Peter Lorenz im Interview

Tegernsee: Nach Seilbahnunglück in Italien - Wie sicher ist die Wallbergbahn?

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Sicherheit wird groß geschrieben bei der Wallbergbahn am Tegernsee. Umso betroffener ist Geschäftsführer Peter Lorenz vom jüngsten Seilbahnunglück in Italien.

Rottach-Egern – Erst seit wenigen Tagen war die „Funivia del Mottarone“ am Lago Maggiore nach den Lockerungen der Corona-Regeln in Italien in Betrieb, als bei einem schrecklichen Unglück am Pfingstsonntag 14 Passagiere der Seilbahn ihr Leben verloren. Am kommenden Montag könnten sich auch die Kabinen der Wallbergbahn in Rottach-Egern nach der langen Lockdown-Pause wieder in Bewegung setzen. Ob er trotz der noch ungeklärten Unfallursache in Italien daran festhält, welche Sicherungsmaßnahmen es hierzulande gibt und warum niemand ein mulmiges Gefühl in der Gondel haben braucht, erklärt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Wallbergbahn und stellvertretender Vorsitzender des Verbands Deutscher Seilbahnen, im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Lorenz, was haben Sie empfunden, als Sie die Nachricht vom Seilbahnunglück in Italien erreicht hat?

Peter Lorenz: Große Erschütterung und natürlich Mitleid mit den Opfern und ihren Angehörigen. Obwohl es noch so gut wie keine offiziellen Informationen zum Unfallhergang gibt, bin ich aber überzeugt, dass etwas absolut Außergewöhnliches dazu geführt hat.

Wie können Sie so sicher sein, dass es nicht bloß ein technischer Defekt am Seil war?

Peter Lorenz: Ich kann mir das einfach nicht vorstellen. So muss beispielsweise das laut Augenzeugenberichten offenbar gerissene Zugseil die vierfache Last einer voll besetzten Gondel aushalten können. Zwei Mal pro Jahr ist eine magnetinduktive Prüfung mit externen Sachverständigen vorgeschrieben. Zusätzlich werden die Seile jeden Monat genau in Augenschein genommen. Und selbst für den Fall, dass etwas nicht passt, müsste sofort der Notstoppmechanismus greifen. Bei so vielen Sicherungsmaßnahmen muss in meinen Augen ein externer Auslöser für das Unglück verantwortlich sein.

Wie sehen Ihre Sicherheitsstandards am Wallberg aus?

Peter Lorenz: Die Vorschriften sind europaweit gleich und sehr streng. Die halten wir natürlich allesamt penibel ein. Am Brauneck haben wir uns sogar selbst ein Gerät für eine magnetinduktive Seilüberprüfung angeschafft und einen unserer Mitarbeiter dafür ausgebildet. Obendrein arbeiten wir jeden Morgen vor Betriebsstart an allen unseren Bahnen eine umfangreiche Sicherheitscheckliste ab. Dabei schauen wir uns auch die Nothalte und Stützen an.

Ein Unglück wie in Italien könnte also am Wallberg nicht passieren?

Peter Lorenz: Eigentlich sollte es nirgendwo in Europa passieren. Wirklich vergleichen kann man die Wallbergbahn mit der am Mottarone aber nicht. Dort handelt es sich um eine Pendelbahn, bei der jeweils eine Gondel nach oben und die andere nach unten fährt. Die Kabinen auf den Wallberg arbeiten im Umlaufsystem. Trotzdem verfügen aber auch sie um ein separates Zug- und Tragseil, um die Last zu verteilen.

Rechnen Sie damit, dass es nach dem Unfall am Lago Maggiore nun auch hier zu einer Verschärfung der Sicherheitsstandards kommt?

Peter Lorenz: Wir als Verband warten erst mal ab, bis die Unglücksursache dort geklärt ist. Erst dann kann man überlegen, ob Anpassungen notwendig sind. Bis auf Weiteres werden wir unseren Betrieb am Wallberg wie geplant am Montag, 31. Mai, aufnehmen. Die Inzidenz im Landkreis Miesbach geht ja nun doch schnell nach unten. Deshalb versuchen wir, dass wir schon am Samstag starten können.

Haben Sie keine Sorge, dass sich manche Leute angesichts des jüngsten Unglücks gar nicht in die Gondeln trauen?

Peter Lorenz: Nein, davon gehe ich nicht aus. Wenn man so denken würde, dürfte man sich auch in kein Auto mehr setzen. Da ist das Risiko viel größer, dass etwas passiert.

sg

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Rubriklistenbild: © THOMAS PLETTENBERG

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