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Als Führungs-Trio waren (v.l.) Daniel Merone, Thomas Doreth und Rupert Gleißl 2017 in die neue Amtsperiode gestartet. Jetzt ist die Mannschaft auseinander gebrochen.

Unter der Woche „knapp aufgestellt“

Ansturm als Naherholungsgebiet Münchens gewaltig: Bergwacht-Chef am Tegernsee gibt auf

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Mit großem Enthusiasmus hatte Thomas Doreth im Februar 2017 seinen Dienst als Chef der Rottacher Bergwacht angetreten. Jetzt, knapp zwei Jahre später, gibt der 55-Jährige das Amt resigniert auf. 

Rottach-Egern – „Ich bin ein Mensch, der viel aushält“, meint Thomas Doreth. Deshalb hat er sich die Entscheidung auch nicht leicht gemacht. Doch letztlich musste der Kreuther einsehen: Das aufwendige Ehrenamt als Leiter der Bergwacht-Bereitschaft Tegernseer Tal lässt sich mit seinem Beruf nicht vereinbaren. „Das ist mehr oder weniger ein Vollzeitjob“, sagt Doreth über die Führungsaufgabe bei den Bergrettern. Um seiner eigentlichen Anstellung beim Tierheim in Rottach-Egern gerecht zu werden, zog der 55-Jährige deshalb die Reißleine: Er erklärte seinen Rücktritt. Mitte Dezember müssen seine Bergwacht-Kameraden außertourlich einen neuen Bereitschaftsleiter wählen. Und noch eine Führungskraft ist innerhalb der vierjährigen Amtsperiode weggebrochen: Daniel Merone, einer von zwei stellvertretenden Bereitschaftsleitern, hat seinen Job aus persönlichen Gründen bereits zum Ende Oktober an den Nagel gehängt.

Bergwacht am Tegernsee: Chef sagt, „ich bin nicht ganz weg“

Hier finden Sie den Artikel zum Amtsantritt Doreths im Frühjahr 2017

Gerät die Rottacher Bergwacht mit ihren rund 60 Aktiven damit ins Schlingern? Wohl nicht. Dem Vernehmen nach gibt es bereits ein Mitglied, das bereit wäre, die Nachfolge Doreths anzutreten. Und auch der scheidende Bereitschaftsleiter sagt: „Es sind welche da, die in Frage kommen.“

Benannt und gewählt wird der Kandidat letztlich von der aktiven Mannschaft. Ihr obliegt auch die Entscheidung, ob sie wieder ein dreiköpfiges Führungsteam haben möchte. Mit Rupert Gleißl wäre in jedem Fall noch ein stellvertretender Bereitschaftsleiter an Bord. Und auch Doreth möchte seinem Nachfolger in der ersten Zeit noch zur Seite stehen und bereits begonnene Projekte zu Ende führen: „Ich bin nicht ganz weg. Dafür bin ich der Bergwacht viel zu sehr verbunden“, sagt er.

Auch interessant: Nach Stock-Attacke in Lenggries: Jetzt spricht der Rottacher Bergwacht-Chef

Die Rottacher Bergwacht, zuständig fürs gesamte Tegernseer Tal, erlebt damit nach der Ära des langjährigen Bereitschaftsleiters Martin Stumpf den dritten Führungswechsel innerhalb kurzer Zeit. Auch Doreths Vorgänger Felix Oswald hatte nach nur einer Wahlperiode den Chefposten wieder abgegeben. Und auch er hatte dies mit der großen Belastung begründet, die sich neben dem eigentlichen Beruf und der Familie nur schwer schultern lasse.

Bergwacht im Tegernseer Tal hat schwierige Sonderrolle

Ist die Ehrenamtlichkeit in Führungspositionen der Bergwacht am Ende ein Auslaufmodell? Haben auch andere Bereitschaften mit ähnlichen Problemen zu kämpfen? Florian Lotter, hauptamtlicher Geschäftsführer der Regionalvertretung Bergwacht Hochland in Bayrischzell, verneint das. „Solche Rücktritte sind bei uns nicht an der Tagesordnung“, sagt der 41-Jährige, der speziell für die vier Bereitschaften im Kreis Miesbach (Leitzachtal, Schliersee, Hausham und Rottach-Egern) und die sechs im Landkreis Rosenheim zuständig ist. Vielmehr sieht Lotter die Rottacher Bereitschaft in einer schwierigen Sonderrolle.

Aus mehreren Gründen. So sei das Einzugsgebiet, um das sich die Bereitschaft am Tegernsee kümmern müsse, „einfach riesig“. Als Naherholungsgebiet Münchens erlebe das Tal sowohl an den Wochenenden als auch wochentags einen gewaltigen Ansturm von Bergfreunden. „Gerade unter der Woche sind wir da manchmal schon knapp aufgestellt“, räumt Lotter ein. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass es vor Ort nur wenige Arbeitsplätze gebe, die sich für einen aktiven Bergwachtler eignen. Wer beispielsweise in der Gastronomie tätig sei, könne für einen Einsatz „ja nicht einfach schnell abhauen“, gibt Lotter zu bedenken. Dennoch sei im Moment der Einsatz von hauptamtlichen Bergrettern hier noch kein Thema. „Aber wir reflektieren unsere Strukturen immer wieder.“

Lesen Sie hier Näheres über die Einsatzstatistik der Rottacher Bereitschaft: Bergwacht absolvierte heuer schon 165 Einsätze

In den Augen Doreths jedenfalls würde es durchaus Sinn machen, über hauptamtliche Führungskräfte bei der Rottacher Bergwacht nachzudenken. Schließlich gehöre die Bereitschaft mit ihren 300 bis 400 Einsätzen im Jahr zu den Top Ten in Bayern. „Das Tal lebt ja vom Tourismus“, sagt Doreth. „Wenn die Bergrettung nicht mehr gewährleistet ist, dann werden auch die Gästezahlen zurückgehen.“

gab

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