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Mit viel Engagement kümmern sich Tierheimleiter Markus Glanz und Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, um die Vierbeiner. Hier gibt’s Streicheleinheiten für Hündin Bessi.

Vor allem das Katzenelend macht Sorgen

Tierheim blickt auf bewegtes Jahr 2015 zurück

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Rottach-Egern - Es ist immer noch das einzige Tierheim im Landkreis – und das nun seit bald 50 Jahren. Vereins-Chefin Johanna Ecker-Schotte blickt zufrieden auf 2015 zurück – und macht sich dennoch Sorgen um die Zukunft.

Timmy der Kneifer hat es geschafft. Geglaubt hatte im Tierheim in den Weißachauen kaum mehr jemand daran. Vier Jahre lebte der Mischlingsrüde in den Zwingern der Weißachauen. Er galt als nicht vermittelbar. „Aber er hatte diesen Blick“, sagt Johanna Ecker-Schotte, seit Frühjahr 2013 Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, der 2015 sein 60-jähriges Bestehen feierte. Diesen Nimm-mich-mit-Blick, dem eine Münchnerin im Sommer endgültig verfallen ist und ihn mit zu sich nach Hause nahm. 

Das ist eine von vielen Erfolgsgeschichten des Jahres 2015. „Ein gutes Tierheim ist ein leeres Tierheim“, betont Ecker-Schotte bei jeder Gelegenheit. Ein gutes Tierheim bietet aber auch Platz. So weihte der Verein sein neues Kleintier- und Katzenhaus im vergangenen Jahr ein – was bitter nötig war. „Bei den Katzen stoßen wir immer wieder an unsere Kapazitätsgrenzen.“

Der Grund, über den wir schon berichtet haben: „Das Katzenelend im Landkreis existiert.“ Dabei geht es weniger um Hauskatzen, mehr um halbwilde Populationen, die auf Bauernhöfen, in verlassenen Stadeln oder Häusern leben – und sich unkontrolliert vermehren. Seit drei Jahren verfügt der Verein über einen Katzenfond, mit dem Kastrationen finanziert werden. Das Startkapital kam von der Kreissparkasse und ist aufgebraucht. Eine Kastration kostet zwischen 70 und 100 Euro. „Aber wir haben Leute, die gezielt Spenden und nehmen gerne weiter zweckgebundene Spenden für Kastrationen an.“ Etwa 500 Katzen hat der Verein in den vergangenen drei Jahren kastrieren und medizinisch versorgen lassen, davon allein 200 im Jahr 2015. Ein Ende ist nicht in Sicht. Auch weil die wilden Tiere oft noch angefüttert werden. Nach der Kastration werden die Tiere wieder da ausgesetzt, wo sie vorher gelebt haben. Sie sind verwildert, als Hauskatzen nicht vermittelbar.

Nicht nur die Katzen kosten dem Verein immer mehr. „Auch der Trend zum Nager ist spürbar.“ Allein zehn Ratten aus einer verwahrlosten Wohnung in Rosenheim mit 300 Hausratten leben gerade in Rottach. Trotz allem gehe es dem Tierheim finanziell noch gut. „Aber wir können nicht auf Dauer von unseren Reserven leben.“ Von den Gemeinden wird der Verein mit zehn Cent pro Einwohner unterstützt. Die Regelung stammt aus dem Jahr 2003. „Irgendwann wird das angepasst werden müssen“, warnt Ecker-Schotte – und stellt im selben Atemzug klar: „Während der aktuellen Flüchtlingskrise werden wir keinesfalls irgendwelche Forderungen stellen.“ 

Umso erstaunlicher, dass dem Heim die Ehrenamtlichen nicht ausgehen. Da gibt es die Katzenfreunde, die putzen, Klos saubermachen, spielen und schmusen. Und da gibt’s die Gassigeher, auf die die Heimhunde sehnlichst warten. „Wir freuen uns auch immer über neue Interessierte.“ Und vielleicht stellt die nächste Jubiläumsfeier ja einen willkommenen Anlass dar, die finanzielle Zukunft von Verein und Heim anzusprechen. Im Lauf dieses Jahres wird das Tierheim in den Weißachauen, das einzige Tierheim im Landkreis, 50.

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