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Schalck-Golodkowsi: So lebte er am Tegernsee

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Von: Gerti Reichl

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In diesem Haus in der Seestraße in Rottach-Egern lebte Alexander Schalck-Golodkowski. © al/dpa

Rottach-Egern - Er zählte zu den prominentesten Bewohnern in Rottach-Egern – und zu den umstrittensten. Am Sonntag ist der frühere DDR-Devisenhändler Alexander Schalck-Golodkowski (82) gestorben.

Schalck-Golodkowski litt an Prostatakrebs. Konrad Niedermaier war damals Bürgermeister in Rottach-Egern, als sich der frühere SED-Wirtschaftsfunktionär am Tegernsee niederließ und eine luxuriös ausgestattete Doppelhaushälfte am Weißachdamm mietete. Später zog Schalck-Golodkowski mit seiner zweiten Frau Sigrid in eine kleinere Wohnung in der Ortsmitte, rückwärtig an der Seestraße.

Hier, mit Blick auf eine große grüne Wiese, lebte er die letzten 15 Jahren völlig zurückgezogen. „Schalck-Golodkowski hat wie ein Geist in Rottach-Egern gelebt“, erinnert sich der Altbürgermeister. Nur hin und wieder habe man ihn in Restaurants gesehen. Zwei Begebenheiten blieben Niedermaier im Gedächtnis: „1991 fuhren Demonstranten mit Bussen vor meinem Wohnhaus vor und drohten, das Rathaus in die Luft zu sprengen. Die Leute protestierten gegen den Aufenthalt des DDR-Mannes hier am Tegernsee. Meine Frau hat ihnen erklärt, dass wir hier nicht im Wilden Westen sind.“ Irgendwann habe er Schalck-Golodkowski auf einem Parkplatz getroffen. „Wir sind ins Gespräch gekommen, und er beruhigte mich mit den Worten: Sie brauchen sich nichts denken, da passiert schon nichts.“

Zu weiteren Zwischenfällen kam es nicht mehr, von ihrem umstrittenen Bewohner merkte die Gemeinde so gut wie nichts. Schalk-Golodkowski habe ein sehr bescheidenes, ruhiges Dasein geführt, berichtet ein Rottacher, der namentlich nicht genannt werden will. Nur einmal habe er einen Vortrag bei Rotary gehalten, einer der wenigen öffentlichen Auftritte. Man habe wohl versucht, sich nicht mit ihm blicken zu lassen. Seine gepflegte Frau jedoch scheute die Öffentlichkeit nicht. Sie ist fast täglich in Rottach-Egern zu sehen. Ob der frühere DDR-Mann am Tegernsee beerdigt wird, ist noch nicht bekannt.

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