+
Erinnerung an die glanzvollen 1970er-Jahre: Karl Rauh (M.) hatte viele Stars wie Thomas Gottschalk (l.) und Udo Jürgens in seinem Hotel zu Gast.

Inhaber starb mit 85 Jahren

Hotel Bachmair am See trauert um  Karl Rauh

Rottach-Egern - Das Hotel Bachmair am See trauert um seinen Inhaber. Mit 85 Jahren ist Karl Rauh verstorben.

Vor allem in  den 70er-Jahren strömte nicht nur die Münchner Schickeria an den Tegernsee ins Bachmair am See, der damals ersten Adresse im Tegernseer Tal. Internationale Show-, Sport- und in der Klatschpresse bejubelte Stars stiegen in dem renommierten Hotel an der Seestraße ab oder hatten Auftritte im 1969 eröffneten Night Club. Immer mittendrin: Karl Rauh, der unermüdliche Macher. Er holte sie alle – Tina Turner, Udo Jürgens, Fats Domino, Udo Lindenberg, Thomas Gottschalk und viele mehr. „Er hatte immer einen Draht zur High Society und konnte zugleich ganze Gesellschaften unterhalten“, erinnert sich Karin Rauh-Bachmair.

Rosen für den Gast: Auch die Sängerin Tina Turner trat auf Einladung Rauhs am Tegernsee auf.

Die Hoteliers-Tochter lernte „Karli“, den Handelskaufmann, in Bad Wiessee kennen, wo er ein Café betrieb, dazu einen Blumen-, Obst und Getränkeladen. Die beiden heirateten, und 1967, zwei Jahre vor dem Tod ihres Vaters Max Bachmair, übernahmen Karin und Karl das Hotel. Von da ab wurde ständig an- und umgebaut – und das Haus, dessen Geschichte 1826 mit einer einfachen Schankwirtschaft des Bäckermeisters Johann Bachmair begonnen hatte, entwickelte sich zu einem regelrechten Hotel-Imperium, zu dem heute neun Häuser gehören mit allein 520 Betten im Hotel an der Seestraße.

Die Chronik des Hauses ist zugleich die Geschichte einer großen Familie, zu der nicht nur die drei Kinder gehören – Sohn Michael und die Töchter Sabine und Maximiliane. Heidi Leins kam 1978 als Absolventin der Hotelfachschule Speiser, machte eine Lehre und blieb. Seit 1997 war sie Rauhs Vertraute, wusste über alles Bescheid. „,Leini‘, sagte er einmal zu mir, ,da geht nix mit dem Urlaub‘, als er mich vom Flughafen zurück ins Hotel beorderte“, erzählt Heidi Leins. Sie tat, was er sagte, „seine autoritäre und resolute Art waren wir ja gewöhnt“.

US-Glanz am Tegernsee: Rauh freute sich auch über den Besuch von Schauspieler David Hasselhoff.

In dem nach außen rauen Kerl steckte aber auch ein weiches und großes Herz. So durfte mancher Ex-Mitarbeiter in der günstigen Personalwohnung bleiben. „,Der arme Deifi‘, sagte er dann, ,den dürfen wir nicht hinauswerfen‘“, erinnert sich Leins. Und vor kurzem genehmigte er, dass eine junge Nigerianerin, die in Gmund als Asylbewerberin lebt, als Näherin in der Hotel-Wäscherei arbeitet. „Für so was habe ich meinen Chef geliebt.“ Die glanzvollen Zeiten hat das Bachmair am See hinter sich. Das musste Karl Rauh akzeptieren, auch wenn er sich bis zuletzt täglich von Heidi Leins am Telefon auf dem Laufenden halten ließ. Die Belegung sei aktuell „sehr ordentlich“, sagt Leins. Viele Stammgäste halten dem Haus teilweise bis zu 40 Jahre die Treue. Zwei Jahre war Karl Rauh, der einst durchtrainierte Sportler und lebenslustige Erfolgsmensch, nach einem Sturz nun ans Bett gefesselt, liebevoll gepflegt von seiner Frau Karin. Sie will sich künftig wieder mehr einbringen, will dazu beitragen, dass das einst bekannteste Haus am Tegernsee wieder mehr Glanz bekommt. „Wir investieren und reparieren permanent“, sagt sie, „oft sieht der Gast nichts davon.“ Unternehmern, die bereits gierig nach dem Bachmair schielen, erteilt sie aber schon jetzt eine Abfuhr. „Wir wollten nie verkaufen, und ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändert“, macht die Witwe deutlich. Dass zum Kreis der Aspiranten auch der Tegernseer Milliardär Thomas Strüngmann gehört, ist Karin Rauh-Bachmair bewusst. „Ja, wir haben darüber geredet, unsere Familien sind befreundet.“

Hotel-Imperium an der Seestraße in Rottach-Egern: das Bachmair am See.

Am Freitag wird Karl Rauh in Rottach-Egern zu Grabe getragen – mit einer Messe in der Pfarrkirche. So, wie er es sich immer gewünscht hätte. Würdevoll, ohne viel Show.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare