Ein- und Ausgangsbereich des Amtsgerichts Miesbach
+
Eingangsbereich des Amtsgerichts Miesbach

Stundenlange Befragung der Zeugen vor Gericht

Frau rastet in Rottacher Weinlokal aus: Sie hatte Schaum vor dem Mund

Der vierte Prozesstag des Falls dauerte wieder mehrere Stunden. Der Verteidiger befragte einen Türsteher so lange, bis der Zeuge keine Lust mehr hatte.

Rottach-Egern – Bis zu neun Stunden hatten sich die ersten Verhandlungstage in einem Prozess wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Miesbach hingezogen. Unter Anklage steht eine 36-jährige Münchnerin, die an Heiligabend 2019 in den frühen Morgenstunden im Rottacher Weinlokal Moschner randaliert und den Türsteher mit einem Fausthieb angegriffen haben soll (wir berichteten). Auslöser für die Eskalation war der angebliche Diebstahl ihrer Jacke. Obwohl sich das als Irrtum herausstellte, konnte auch die Polizei die aufgebrachte Frau nicht zur Raison bringen, weshalb sie schließlich für einige Stunden in der Haftzelle landete.

Frau rastet in Rottacher Weinlokal aus: Stundenlange Befragung der Zeugen vor Gericht

Der vierte Prozesstag blieb mit fünf Stunden in einem vergleichsweise moderaten zeitlichen Rahmen. Als Zeugen waren der Türsteher und eine Barfrau des Lokals geladen, die beide schon zu Prozessbeginn ausgesagt hatten, für die Befragung aber nochmals erscheinen mussten. Um das Prozedere zu verkürzen, wurde vorab die Zeugenaussage der Bedienung verlesen. Darin hieß es, die Münchnerin sei auf Beruhigungsversuche hin ausfällig geworden. Dafür, dass es sich nur um eine Jacke gehandelt habe, sei ihre Reaktion „völlig überzogen und hysterisch“ gewesen. Zweimal habe sie versucht, bei ihrer Suche nach der Jacke auf die Bar zu steigen. Auf den zu Hilfe gerufenen Türsteher, der sie heruntergehoben und an den Schultern festgehalten habe, habe die Angeklagte dann mit Fäusten eingetrommelt. Von einem gezielten Schlag auf sein linkes Auge habe sie aber nichts gesehen, erklärte die Zeugin.

Der Türsteher, ein 41-jähriger Miesbacher, hatte das anders in Erinnerung. Er konnte sich nur an einen Schlag auf sein linkes Auge erinnern, nicht aber daran, dass die Frau mit Fäusten auf ihn eingetrommelt habe. Die Polizei habe er nicht wegen des Übergriffs gerufen, sondern um zu verhindern, dass die offenbar stark alkoholisierte Frau sich in ihrem Zustand allein auf den Nachhauseweg macht. Den Polizisten gegenüber habe die Angeklagte dann erklärt, die „echte Polizei“ müsse kommen. Sie habe derart geschrien, dass ihr Schaum vor den Mund getreten sei.

Nach Randale in Rottacher Weinlokal: Türsteher gibt im Amtsgericht Miesbach Auskunft

Insbesondere die Befragung des Türstehers, der bei Prozessauftakt schon drei Stunden Rede und Antwort gestanden hatte, ging derart ins Detail, dass dieser schließlich nicht mehr wusste, was er noch antworten sollte. Schließlich kam es beinahe zum Eklat, als der Anwalt dem Miesbacher wiederholt vorhielt, um den heißen Brei herumzureden, und ihn dann anherrschte, ob er sich absichtlich blöd stelle. Richter Walter Leitner und die Staatsanwältin zeigten sich fassungslos über dieses Gebaren, dem geduldigen Zeugen platzte der Kragen: „Ich weiß jetzt, was Sie in Wirklichkeit vorhaben: Sie wollen mich da in etwas verstricken.“ Aufgebracht erklärte er dem Verteidiger der Frau, er werde ihm keine Frage mehr beantworten, auch wenn er dann eine Strafe zu erwarten hätte.

Verteidiger Kevin Rebentrost wandte sich wiederum konsterniert an die Staatsanwältin: Ob sie zulasse, dass ein Zeuge so mit dem Verteidiger spricht? Nach kurzem Hin und Her hatte sich die Situation wieder beruhigt, die Verhandlung konnte fortgesetzt werden. In einem weiteren Termin soll endgültig ein Urteil fallen.

von Stefan Gernböck

Einst hatte er selbst bei der Polizei eine klare Aussage gemacht, vor dem Amtsgericht Miesbach konnte sich der 19-jährige Angeklagte auf einmal nicht mehr erinnern. Tegernsee-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Tegernsee-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Tegernsee – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare