In Rottach-Egern gibt es die meisten Zweitwohnsitze im Tegernseer Tal.
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In Rottach-Egern gibt es die meisten Zweitwohnsitze im Tegernseer Tal.

Als letzte Gemeinde im Tegernseer Tal

Rottach-Egern erhöht die Zweitwohnungssteuer von zwölf auf 20 Prozent

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Als letzte Gemeinde am Tegernsee hebt Rottach-Egern die Zweitwohnungssteuer von zwölf auf 20 Prozent an. Allerdings erst 2022 - aus einem bestimmten Grund.

  • In Rottach-Egern gibt‘s 800 Zweitwohnsitze - die größte Zahl im Tegernseer Tal.
  • Rechnerisch bringt die Erhöhung 650.000 Euro pro Jahr ein.
  • Damit sich Betroffene darauf einstellen können, tritt die Satzungsänderung erst 2022 in Kraft.

Rottach-Egern – Rund 800 Zweitwohnsitze sind im Rottacher Rathaus registriert, mehr als in jeder anderen Gemeinde im Tegernseer Tal. Als die Stadt Tegernsee 2018 entschied, die Zweitwohnungssteuer von zwölf auf 20 Prozent der jährlichen Nettokaltmiete anzuheben, hielt Rottach-Egern die Füße still. Dagegen haben Bad Wiessee, Kreuth und Gmund schon nachgezogen und ebenfalls auf 20 Prozent erhöht. Das Ziel dabei: Die Kommunen wollen die Zahl der Zweitwohnungen senken, um den Mietmarkt für die Einheimischen zu verbessern. In Tegernsee verringerte sich die Zahl der Zweitwohnungen 2020 im Vergleich zu 2019 von 442 auf 427. Vor Gericht hatten Klagen Betroffener gegen die deutliche Steuererhöhung bislang keinen Erfolg.

Diskussion unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Aktuell ist Rottach-Egern im Tegernseer Tal also die Insel der Seligen für Zweitwohnsitzler. Ein Gedanke, der vielen nicht gefällt. Letztlich stellten Anastasia Stadler und Sebastian Kölbl (beide CSU) den Antrag an den Gemeinderat, die Zweitwohnungssteuer auf das Niveau der Nachbarn anzuheben. Ausführlich diskutiert wurde dies hinter verschlossenen Türen. In öffentlicher Sitzung fasste der Gemeinderat wortlos und einmütig den Beschluss, die Satzung anzupassen. Die höhere Steuer wird aber erst 2022 fällig. „Wir wollen den Betroffenen Zeit geben, sich darauf einzustellen“, erklärte Bürgermeister Christian Köck (CSU).

Betroffene sollen sich auf Steuererhöhung einstellen können

Rein rechnerisch sollte sich die Steuererhöhung äußerst positiv aufs Gemeindesäckel auswirken. Schon jetzt nimmt die Kommune eine runde Million Euro Zweitwohnungssteuer pro Jahr ein. Tritt die Erhöhung in Kraft, sind es 650 000 Euro mehr. Allerdings ist zu erwarten, dass mancher zum Beispiel den Zweitwohnsitz zur Hauptwohnung macht und damit der Steuer entgeht. Zeit, Überlegungen in dieser Richtung anzustellen, haben die Betroffenen dank der frühen Ankündigung reichlich.

Berechnungsgrundlage wurde erst 2020 angepasst

Um den Zeitraum ging es dann auch bei den Überlegungen zur Satzungsänderung. Schließlich hatte die Gemeinde erst im vergangenen Jahr die Berechnungsgrundlage für die Zweitwohnungssteuer angepasst. Heißt: Sie hatte ein Gutachten erstellen lassen, das den Wert der Immobilien beziffert. Dies deshalb, weil die ortsübliche Nettokaltmiete nur bedingt aussagekräftig ist. „80 Prozent unserer Zweitwohnsitzler sind Eigentümer“, erklärt Geschäftsleiter Gerhard Hofmann. Durch die Anpassung der Summen nach diesem Gutachten habe sich bereits eine Steigerung der Steuereinnahmen um etwa sieben bis zehn Prozent ergeben. Eben dies ließ die Verantwortlichen im Rathaus zögern, obendrein noch an der Satzung zu schrauben.

Bei der Diskussion in nicht öffentlicher Sitzung war es dem Vernehmen nach vor allem um die Frage gegangen, wie schnell Rottach-Egern mit den Nachbarn gleichziehen will. Klar ist: Der Nobelort will auf keinen Fall die Gemeinde am Tegernsee sein, in der Zweitwohnsitze am günstigsten kommen – und damit den Sog noch erhöhen.

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