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Zum Schutz der mutmaßlichen Verfassungslinde in Rottach-Egern werden die geplanten Gebäude leicht verschoben.

Debatte um Bauprojekt in Rottach-Egern

Verfassungslinde vorerst gerettet

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Weil in Rottach-Egern am Parkweg wieder ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage geplant ist, sollte die mutmaßliche Verfassungslinde fallen. jetzt gibt‘s eine Rettung. 

Rottach-Egern – Was zählt mehr: der Schutz alter Bäume oder der Bau neuer Häuser? Bei einem Antrag zum Bau von zwei Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage am Parkweg in Rottach-Egern wurde deutlich, dass die Natur meist das Nachsehen hat.

„Bau geht vor Baum“, erklärte Thomas Eichacker von der Abteilung Bauen und Umwelt am Landratsamt. Eichacker war zur Sitzung des Rottacher Ortsplanungsausschusses gekommen, weil nicht irgendwelche Bäume dem Bauvorhaben im Weg stehen: Es geht um die mutmaßliche „Verfassungslinde“, unter der König Max I. Josef 1818 die Bayerische Verfassung unterzeichnet haben soll, sowie um einen alten Ahorn und um eine weitere schützenswerte Baumgruppe. Bereits im März hatte sich der Ausschuss mit dem Bauantrag befasst.

Schon damals war man einhellig der Meinung, dass die Bauten erstens kleiner ausfallen müssten und zweitens ein Weg gefunden werden muss, um die Baumgruppen zu erhalten. Der Gemeinde war klar, dass nur eine Lösung gefunden werden könne, wenn das Landratsamt als Entscheidungsbehörde mitspielt. Zusammen mit dem Landratsamt besichtigte man also das Grundstück.

Im Sitzungssaal fasste Eichacker die Ergebnisse jetzt zusammen. Tatsächlich handle es sich bei der mutmaßlichen Verfassungslinde um einen naturschutzfachlich wertvollen Baum mit markanten Knollen, der zusammen mit einem alten Ahorn eine Einheit bildet. Eine weitere Baumgruppe, etwa 50 bis 60 Jahre alt, sei aus fachlicher Sicht ebenfalls „sehr erhaltenswert“, ja eine „Investition in die Zukunft“.

Weil der Bauherr grundsätzlich ein Baurecht habe, hielt Eichacker den Kampf um die Linde für aussichtslos: „Die Chancen, dass wir vor Gericht baden gehen, sind relativ hoch.“ Nur folgender Kompromiss könne die Bäume retten: Das Gebäude nahe der Linde müsste um einen Meter verkürzt und zudem Richtung Straße gerückt werden. Auch das zweite Haus nahe der Baumgruppe müsste verschoben werden, um die Bäume zu schonen. Allerdings müsste die Gemeinde die dann zu geringeren Abstandsflächen ausnahmsweise genehmigen. „Es würde sich um ein Zugeständnis zugunsten der Bäume und nicht an den Bauherren handeln“, sagte Eichacker. Angst vor einem Präzedenzfall müsse die Gemeinde nicht haben.

Bürgermeister Christian Köck (CSU) betonte, dass ihm und der Gemeinde der Erhalt der Bäume wichtig sei. Daher sei der vorgeschlagene Kompromiss ein „gangbarer Weg“, mit dem zudem der Allee-Charakter der Fürstenstraße erhalten bliebe. Für Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) war nicht plausibel, dass ein Bauvorhaben das Naturschutzrecht aushebeln könne. Er erinnerte an den Kriechenden Sellerie, dem schon Vorhaben zum Opfer gefallen waren.

Eichacker betonte, dass die Linde nicht als Art geschützt sei und auf keiner roten Liste stehe. Der Kriechende Sellerie hingegen schon. Weil der Bauherr offenbar mit der Verkürzung seiner Bauten und speziellen Maßnahmen zum Schutz der Bäume bereit ist, fand der Kompromiss die Mehrheit: Mit 5:3 Stimmen wurde er beschlossen. Die Bäume sind damit vorerst gerettet.

gr

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