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Beim Spazieren gehen an der Weißach muss sich die Rottacherin Heidrun Voigt regelmäßig über den Müll am Wegesrand ärgern.

Volle Hundetüten, Pizzaschachteln und McDonald‘s-Becher

Rottacherin: „Unser schönes Tal vermüllt“

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Es muss endlich was geschehen, fordert Heidrun Voigt aus Rottach-Egern. Die Zahnärztin beklagt die zunehmende Vermüllung des Tegernseer Tals – und steht damit nicht alleine da.

Tegernseer Tal  – Heidrun Voigt war kürzlich auf Urlaub in Frankreich. Und egal, wo sie auch hingekommen sei: „Überall war es sauber, es lag nicht ein Papierschnitzel auf dem Boden“, erzählt die Rottacherin. Als sie dann wieder zuhause im Tegernseer Tal war, sei sie „richtig entsetzt“ gewesen, schildert Voigt. Ob bei der Fahrt zur Arbeit in Bad Wiessee oder bei Spaziergängen mit ihrem Hund entlang der Weißach: überall Müll! Die Bandbreite reiche von McDonald’s-Bechern über Hausmüll bis hin zu den schwarzen Säckchen samt unappetitlichem Inhalt, die eigentlich in der Hundetoilette entsorgt gehören. „Ich bin nur noch am Aufheben“, klagt die Rottacherin.

Gebrauchte Hunde-Sackerl liegen in der Wiese

Tatsächlich bestätigt auch ein Rundruf bei den Bauhöfen am Tegernsee den Eindruck, dass die Wegwerf-Mentalität wieder auf dem Vormarsch ist. Die Erfahrungen sind verschiedenster Art. „Wir erleben oft, dass nur zehn oder 20 Meter vor einer Hundetoilette die vollen Tüten in der Wiese liegen“, berichtet Gerhard Mienert vom Rottacher Bauhof. Besonders ärgerlich sei das dann, „wenn man mit dem Mäher hineinfährt“, fügt er hinzu.

Unbekannter lädt Bauschutt mitten im Wald ab

Ein weiterer Schauplatz, wo das Wurstigkeits-Gefühl mancher Zeitgenossen deutlich wird, sind die Flaschen- und Plastik-Container im Ort: Häufig werde Müll – egal welcher – kurzerhand daneben abgestellt. Einen noch krasseren Fall von Müllsünde hat der Bauhof erst kürzlich erlebt: „Da hat jemand mitten im Wald Bauschutt abgeladen.“

Solche Fälle illegaler Müllentsorgung sind auch dem Bürgermeister bekannt. Wenn die Leute beim Wertstoffhof vor verschlossenen Türen stünden, würden manche ihren Müll einfach in die nahe Landschaft schmeißen, hat Christian Köck festgestellt. Hauptsache weg! „Da haben wir auch schon problematisches Material gefunden“, sagt er. Das Problem ist derart ärgerlich, dass der Rathaus-Chef bereits darüber nachgedacht hat, am Wertstoffhof eine Wildkamera zu installieren, um die Müllsünder in flagranti zu erwischen. „Wenn man die Leute erkennt und anschließend ins Gebet nimmt, könnte ein Lerneffekt entstehen“, glaubt Köck.

An der Länd stapeln sich die Pizzaschachteln

Immer mehr Arbeit mit dem Müll bekommt auch der Tegernseer Bauhof. Im Hochsommer, so erzählt Mitarbeiter Andreas Gerold, seien er und seine Kollegen vier Mal pro Woche unterwegs, um die Mülleimer im Ort zu leeren. „Die sind alle bumsvoll, und was nicht mehr reinpasst, wird einfach daneben geschmissen“, berichtet er. Besonders extrem sei die Situation an der Seeanlage Länd, wo sich die Besucher gerne beim dort ansässigen Italiener etwas zum Essen holen, um es dann am Ufer zu verspeisen. „Da liegen dann am Wochenende neben den Mülleimern 40 bis 50 leere Pizzaschachteln“, weiß Gerold.

Seepromenade als Badeplatz: Der Abfall bleibt zurück

Apropos Ufer: Über die Verschmutzung am See weiß auch die Wiesseer SPD-Gemeinderätin Klaudia Martini ein Liedchen zu singen. Sie hatte schon einmal am Rande einer Gemeinderatssitzung beklagt, dass es neuerdings immer mehr Badende gebe, die ihre Lagerplätze nicht mehr in den ausgewiesenen Strandbädern, sondern auf dem Grün der Seepromenade aufschlagen. „Die breiten ihre Decken aus, nehmen ihren Proviant mit und verschwinden für ihre Notdurft in den Wäldern“, bekräftigt Martini auf Nachfrage. Müll und andere Überbleibsel würden am Ufer zurückbleiben. „Das ist leider ein Trend unserer Zeit – und es betrübt mich außerordentlich“, sagt sie.

gab

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