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Historisches Schmuckstück: Aus dem 16. Jahrhundert stammt der Hof bei Brixlegg in Tirol, der schon bald nach Rottach-Egern umziehen soll. Die Familie Bogner will darin ihr neues Gasthaus Zotzn unterbringen.

Was der Wirt alles vorhat

Historischer Hof aus Tirol wird zum neuen Zotzn

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Rottach-Egern - Der neue Zotzn wird kein Neubau: Für ihr Restaurant neben dem Kutschenmuseum lässt die Familie Bogner einen Tiroler Hof aus dem 16. Jahrhundert nach Rottach-Egern versetzen.

Alle Einzelteile des historischen Hofs sind schon nummeriert, bereit für den behutsamen Transport nach Rottach-Egern. Noch steht er in Tirol, bei Brixlegg. Gefunden hat ihn Josef Bogners Bruder Herbert. Der gelernte Zimmerer hat jahrzehntelang alte Hofstätten für das Museum Kramsach rekonstruiert. Jetzt hilft er der Verwandtschaft, ihrem neuen Restaurant ein ganz besonderes Gebäude zu geben.

Das Konzept fußt auf einer engen Kooperation mit der Gemeinde. Inzwischen sind auch alle Verträge unterschrieben, wie Bürgermeister Christian Köck kurz vor Weihnachten bekanntgab. Basis ist der Wunsch der Gemeinde, das gesamte Ensemble Kutschenmuseum und Gsotthaber Stubn zu beleben. Der gemeindliche Gasthof ist seit dem Abschied von Pächter Otto Schwanda im März 2015 geschlossen, das Kutschenmuseum verursacht pro Jahr ein Defizit von 70.000 Euro. Im Januar 2015 präsentierte Zotzn-Wirt Josef Bogner der Gemeinde seine Idee: Seine Familie übernimmt das Gasthaus und eröffnet ein Café im Kutschenmuseum. 

Die Pläne für den Wiederaufbau des Hofes in Rottach-Egern stehen bereits, hier die Frontansicht.

Inzwischen ist aus der Idee ein fertig ausgearbeiteter Plan geworden, bereit für die Umsetzung. Die Verträge hat die Gemeinde mit Josef Bogner junior (31) geschlossen. Sein Vater wird aber weiter mitarbeiten. „Wir drehen den Spieß nur um. Jetzt ist der Junior der Chef“, sagt Bogner senior. Rund 1,3 Millionen Euro investiert die Familie in den Komplex. Die alten Gsotthaber Stubn sind schon zu einem großen Teil verschwunden, auch die Arbeiten an der Tiefgarage mit zwölf Mitarbeiter-Stellplätzen gehen gut voran. Auf der Fläche wird der Tiroler Hof wieder aufgebaut. In das geschichtsträchtige Haus zieht Bogners bekanntes Restaurant Zotzn um. Weder an der Ausrichtung noch am Namen ändert sich etwas. Der neue Zotzn wird 50 bis 70 Plätze haben. Im Obergeschoss des Hauses zieht die Hutmacherei von Martin Wiesner ein. Ende 2016 soll alles fertig sein.

Das Grundstück für Bogners neues Gasthaus überlässt die Gemeinde der Familie in Erbpacht auf vorerst 60 Jahre. Im Kutschenmuseum hingegen ist Josef Bogner junior Pächter. Im April wird das Café Gäuwagerl öffnen, mit 50 Plätzen innen und ebenso vielen auf der Terrasse. Im Café gibt es tagsüber neben Gebäck auch kleine Gerichte. Ein Punkt, der dem Gemeinderat wichtig war: Der Zotzn hat nur abends geöffnet. Damit im Café Gäuwagerl immer alles frisch ist, baut Bogner auch noch eine Backstube. Wegen der Bauarbeiten ist das Kutschenmuseum derzeit geschlossen. Die Umbauten sind aufwendig und teuer: Etwa 300.000 Euro muss die Gemeinde berappen. Dafür spart sie künftig die Kassenkraft am Kutschenmuseum. Man betritt es künftig durchs Café. Besucher entrichten an einem Drehkreuz einen Obolus und können sich dann die Ausstellung ansehen.

Ein Teil der noch erhaltenen Substanz der Gsotthaber Stubn verbleibt im Besitz der Gemeinde. Hier bekommen die Tennisspieler und der Schützenverein ihre neuen Domizile. Rund 250.000 Euro gibt die Gemeinde für die Umbauten aus. Der Tennisverein, der die Räume mangels Halle im Winter nicht braucht, teilt sich seinen Bereich mit Sport Schlichtner, der dort bereits einen Stützpunkt für Langläufer betreibt. Die Schützen bekommen im Zuge der Umbauten auch ein kleines Stüberl. Der Minigolfplatz auf dem Gelände wird künftig auch von der Familie Bogner geführt. Die Vereinsräume sollen schnell fertig werden, wie Bürgermeister Köck versichert. Vor allem der Langlauf-Stützpunkt mit Verleih und Kursen soll auch in diesem Winter gesichert sein – wenn denn endlich Schnee kommt.

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