+
Schon viele Male hat Elisabeth Hilmer (84) Afrika besucht, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Ihre Erinnerungen hält sie in einem Fotoalbum fest.

Rottacherin (84) leistet Hilfe zur Selbsthilfe

Elisabeth Hilmer und ihre Brunnen: Diese Frau lebt die Faszination Afrika

  • schließen

Realistisch, pragmatisch, direkt: So betreibt Elisabeth Hilmer (84) seit 20 Jahren ihr Hilfsprojekt „Brunnenbau im Senegal“. In der Zwischenzeit hat sie insgesamt 51 Brunnen in Afrika und Indien erkämpft.

Rottach-Egern– Schon als Kind war Elisabeth Hilmer fasziniert von Afrika und hat alles gelesen, was sie zu dem Thema in die Finger bekam: Nicht nur die Berichterstattung vom Afrikafeldzug, sondern vor allem die Berichte in der Kirchenzeitung und die Bücher von Albert Schweitzer über Lambaréné. Dass sie einmal im sozialen Bereich arbeiten wollte, stand für Elisabeth Hilmer schon früh fest. „Afrika hatte ich immer im Kopf“, sagt die 84-Jährige heute mit Blick auf die Wendungen und Umwege, die ihre Leben genommen hat, bis sie im Dezember 1998, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, dem Eigentümer der bekannten Hotelfachschule Speiser, das erste Mal in den Senegal flog. Ihr Ziel: Wasser in die Dornensavanne bringen.

Lesen Sie hier: Tegernseer Gymnasiasten ermöglichen Mädchen aus Malawi eine Zukunft

Auch wenn die Herangehensweise etwas hemdsärmelig und direkt war und nach wie vor ist: Elisabeth Hilmer hat sich ein veritables Netzwerk aufgebaut, indem sie die Menschen aus der Kirche und der Politik, von denen sie in Missionsberichten gelesen und Fernsehberichten gehört hat, einfach persönlich kontaktiert. So sammelte Hilmer beispielsweise schon vor ihrer ersten Reise jede Menge Sachspenden und schickte sie an die Diözese St. Louis und den dazugehörigen Bischof. Der verwies sie dann weiter an Caritasdirektor Pierre Lamgan. Mit ihm ist Hilmer herumgefahren und hat bereits bestehende Brunnen besichtigt und Dörfer besucht, die noch einen brauchten. Da stand fest, dass dort nur Ziehbrunnen ohne jegliche Technik funktionieren, die bis zu 40 Meter tief per Hand gegraben werden.

Einer von 51: Brunnen wie diesen hat die Rottacherin schon viele möglich gemacht.

„Es war schon ziemlich schnell klar, dass es nicht mit nur einem Brunnen getan sein konnte“, lacht die agile Helferin heute. Über 40 Mal war Elisabeth Hilmer seither in Afrika, und hat bis dato für 51 Brunnen Spenden in ihrem Bekannten- und Freundeskreis im gesamten Tegernseer Tal, bei den ehemaligen Speiser-Schülern in aller Welt und über das Internet akquiriert. Für jeden Brunnen 3800 Euro.

Hilmer betreibt Hilfe zur Selbsthilfe. Auf eigene Kosten fliegt sie hinüber, sucht sich die günstigsten und deshalb geradezu abenteuerlichsten Bleiben, um vor Ort Material zu kaufen und die Arbeiter zu bezahlen, die den Brunnen bauen. Zwei Brunnen sind aktuell noch im Bau – und außerdem ihr Herzensprojekt: ein Kinderhaus nach dem Vorbild von Mutter Theresa. Letztere hatte Hilmer in Kalkutta besucht, um sich von deren Arbeit inspirieren zu lassen.

Hier finden Sie einen weiteren Bericht über den Brunnenbau im Senegal

Und weil die Rottacherin selbst eine leidenschaftliche Gärtnerin ist und ihr Gemüse selbst zieht, zeigt sie den Frauen in den afrikanischen und indischen Dörfern, wie man Gemüse anbaut, sich damit selbst verpflegt und es zusätzlich verkauft und dadurch autark wird. Klar, dass sie neben Sachgeschenken (je ein Sack Reis, Zwiebeln, Gemüse und fünf Liter Öl) auch immer Saatgut dabei hat. „Landfrauenprojekt“ nennt Hilmer diese Arbeit in Sachen Frauenrechte, bei der sie mit Unterstützung anderer Vereine, Stiftungen und Organisationen auch Hirsemühlen finanziert. Einen Vortrag über Geburtenregelung gibt es von der 84-Jährigen obendrauf.

„Man muss das Land aufbauen, nicht einfach nur das Geld rüberschicken“, ist Hilmer überzeugt, die jeden Brunnen nach seiner Fertigstellung auch selbst kontrolliert. Erst dann wird der Brunnen namentlich gewidmet, und es wird gefeiert. Hilmer kann nicht sagen, ob Afrikaner wegen der über sie finanzierten Brunnen in ihren Dörfern bleiben und nicht ihr Glück in den Metropolen Afrikas oder in Europa suchen. „Aber die Chance, dass sie Eigenverantwortung für ihre Dörfer übernehmen, ist höher, wenn sie eigenes Wasser haben.“ Da ist sich Hilmer seit 20 Jahren sicher.

ak

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Als Bürgermeisterkandidat für Bad Wiessee nominiert: Robert Kühn hat die SPD hinter sich
Die Wiesseer SPD hat Robert Kühn als ihren Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2020 nominiert. 
Als Bürgermeisterkandidat für Bad Wiessee nominiert: Robert Kühn hat die SPD hinter sich
Wie von Panzern gemacht: Mäharbeiten an der Weißach laufen aus dem Ruder
Der Rottacher Grünen-Gemeinderat Thomas Tomaschek ist entsetzt: Tiefe Spuren, wie von Panzern gemacht, zeugen auf einer Wiese an der Weißach von Mäharbeiten, bei denen …
Wie von Panzern gemacht: Mäharbeiten an der Weißach laufen aus dem Ruder
Unfall auf Ortsdurchfahrt - Radfahrer verletzt - Schwangere ins Krankenhaus gebracht
Ein Unfall in der Tegernseer Ortsdurchfahrt sorgte am Donnerstagnachmittag für lange Staus. Offenbar wurde ein Radfahrer von einem Auto erfasst. Ein Schwangere wurde ins …
Unfall auf Ortsdurchfahrt - Radfahrer verletzt - Schwangere ins Krankenhaus gebracht
Vom Westerwald an den Tegernsee: Deshalb kommt Urlauberpfarrer Hählke immer wieder 
Auch Pfarrer brauchen eine Urlaubsvertretung. Am Tegernsee übernimmt den Job gerne der 67-jährige Christian Hählke aus dem Westerwald. Er weiß hier nicht nur den See und …
Vom Westerwald an den Tegernsee: Deshalb kommt Urlauberpfarrer Hählke immer wieder 

Kommentare