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Farbenfrohe Tragetaschen aus Plastikstreifen häkelt die Rottacherin Hannelore Schottke. Sie hofft, dass sich dadurch viele inspirieren lassen und ebenfalls zur Häkelnadel greifen.

Protest gegen die Wegwerf-Tüte

Umweltschützerin häkelt Plastik-Tragetaschen

Rottach-Egern - Plastiktüten, die gleich wieder im Müll landen, sind Hannelore Schottke ein Dorn im Auge. Sie protestiert dagegen auf unkonventionelle Weise: Sie häkelt Plastik-Tragetaschen.

Herkömmliche Plastiktüten haben meist eine geringe Lebensdauer. Oft reißen die Henkel ab oder die Böden brechen durch. Im Normalfall finden die Tüten nur ein einziges Mal Verwendung, ehe sie im Hausmüll landen. Für Umweltschützer ein absolutes Unding: Denn der Zerfall des Plastik-Materials dauert zwischen 100 und 500 Jahren.

Einen Lösungsansatz bietet Hannelore Schottke. Zwar kann sie den Zerfall des Kunststoffs nicht beschleunigen, aber sie kann der Plastiktüte eine höhere Lebenserwartung bescheren. Einweg kommt ihr nicht in die Tüte – dieser Satz hat für die 73-Jährige aus Rottach-Egern eine ganz besondere Bedeutung. Statt Plastiktüten einfach wegzuwerfen, häkelt sie aus mehreren Exemplaren eine große, widerstandsfähigere Tragetasche.

„Man muss Plastiktüten also nicht einfach in den Müll werfen“, sagt Schottke. „Man kann sie zumindest eine Zeit lang wiederverwerten.“ Alles eine Frage der Technik, weiß die Rottacherin. „Ich habe mehrere Plastiktüten in dünne Streifen geschnitten und sie dann mit einer Neuner-Häkelnadel zusammengefügt“, erklärt Schottke.

Das Resultat ist eine vierfarbige, gestreifte Tragetasche mit Henkeln und sogar einem Knopf als Verschluss. Zwar weist Schottkes Antwort auf die Plastikmüllberge – bedingt durch das Häkel-Verfahren – recht viele Löcher auf, doch auch diese Problematik hat die Rottacherin gelöst. „Ich habe einfach eine Stofftüte eingenäht“, sagt die 73-Jährige. So kann nichts verloren gehen.

Dass sie sich für die Umwelt engagiert, liegt bei Schottke in der Familie. Die Idee zur Wiederverwertung von Plastiktüten hat sich die gebürtige Mönchengladbacherin nämlich von ihrer Schwester abgeschaut. „Die hat vor vielen Jahren einmal Tischsets und Tischdecken aus Plastiktüten gemacht“, erzählt die Rottacherin.

Überhaupt haben Beide eine künstlerische Ader. „Ich male auch gerne mit Acryl“, sagt Schottke. „So begabt wie meine Schwester bin ich da aber nicht.“ Außerdem fehle ihr oftmals einfach die Zeit. Schließlich muss sie auch ihrer Arbeit als Haushälterin nachgehen. Und bei schönem Wetter ist Radfahren angesagt.

Auch deshalb soll die gehäkelte Einkaufstasche ein Einzelstück bleiben. Schottke möchte aber – genauso wie damals ihre Schwester – anderen als Vorbild dienen. „Ich habe nicht vor, weitere Tragetaschen herzustellen und die dann zu verkaufen“, sagt sie. „Ich will die Leute zum Nachmachen animieren.“

Trotzdem will Schottke ihre neu gewonnene Häkel-Leidenschaft nicht aufgeben. Sie hat bereits wieder ein Projekt ins Auge gefasst. „Ich arbeite momentan an einem Gartenhut“, sagt die 73-Jährige. Ebenfalls aus Plastiktüten. Und sie weiß auch schon, wo sie den tragen wird: „Den Hut werde ich dann zum Rasenmähen aufsetzen.“

Bastian Huber

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