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Verfügbar, aber nicht vorschriftsgemäß: Haus Rheinland in Bad Wiessee.

Gemeinden leiden unter Landratsamt-Auflagen

Ex-Hotel nicht sicher genug für Asylbewerber?

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Bad Wiessee/Rottach-Egern - Die Gemeinden würden gerne Wohnungen für Asylbewerber schaffen, scheitern aber an den Auflagen des Landratsamtes. Rottach muss nun Container aufstellen.

Michael Herrmann, Rathaus-Geschäftsleiter in Bad Wiessee, verliert schön langsam die Geduld. Schon vor Weihnachten verkündete die Gemeinde, eine passende Unterkunft für Asylbewerber gefunden zu haben. Das Haus Rheinland, schön zentral in der Münchner Straße gelegen, hat die Gemeinde zu dem Zweck extra gekauft. Rund 40 Asylbewerber sollten da reinpassen, schätzt Herrmann.

Doch bis die einziehen, wird es noch mehrere Wochen dauern. Zuerst hatte sich der Vertragsabschluss doch länger hingezogen als geplant. Dann kam das Landratsamt mit einer Auflage nach der anderen. Vergangenes Jahr haben dort noch normale Hotelgäste residiert. Was vorher für Touristen gut genug war, sollte man meinen, passt auch für Asylbewerber. Falsch gedacht. „Immer wenn wir denken, wir können einen Einzugstermin festlegen, taucht eine neue Vorschrift auf“, schimpft Herrmann. „Die rechtlichen Anforderungen sind übertrieben hoch.“ Den Brandschutz meinte die Gemeinde endlich gelöst zu haben. Jetzt muss sie auf eigene Kosten eine Außentreppe zum zweiten Stock bauen. Sonst hätte dieser versiegelt werden müssen.

Damit nicht genug: „Jetzt verlangen sie noch einen E-Check.“ Dafür muss ein extra geschulter Elektriker jede Leitung im Haus auf Schwachstellen prüfen, denn auch ein Kurzschluss könnte ja in der Theorie Funken schlagen. Auch das kostet Zeit und Geld. Herrmann versteht das langsam nicht mehr. „Das Haus war 30 Jahre lang ein gut besuchtes Hotel.“ Einerseits suche man händeringend nach Unterkünften für Asylbewerber, andererseits scheine kein Haus gut genug zu sein.

Dem Landratsamt direkt macht Herrmann keine Vorwürfe. „Die führen ja auch nur aus.“ Aber die unzähligen Auflagen, die da von ganz oben kämen, verstehe auf Gemeindeebene wirklich niemand mehr. Bleibt zu hoffen, dass sich der Aufwand doch noch lohnt. Immerhin: Schöner als eine Container-Siedlung ist so ein ehemaliges Hotel in jedem Fall.

Um Ersteres wird Rottach-Egern wohl nicht herumkommen. In einem erneuten Aufruf sucht die Gemeinde zwar immer noch nach Privatwohnungen. Es haben sich auch schon Hausbesitzer gemeldet. Aber das Landratsamt zieht laut Rottach-Egerns Bürgermeister Christian Köck (CSU) noch nicht so recht. Die Gemeindewohnungen sind voll. Bliebe die Obdachlosenunterkunft. Aber die hat einen Holzofen – das geht wegen der strengen Auflagen gar nicht. Rund 28 Asylbewerber muss Rottach insgesamt aufnehmen. Bis jetzt lebt nur eine dreiköpfige Familie in der Gemeinde.

Bleiben also nur Container. Die Gemeinde hat bereits einen Standort ausgemacht. Wo, will Köck nicht sagen, bevor das Landratsamt sein Okay gegeben hat. Um Anwohnerproteste macht sich Köck aber keine Sorgen. „Wir müssen den Wohnraum schaffen. Nachbarschaftliche Interessen spielen da keine Rolle.“

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