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Die Abrissarbeiten haben schon begonnen.

Tegernseer Klinik-Pläne an Stadtgrenze

Rottach kritisiert: „Unglaublich massiv und sehr bedauerlich“

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Die vom Tegernseer Stadtrat bewilligten Pläne für den Bau eines Sanatoriums und einer Klinik an der Perronstraße stießen im Rottacher Gemeinderat auf breite Kritik. 

Rottach-Egern/Tegernsee Die Gebäude zu groß, die Zahl der Stellplätze zu klein und dann noch zu wenig Personalwohnungen: Im Rottacher Gemeinderat stießen die Pläne für eine Klinik und ein Sanatorium an der Tegernseer Perronstraße auf viel Kritik. Wie berichtet, treibt die Stadt Tegernsee die Planung voran. Im Rahmen des Verfahrens war Rottach-Egern aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Vorgesehen sind drei Gebäude auf dem Gelände in Tegernsee Süd. Bauherr ist Klaus Dieter Burkhart, der ein Sanatorium für Zelltherapie betreiben will. Parallel dazu ist eine Klinik geplant, für die nach dem Ausstieg von Dr. Martin Marianowic, Inhaber der Wiesseer Privatklinik Jägerwinkel, noch ein Betreiber gesucht wird.

Der Entwurf des Sanatoriums- und Klinim-Komplexes.

Über eine Genehmigung haben die Rottacher nicht zu entscheiden, aber sie können ihre Meinung zur Planung in der direkten Nachbarschaft abgeben. Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) hielt mit seinem Groll nicht hinter dem Berg. Die Bebauung sei schon sehr massiv, führte er an. Dass „wir so etwas von Tegernsee vorgesetzt bekommen“, ärgere ihn schon, machte Lang deutlich. Damit befand er sich auf einer Linie mit Thomas Tomaschek (Grüne). „Das ist unglaublich massiv und sehr bedauerlich“, kommentierte Tomaschek die Pläne. Wieder werde sehr viel Fläche versiegelt. „Dabei wollen wir doch Öko-Modellregion werden.“

Zuvor schon hatte Bürgermeister Christian Köck (CSU) die niedrige Zahl der Personalwohnungen bemängelt. Es werde kaum möglich sein, den Bedarf an Pflegekräften mit Personen zu decken, die bereits im Landkreis wohnen. Wer eigens für den Job ins Tal ziehen wolle, habe aber kaum eine Chance, eine Wohnung zu finden. Sicher werde der eine oder andere auch im Rottacher Rathaus nach einer Bleibe fragen, meinte Köck. Aber die Gemeinde könne nichts anbieten. „Wir haben schon eine Warteliste.“ Darum sei der Träger gut beraten, eine ausreichend große Anzahl von Personalunterkünften vorzusehen. Ein Rat, der auch Klaus Fresenius (FWG) am Herzen lag. In der Region sei der Markt an Pflegekräften leer gefegt, machte der Mediziner deutlich. Mit dem in dem Bereich üblichen Einkommen lasse sich auch keine Wohnung am Tegernsee finanzieren.

Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) erschien die Zahl der Stellplätze viel zu niedrig. „Ich verstehe gar nicht, wie diese Berechnung zustande kommt“, meinte sie. Das vom Antragsteller angeführte Argument, die Patienten kämen zumeist mit dem Taxi, überzeugte sie nicht. Die Zahl der Stellplätze reiche ihrer Einschätzung nach schon fürs Personal kaum aus. Lang teilt diese Ansicht. „Und dann wird beim Lidl und am Schwaighof alles zugeparkt“, fürchtet er.

In Sachen Verkehrsbelastung sieht Bürgermeister Köck noch ein weiteres Problem. Aktuell sei keine Linksabbiegerspur vorgesehen, erklärte er. Das könnte aus seiner Sicht durchaus zu Behinderungen führen.

Einstimmig votierte der Gemeinderat dafür, all die Bedenken in eine schriftliche Stellungnahme zum Bebaungsplan zu packen. Der Tegernseer Stadtrat hatte diesen im April einstimmig verabschiedet. Bauherr Burkhart versicherte unterdessen, er sei mit interessierten Klinikbetreibern in Verhandlung.

jm

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