bauen. Das Landratsamt wird die Ablehnung der Gemeinde durch ein Ja ersetzen.

Vater und Sohn saßen im Sitzungssaal und verfolgten, was die Mitglieder des Ortsplanungsausschusses erneut zum geplanten Vorhaben sagen würden. Es geht um den Neubau eines Laufstalls für Milch- und Jungvieh mit Güllekeller, Heubergehalle sowie Schau- und Ausstellungsraum. Er soll auf der Wiese vor dem Hof stehen, also im Außenbereich. Die Maße des T-förmigen Baus mit einer Länge von 56 Metern Länge und 36 Metern an der breitesten Stelle sind stattlich.

Lesen Sie hier auch: Bei einer Ortsbesichtigung wurde das Vorhaben vorgestellt.

Über zwei Jahre lang wurde geplant, ehe sich Vater Josef (52) und Sohn Josef (23) auf den Entwurf des Peißenberger Stallbau-Architekten Klaus Hutter einigten. Es soll kein herkömmlicher, einer Industriehalle ähnelnder Stall werden, sondern ein Bau, der wie ein langer Einfirsthof wirkt. Der Tierbestand soll von derzeit 20 auf 27 Milchkühe und von 18 auf 20 Stück Jungvieh wachsen. Zum Vergleich: 2017 lag der Landkreisdurchschnitt bei 31,1 Kühnen, bayernweit bei 47,5.

„Wenn wir schon bauen, dann wollen wir auch die schärfsten Bio-Richtlinien erfüllen“, rechtfertigt Josef Stadler die Planung mit modernster Technik. Der Hof liefert an die Naturkäserei und unterliegt dadurch zudem besonderen Auflagen. Die Fläche über dem Technikbau soll für Besucher ausgebaut werden. Mit dem Sohn ist ein Nachfolger gefunden. Er wird den 1427 erstmals erwähnten Webermo-Hof in die Zukunft führen und muss die Investition verantworten – bei knapp 15 000 Euro liegen bei einem normalen Industriestall die Kosten pro Tier. Wegen der Gestaltung mit Holz-Fassade und Fenstern liegen die Kosten deutlich über dem Standard.

Landratsamt „ersetzt“ die Gemeinde

Es war klar, dass das Landratsamt den Stall aufgrund politischer Vorgaben genehmigen und damit die bisherige, mehrheitliche Ablehnung durch die Gemeinde ersetzen würde. Dem Bauvorhaben sei nichts entgegenzusetzen, es sei privilegiert, sinnvoll, zweckmäßig und habe Rechtsanspruch, heißt es in der Stellungnahme, die Bauamtsleiterin Christine Obermüller vorlas. Für Bürgermeister Christian Köck (CSU), der den Stall stets befürwortete, war eigentlich alles gesagt. Er hätte sich aber gewünscht, dass die Gemeinde den Weg mitgegangen wäre. „Am Ende werden wir es aber mit einem hochwertigen Bau zu tun haben, der alle Standards erfüllt und der sich einfügt“, warb Köck. 

Er sprach es nicht aus, aber es geht im Fall der Stadler auch um den Frieden im Ort und um eine anerkannte und fleißige Familie, deren Vorhaben von der Mehrheit nicht mitgetragen wird. Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) sagte erneut, warum: „Bei uns entwickelt sich die Landwirtschaft in die falsche Richtung.“ Privilegierung werde hier bis an die Grenzen strapaziert, „das will ich nicht.“ Er hoffe, dass dieser Fall keine Nachahmer finde. Josef Kaiser (CSU) blieb auch bei seinem Nein: „Der Baukörper ist zu groß, das Landratsamt entscheidet grundsätzlich falsch.“

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Sie werde zwar nun zustimmen, gestand Johanna Ecker-Schotte (FWG), doch sie sei nach wie vor der Meinung, dass es sich um ein „Riesenobjekt“ handle. „Und da frage ich mich, ob das im Außenbereich sein muss.“ Sie hätte sich Alternativen gewünscht, so Ecker-Schotte. 

Mit 6:4 Stimmen blieb die Mehrheit bei ihrem Nein, gebaut werden darf der Stall trotzdem.

gr

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