Eine Landschaft mit 270 Holzfiguren nennt Krippenerzähler Karl-Heinz Höcht mittlerweile sein Eigen. Die Weihnachtsgeschichte erzählt er dazu aus seiner ganz persönlichen Perspektive.
+
Eine Landschaft mit 270 Holzfiguren nennt Krippenerzähler Karl-Heinz Höcht mittlerweile sein Eigen. Die Weihnachtsgeschichte erzählt er dazu aus seiner ganz persönlichen Perspektive.

Karl-Heinz Höcht hat 270 Figuren

Rottacher „Krippenerzähler“ präsentiert seinen Schatz

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
    schließen

Eine Weihnachtskrippe ist viel mehr als bloße Deko. Ein beeindruckendes Exemplar ist bei Karl-Heinz Höcht in Rottach-Egern zu finden: Er kann dazu viele Geschichten erzählen.

Rottach-Egern – Angefangen hat alles in der Adventszeit 1978: Da erstand der Rottacher – ganz klein und klassisch – die Heilige Familie, Ochs und Esel, dazu ein paar Schafe. Schon damals hat den Familienvater beim Aufstellen der handgeschnitzten Krippenfiguren mit ihren markanten, so individuellen Gesichtern die Geschichte hinter der Szenerie angerührt. Jedes Jahr kamen neue Figuren hinzu. Höcht brachte sie aus dem Urlaub in Südtirol mit nach Hause oder vom Weihnachtsmarkt-Besuch. Unter den Figuren finden sich Geburtstags- und Gastgeschenke, aber auch Sonderanfertigungen – so wie die winzig kleinen, bunten Keramikvögel der befreundeten, ortsansässigen Künstlerin Waltraud Milazzo.

Die Weihnachtsgeschichte aus einer persönlichen Perspektive

Die Figuren wurden zusehends mehr, weit über die Charaktere der Kerngeschichte hinaus. „Einen wesentlichen Anteil daran haben ein Holzbildhauer und Krippenschnitzer aus Bad Wiessee und seine Frau, die eine Liebe zu Details hat“, erklärt Höcht mit Blick auf das kleine Schwalbennest, die Katze, die gierig auf eine Maus herabschaut, und den Buben bei der Krippe. „Der sieht, dass da hinten die Heilige Familie näherkommt und erklärt den Hirten, die gerade die Ziegen melken, dass sie gehen müssen, weil da eine Familie eine Unterkunft braucht“, sagt Höcht und ist damit schon mitten drin im Erzählen der Weihnachtsgeschichte aus einer ganz anderen Perspektive als der gewohnten.

Lesen Sie hier: Wegen Corona: Für Krippenverein fallen die meisten Termine aus - Vorsitzender im Interview

Der Sammler baute bald eine erste Unterkunft für seine Heilige Familie und mit Naturmaterialien aus dem Garten auch ein bisschen Landschaft drumherum – zunächst auf einer Spanplatte, die im Treppenhaus aufgestellt wurde. Sie erhielt als Hintergrund ein „Bühnenbild“ mit der Ansicht der nächtlichen Stadt Bethlehem, die dazu diente, das Tageslicht auszusperren. Somit kam die Frage der Beleuchtung hinzu: dimmbare Spots von oben, glimmende Lagerfeuer und heimelig beleuchtete Unterkünfte.

Landschaft und alles Zubehör selbst gebastelt

Mittlerweile ist die Krippenlandschaft auf zwei großen Platten ins Wohnzimmer umgezogen. Zu sehen sind hier ein Nomadenzelt, um das sich Kameltreiber tummeln, eine alpenländische Berghütte, hinter der eine Wildschweinfamilie in der Erde wühlt, und eben die Geburtshütte. Die hat Karl-Heinz Höcht, der aus einer niederbayerischen Familie von Zimmerern stammt, nach einem Plan seines Großvaters für einen Heuschober gebaut. So wie er alles andere Nichtfigürliche – von der Sense, über Packtaschen für den Esel aus Erdnussschalen bis hin zum Nachbau eines Holzzauns – selbst gebastelt und gebaut hat. Auf diese Weise hat er eine wimmelbildartige Welt erschaffen.

Täglich rücken Maria und Josef näher an die Krippe heran

Besonders lebendig wird sie durch die Geschichten, die Höcht zu den mittlerweile 270 Figuren erfunden hat. Diese hat Höcht in Nicht-Corona-Zeiten schon oft erzählt, wenn Freunde und Nachbarn mit ihren Kindern zum traditionellen „Kripperlschauen“ kamen. Dabei wählte er immer Perspektiven, die auf persönlichen Erfahrungen des jeweiligen Zuhörers oder einer der Krippenfiguren beruhen könnten. „Das macht die Weihnachtsgeschichte persönlich und für Kinder erfahrbar“, glaubt der Krippenerzähler. Und natürlich rührt sich dort auch etwas: Nicht nur, dass die Landschaft jedes Jahr anders aussieht, die Krippengeschichten verändern sich mit dem Verlauf der Aufstellung an jedem Adventstag. Täglich rücken Maria und Josef näher an die Krippe heran, ihnen folgen die Tiere, Hirten und Könige, der Verkündigungsengel und der Stern. Damit kommen auch „Kripperlschauer“ immer näher ran ans große Fest.

ak

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare