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Ein Haus, das aus dem Rahmen fällt hat das Ehepaar Julia und Stefan Füßl (mit den Kindern Josefina und Fritz) zusammen mit Architekt Markus Hölzl (l.) gebaut.

„Wie ein Schupf auf einer Wiese“

Tag der Architektur: „Haus Annamirl“ macht Karriere

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Auf spektakuläre Weise unspektakulär. So könnte man das Haus bezeichnen, das Julia und Stefan Füßl in Rottach-Egern gebaut haben. Wir sagen euch, warum.

Rottach-Egern – Es sollte kein Haus wie jedes andere werden. Dennoch sollte es nicht herausstechen an der Valepper Straße, dort, wo Stefan Füßls Großtante „Annamirl“ Wunschel wohnte, die vor vier Jahren verstorbene Ehrenbürgerin von Rottach-Egern. Zusammen mit seiner Frau Julia stand der 34-jährige Rottacher vor der Herausforderung, aus einem ehemaligen Anbau ein gemütliches Wohnhaus zu machen. Das Ehepaar engagierte das Architekturbüro „Hölzl Knote Frischholz Architektur und Gestaltung“ mit dem Tegernseer Architekten Markus Hölzl (33), der mit kreativen Entwürfen auf sich aufmerksam macht und daher vor Kurzem in den Arbeitskreis für qualitatives Bauen im Landkreis Miesbach berufen wurde.

Schnell wurde klar: Nur ein freistehender Bau kann die Anforderungen erfüllen. Doch es gab Hürden: Das Haus würde im Außenbereich stehen, ringsum Wiesen und etliche Stadel. Genau die inspirierten die Bauherren. „Das Haus sollte wie eine Schupf auf dieser Wiese wirken, wie ein Stallgebäude“, beschreibt Hölzl das 6,12 mal 12,80 Meter große Haus, das die im Oberland traditionelle, rechteckige Form durchaus aufnimmt, sich in vielen Punkten aber deutlich von anderen Wohnhäusern unterscheidet: Es besteht im Keller und im Erdgeschoss aus Beton, oben komplett aus 14 Zentimeter dicken Holzplatten. Eine Dämmschicht und eine unterlüftete, senkrecht angebrachte Holzlattung bilden die schnörkellose, balkonfreie Fassade. Das Dach besteht aus zwei riesigen Holzplatten, darauf liegt eine Dämmung und die Ziegel. Ausreichend große Fenster sorgen für Licht und freie Sicht auf die Wiesen und den Wallberg.

„Wir haben die alte Bauweise – unten mit Bachbummerln, oben mit Holzblock – neu interpretiert“, beschreibt der Architekt das Gebäude. Es hat Gasanschluss, Solarplatten auf dem Dach erwärmen das Wasser. Während innen im Erdgeschoss Beton dominiert, sind die Zimmer oben komplett aus Holz. Um das Haus an die Stadel der Umgebung anzupassen, wurde das haus vorgegraut lasiert.

Das ist einer der Punkte, an dem die Rottacher Bauamtsleiterin Christine Obermüller einhakt: „Nach dem Fall Füßl haben wir sogar unsere Gestaltungssatzung geändert“, sagt Obermüller. Grau sei seither tabu. Das Haus war ohnehin „sehr umstritten“. In mehreren Punkten musste man eine Abweichung von der Gestaltungssatzung genehmigen: Unter anderem wegen dem grauen, statt roten Dach, wegen der durchgehenden Holzverschalung, wegen zu geringer Abstandsflächen zum Haupthaus, das den Brüdern von Stefan Füßl gehört. „Man hat sich im Bauausschuss überwunden und zugestimmt, auch weil man einer jungen, einheimischen Familie den Bau ermöglichen wollte“, erinnert sich Obermüller. Kreisbaumeister Werner Pawlovsky hatte ohnehin kein Problem damit. Das Haus solle dennoch eine Ausnahme bleiben. „Rottach-Egern will bei seinem traditionellen Baustil bleiben“, betont die Bauamtsleiterin.

Im April 2016 ist Familie Füßl, zu der inzwischen die dreieinhalbjährige Tochter Josefina und der einjährige Sohn Fritz gehören, eingezogen. „Es ist total gemütlich, trotz Beton“, beschreibt die Bauherrin ihr „tolles Wohngefühl“ in dem Haus, das sie und ihr Mann „Haus Annamirl“ getauft haben, zum Gedenken an die Großtante. An die neugierigen Blicke von Radfahrern und Spaziergängern hat sie sich gewöhnt. Schließlich sei es ein Traumhaus geworden, das für enorm viel Lebensqualität sorge.

Dass die Bayerische Architektenkammer das Haus für ihren diesjährigen „Tag der Architektur“ am 24. und 25. Juni ausgewählt hat, macht Hölzl ein wenig stolz. „Dass wir uns viel Zeit genommen haben, hat sich gelohnt.“

Tag der Architektur

Am 24. und 25. Juni findet in ganz Bayern der Tag der Architektur statt. Er steht heuer unter dem Motto „Architektur schafft Lebensqualität“. Für den Landkreis Miesbach wurden folgende Bauprojekte ausgewählt: „Haus Annamirl“, Rottach-Egern, Alte Klosterbrauerei und Prälatur Weyarn sowie das „Kinderhaus“ in Holzkirchen.

gr

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